Assessments schaffen Transparenz über Infrastruktur, Prozesse und Strategien. Sie decken Optimierungspotenziale auf und bieten konkrete Empfehlungen, um die Effizienz und Resilienz der IT zu steigern.
Nicht nur Bewerber sollten in ein Assessment-Center geschickt werden, sondern auch die Rechenzentrums-IT.
(Bild: Richelle - stock.adobe.com)
Rechenzentren stehen vor zahlreichen Herausforderungen: Ihr Energieverbrauch ist sehr hoch, er entspricht etwa einem Prozent des weltweiten Energiebedarfs und wird voraussichtlich weiter steigen. Neue Technologien im Bereich der Künstlichen Intelligenz stellen neue Anforderungen an die Skalierbarkeit. Hinzu kommen europäische Regelungen zu KI oder Cyber-Sicherheit. Die Betreiber von Rechenzentren benötigen dringend innovative Lösungen, um diesen Herausforderungen zu begegnen.
Ein strategisches Instrument zur Bewältigung dieser Herausforderungen sind IT-Assessments. Sie helfen, den Ist-Zustand der IT-Infrastruktur, -Prozesse und -Strategien zu erfassen und zu bewerten. Auf Basis der Analyse können Rechenzentren ein detailliertes Stärken-Schwächen-Profil erstellen, das konkrete Empfehlungen für zukünftige Entscheidungen und Investitionen ergibt.
Eine umfassende Bewertung eines Rechenzentrums behandelt alle Aspekte des gesamten Rechenzentrumsbetriebs, von der Strategie über die Infrastruktur bis hin zu den Prozessen. Ein solches Vorgehen erfordert jedoch erhebliche Ressourcen und hat einen hohen Aufwand. Rechenzentren profitieren eher von gezielten, spezifischen Assessments, die schnell und kostengünstig Optimierungspotenziale aufzeigen. Der Aufwand bleibt überschaubar, die Handlungsempfehlungen sind sofort umsetzbar.
Infrastruktur-Assessment
Eine grundlegende Analyse bietet das Infrastruktur-Assessment. Ziel ist es, die bestehende IT-Infrastruktur detailliert zu analysieren und eine umfassende Strategie zur Effizienzsteigerung und Modernisierung eines Rechenzentrums zu entwickeln. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse der Hauptkomponenten der technischen Infrastruktur sowie von Prozessen wie Datensicherung und Sicherheit. Insgesamt sollte ein solches Assessment mindestens die folgenden fünf Bereiche umfassen:
Server- und Storage-Hardware: Alle physischen und virtuellen Maschinen werden hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit, Wartbarkeit und Skalierbarkeit auf den Prüfstand gestellt.
Netzwerkarchitektur: Hier geht es um die Effizienz der Netzwerkkomponenten und deren Integration in die Gesamtinfrastruktur des Rechenzentrums. Dazu gehören Sicherheitsmaßnahmen, Performance und Redundanzen.
Datensicherheits- und Datenschutz: Das Audit bewertet die Konzepte zur Datensicherung und -wiederherstellung im Hinblick auf ihre Aktualität, Wirksamkeit und Konformität. Hinzu kommt eine Einschätzung der Konformität mit der Datenschutz-Grundverordnung der EU.
Patch-Management und Software-Updates: Das Audit untersucht, wie zeitnah und regelmäßig Sicherheitsupdates und Patches eingespielt werden, um Sicherheitslücken zu vermeiden.
Applikations- und Service-Management: Eine Analyse der im Rechenzentrum betriebenen Applikationen und Services ist ein weiterer Bestandteil des Assessments. Ziel ist eine optimale Balance zwischen Betriebssicherheit und Effizienz.
Am Ende eines Infrastruktur-Assessments steht ein strukturierter Bericht mit allen Erkenntnissen. Er enthält klare Handlungsempfehlungen zur Optimierung der Infrastruktur und zur langfristigen strategischen Ausrichtung der IT.
Performance-Evaluation: Identifizierung von Engpässen und Optimierungspotenzialen
Ein wichtiger Bestandteil des Infrastruktur-Assessments ist die Performance-Evaluation. Sie analysiert die bestehende Infrastruktur auf Schwachstellen und gibt konkrete Handlungsempfehlungen zur Leistungssteigerung. Spezifische Ziele wie die Verbesserung der Server- und Storage-Performance sowie die Optimierung der Netzwerklast helfen dabei.
Engpässe in der IT-Infrastruktur eines Rechenzentrums äußern sich auf unterschiedliche Weise. Häufige Ursachen sind eine ineffiziente Ressourcenverteilung, veraltete Hardware oder fehlende Netzwerkbandbreite. Bereits kurze Zeit nach der Einführung neuer Software oder Hardware können Ineffizienzen auftreten und den Betrieb des Rechenzentrums verlangsamen. Daher ist es sinnvoll, die Performance auch unabhängig von einem größeren Assessment regelmäßig zu überprüfen.
Bewertung der Cloud-Readiness
Der Einsatz von Cloud-Technologien und das Angebot von Cloud-Diensten ist für Rechenzentren heute nahezu unverzichtbar. Deshalb hilft ein Cloud Readiness Assessment, die Eignung der bestehenden IT-Infrastruktur für den Einsatz von Cloud-Technologien zu bewerten.
Konkret geht es darum, die IT-Systeme und organisatorischen Prozesse daraufhin zu untersuchen, inwieweit sie bereits auf die Bereitstellung eines Cloud-Angebots vorbereitet sind. Dazu gehört die Überprüfung der IT-Landschaft hinsichtlich Skalierbarkeit, Sicherheit und Datenvolumen sowie die Bewertung der internen IT-Kompetenzen.
Ist das Rechenzentrum bereits Teil einer Cloud-Umgebung, kann ein Review sinnvoll sein. Dabei wird die aktuelle Cloud-Architektur hinsichtlich ihrer Effizienz, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit analysiert. Dabei werden Aspekte wie Governance, Namenskonventionen, Ressourcengruppenstrategien und Sicherheitskonzepte betrachtet. Ziel ist es, die Nutzung von Cloud-Ressourcen zu optimieren, Sicherheitslücken zu schließen und die Performance durch verbesserte Skalierbarkeit zu steigern.
Stand: 08.12.2025
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Stärkung der Cyber-Resilienz
Ein gründlicher Sicherheits- und Compliance-Check ist unverzichtbar, um die Cyber-Resilienz zu stärken. Resilienz beschreibt die Fähigkeit einer Organisation, sich gegen Cyber-Angriffe zu schützen, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und die Auswirkungen von Sicherheitsvorfällen zu verringern. Durch die Erkennung von Schwachstellen und gezielte Optimierungen wird die IT-Infrastruktur widerstandsfähiger gegenüber Cyber-Bedrohungen.
Das Assessment bietet eine umfassende Analyse der Cyber-Sicherheitslage und unterstützt Unternehmen dabei, präventive Maßnahmen zu ergreifen, um Angriffe frühzeitig zu erkennen und deren Auswirkungen zu minimieren. Themen wie Netzwerk- und Endgerätesicherheit, Backup-Strategien und Notfallpläne werden eingehend behandelt. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Vorbereitung auf Worst-Case-Szenarien und der Schaffung eines einheitlichen Verständnisses für Cyber-Security über verschiedene Teams hinweg.
Praxisorientierte Leitlinien
IT-Assessments bieten eine strategische Basis, um Rechenzentren auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen auszurichten. Vor allem angesichts steigender Anforderungen durch neue Technologien und verschärfte Regulierungen sind zielgerichtete Assessments eine wertvolle Hilfe. Sie decken Schwachstellen auf und helfen dabei, sie kurzfristig zu beheben.
Der Fokus auf spezifische Analysen zu Performance oder Cloud-Readiness ermöglicht eine schnelle und effiziente Umsetzung. Mit der stetigen Weiterentwicklung von Methoden und Tools bieten IT-Assessments praxisorientierte Leitlinien, die direkt in die operative Planung und Umsetzung einfließen können. Regelmäßige Assessments schaffen eine Grundlage, um Rechenzentren kontinuierlich zu optimieren und langfristig zu gestalten.
*Der Autor Philipp Mölders ist VP Technology Office und Teamlead Hybrid IT bei Netgo.