Es lohnt sich - Brettsperrholz statt Stahlbeton Holzbauweise für Datacenter als Baustein der Nachhaltigkeitswende

Ein Gastbeitrag von Tobias von der Heydt* 6 min Lesedauer

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Technische Infrastruktur wird heute von der Gesellschaft kritischer beobachtet und hinterfragt als je zuvor. In den USA wurden 2025 mindestens 25 Rechenzentrumsprojekte nach lokalem Widerstand gestoppt, viermal so viele wie im Jahr davor. Auch in Europa gibt es punktuellen Widerstand.

Prior1 bietet mit „Eco Fix“ IT-Container in Holzbauweise an. (Bild:  Prior1)
Prior1 bietet mit „Eco Fix“ IT-Container in Holzbauweise an.
(Bild: Prior1)

Allerdings: In Deutschland hat die Branche das Thema Nachhaltigkeit bereits auf der Agenda, nicht zuletzt wegen der schärferen Regulatorik wie dem Energie-Effizienzgesetz. Einen Teil dazu beitragen kann die Holzbauweise. Denn Brettsperrholz kann den CO2-Fußabdruck beim Bau von Rechenzentren um bis zu 65 Prozent senken.

Die Digitalisierung ist das Fundament der modernen Wirtschaft, doch ihre physische Basis, das Rechenzentrum, wird immer wieder kritisch diskutiert. 2025 wurden n den USA 25 Bauprojekte für Rechenzentren nach lokalem Widerstand gestoppt, viermal so viele wie 2024. Laut „Data Center Watch“ sind in den USA Projekte im Wert von 64 Milliarden Dollar blockiert oder verzögert. 142 Aktivistengruppen in 24 Bundesstaaten mobilisieren gegen den Bau neuer Anlagen.

Die Kritikpunkte sind vielfältig und betreffen verschiedene Dimensionen des Ressourcenverbrauchs.

  • In Detroit demonstrierten Bürger vor der Zentrale des Energieversorgers DTE Energy gegen ein 1,4-Gigawatt-Rechenzentrum, das die lokale Stromversorgung belasten würde.

Die Sorgen reichen von steigenden Strompreisen über Wasserknappheit bis hin zu Flächenversiegelung und CO2-Emissionen.

Punktueller Widerstand in Europa

Auch in Europa formierte sich in der Vergangenheit punktueller Widerstand. In Irland gehen bereits 21 Prozent de rnationalen Stromversorgung an Rechenzentren, in den Niederlanden sind es 5,4 Prozent . Meta musste 2022 ein geplantes Rechenzentrum in Zeewolde aufgeben, nachdem der niederländische Senat das Projekt auf Eis gelegt hatte.

In Irland lehnte der South Dublin County Council im August 2024 ein Google-Projekt ab, weil die Stadt nicht genug Energie zur Verfügung stellen konnte. In Marseille kämpft die Aktivistengruppe „Clouds Were Under Our Feet" 2024 gegen fünf Rechenzentren, die ihrer Ansicht nach mit der Elektrifizierung des städtischen Busnetzes konkurrieren.

Chencen für Rechenzentren in Deutschland

In Deutschland ist die Situation differenzierter. Im September 2024 protestierten zwar über 73.000 Menschen mit einer BUND-Petition gegen Pläne für Hyperscale-Rechenzentren im Rheinischen Revier. Der Umweltverband kritisierte hier den Verbrauch von Agrarland, den hohen Energiebedarf und ungeklärte Fragen zur Wasserversorgung. Doch die Branche hat das Thema Nachhaltigkeit längst auf der Agenda, nicht zuletzt aufgrund des Energie-Effizienzgesetzes.

Im Spannungsfeld zwischen wachsendem Bedarf an Rechenleistung und gesellschaftlichen Nachhaltigkeitserwartungen sucht die Branche nach Lösungen, die verschiedene Dimensionen, nicht nur die Energie-Effizienz, adressieren. Die Herausforderung ist vielschichtig.

Energie-Effizienz und die Versorgung mit erneuerbaren Energien adressieren den Betrieb. Doch bereits beim Bau eines Rechenzentrums entsteht ein erheblicher CO2-Fußabdruck durch die Herstellung der benötigten Baumaterialien, der so genannte „Embodied Carbon Footprint". An diesem Punkt setzt ein altbewährter Werkstoff als Lösung an: Holz.

Holz als Gamechanger

International haben mehrere Unternehmen begonnen, bei neuen Rechenzentren auf Brettsperrholz, auch bekannt als Cross-Laminated Timber (CLT), zu setzen. Ziel ist die drastische Reduktion des „Embodied Carbon Footprint".

Durch die Verwendung von Brettsperrholz in zwei neuen Microsoft-Rechenzentren, die derzeit im Norden Virginias gebaut werden, kann das Unternehmen den Einsatz von Stahl und Beton reduzieren, zwei Materialien, die in hohem Maße zur CO2-Emission beitragen. (Bild:  Microsoft)
Durch die Verwendung von Brettsperrholz in zwei neuen Microsoft-Rechenzentren, die derzeit im Norden Virginias gebaut werden, kann das Unternehmen den Einsatz von Stahl und Beton reduzieren, zwei Materialien, die in hohem Maße zur CO2-Emission beitragen.
(Bild: Microsoft)

Beispiele aus der Praxis belegen das Potenzial: Bei zwei Hyperscale-Rechenzentren in Virginia setzte Microsoft auf eine Hybridbauweise mit CLT, Stahl und Beton. Laut Unternehmensangaben konnte die CO2-Bilanz im Vergleich zu konventionellen Stahlkonstruktionen um 35 Prozent und gegenüber Betonfertigteilbauten sogar um 65 Prozent verbessert werden.

Auch in Europa gibt es Vorreiter: Das Ecodatacenter in Schweden und das Rechenzentrum von Celeste in Frankreich nutzen ebenfalls Holz als tragendes Element ihrer Konstruktion. Diese Projekte zeigen, dass Holzbauweise keine Nischentechnologie mehr ist, sondern eine kommerziell etablierte und skalierbare Lösung. Der Grund liegt in den überzeugenden Eigenschaften des Materials.

Die Vorbehalte gegenüber Holz in einer hochtechnisierten Umgebung wie einem Rechenzentrum sind oft groß, basieren aber meist auf veralteten Vorstellungen. Modernes Brettsperrholz (CLT) ist ein Hightech-Baustoff, der traditionellen Materialien in entscheidenden Disziplinen ebenbürtig oder sogar überlegen ist.

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Brandschutz: Zwischen Vorurteil und Realität

Die österreichische Holz-Informationsplattform Proholz beschreibt das Brandverhalten von Holz als „gutmütig und vorhersehbar". Bei einem Brand bildet sich an der Oberfläche eine schützende Holzkohleschicht, die den inneren Kern isoliert.

Die Abbrandrate ist mit etwa 0,7 Millimeter pro Minute präzise kalkulierbar. Moderne CLT-Elemente erreichen problemlos die Feuerwiderstandsklasse F90 (90 Minuten Feuerwiderstand) und erfüllen damit die strengen Normen für Rechenzentren wie die EN 50600 und baurechtliche Anforderungen. Auch Anforderungen an den Einbruchschutz sind durch massive Holzstrukturen realisierbar.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Professor José Torero, ein international renommierter Brandschutzforscher, warnt vor Planungs- und Ausführungsfehlern: Nicht das Material selbst sei risikobehaftet, sondern unzureichende Erfahrung im Umgang damit. Ein schlecht umgesetzter Holzbau könne im Ernstfall gefährlicher sein als ein vergleichbarer Beton- oder Stahlbau. Dieses Risiko lässt sich durch die Beauftragung spezialisierter Unternehmen mit dokumentierter Projekterfahrung und entsprechenden Zertifizierungen ausschließen.

Schutz vor Vandalen und Einbrechern

Auch das Vorurteil, Holzwände könnten einfach aufgesägt werden, hält einer Prüfung nicht stand. Weder bei Holz- noch bei Stahlcontainern existieren dokumentierte Fälle solcher Angriffe auf Rechenzentren.

CLT-Wände sind mehrschichtig verleimt und erfordern erheblichen mechanischen Aufwand diese zu durchbrechen. In Kombination mit Zutrittskontrolle, Video-Überwachung und Alarmsystemen ist das Sicherheitsniveau identisch mit konventionellen Bauweisen.

Ökologische und technische Vorteile

Die ökologischen Vorteile sind evident. Jeder Kubikmeter verbautes Holz bindet etwa eine Tonne Kohlenstoff und spart zusätzlich rund 600 Kilogramm CO2 ein, die bei der Herstellung von Zement für Beton anfallen würden (siehe: EU „Holzbau zur Verringerung der CO2-Emissionen im Gebäudesektor“). Hinzu kommt die exzellente natürliche Wärmedämmung.

Mit einer Wärmeleitfähigkeit von nur 0,13 Watt pro Meter und Kelvin (W/m) - im Vergleich zu 2,1 W/mK bei Beton - reduziert Holz den Bedarf an zusätzlicher Dämmung und senkt den Energie-Aufwand für die Kühlung um 15 bis 20 Prozent. Zertifizierungen wie „Cradle to Cradle Certified Gold", die beispielsweise das von der Firma Derix verwendete Brettsperrholz erhalten hat, belegen die Kreislauffähigkeit des Materials.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Baugeschwindigkeit. Vorgefertigte CLT-Elemente ermöglichen für mittelgroße Rechenzentren Bauzeiten von vier bis neun Monaten, deutlich schneller als die 15 bis 24 Monate, die konventionelle Massivbauten benötigen.

Wirtschaftlichkeit: Eine Neubewertung der Gesamtkosten

Die oft zitierte Annahme, Holzbau sei per se teurer, greift bei einer Gesamtbetrachtung zu kurz. Zwar können die reinen Materialkosten variieren, doch zwei betriebswirtschaftliche Faktoren kehren dieses Bild um.

Erstens, der Zeitgewinn: Die modulare Vorfertigung von Holzelementen verkürzt, wie erwähnt, die Bauzeit im Vergleich zu Betonprojekten. Dieser Vorsprung ermöglicht eine deutlich frühere Inbetriebnahme und damit einen schnelleren Return on Investment.

Zweitens, die Energie-Effizienz: Holz dämmt durch seine geringe Wärmeleitfähigkeit deutlich besser als Beton. Das reduziert den Kühlbedarf und senkt die Betriebskosten für die Klimatisierung. Praxisbeispiele wie die von Microsoft belegen, dass diese laufenden Einsparungen, kombiniert mit der schnelleren Bauzeit, Holz zu einer wirtschaftlich attraktiven und zukunftssicheren Entscheidung machen.

Verfügbare Angebote für den deutschen Markt

Was bei internationalen Großprojekten funktioniert, ist auch für den deutschen Mittelstand und für Edge- oder On-Premises-Anwendungen verfügbar. Mehrere Anbieter haben modulare Rechenzentren in Holzbauweise entwickelt. Ein Beispiel ist der IT Container „Eco Fix“ von Prior1, der in Kooperation mit dem Holzbauspezialisten Derix entwickelt wurde und auf CLT-Brettsperrholz-Technologie basiert.

Fast gemütlich: Innenansicht des  IT-Containers „Eco Fix“ von Prior1 (Bild:  Prior1)
Fast gemütlich: Innenansicht des IT-Containers „Eco Fix“ von Prior1
(Bild: Prior1)

Mit Platz für vier 19-Zoll-Server-Racks auf rund 20 Quadratmetern erfüllt er die Verfügbarkeitsklasse VK2 nach EN 50600, sowie hohe Anforderungen an Brand- und Einbruchschutz. Eine effiziente Klimatisierung mit natürlichem Kältemittel (R290) und eine intelligente indirekte Freikühlung ermöglichen bei niedrigen Außentemperaturen den vollständigen Verzicht auf mechanische Kälte-Erzeugung. Die schlüsselfertige Lösung ermöglicht Realisierungszeiten von wenigen Wochen.

Auch andere Anbieter arbeiten an vergleichbaren Lösungen. Der Markt für „Green Data Center" wächst rasant. Allein in Deutschland von 2,88 Milliarden Dollar (2024) auf voraussichtlich 12,02 Milliarden Dollar bis 2032, mit einer jährlichen Wachstumsrate von 19,55 Prozent (siehe: Credence Reserach: „Germany Green Data Center Market“)

Eine strategische Entscheidung für die Zukunft

Die zunehmende gesellschaftliche Aufmerksamkeit, der steigende regulatorische Druck und vor allem die Notwendigkeit zum Klimaschutz verändern die Anforderungen an die Rechenzentrumsbranche. Nachhaltigkeit ist zum harten wirtschaftlichen und strategischen Faktor geworden. Holzbauweise erweist sich dabei als eine technisch ausgereifte, wirtschaftlich sinnvolle und ökologisch überlegene Alternative zu konventionellen Bauweisen.

Unternehmen, die heute in ihre IT-Infrastruktur investieren, müssen die Weichen für die Zukunft stellen. Eine Bauweise, die den CO2-Fußabdruck von Beginn an minimiert, den Energieverbrauch im Betrieb senkt und die Anforderungen von morgen bereits heute erfüllt, ist nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch eine kluge Investition in die eigene Zukunftsfähigkeit. Holzbauweise ist dabei eine wichtige Säule. Gemeinsam mit Energieeffizienz, erneuerbaren Energien und Abwärmenutzung bildet sie die Grundlage für zukunftsfähige Rechenzentren.

*Der Autor
Tobias von der Heydt ist Geschäftsführer bei Prior1.

Bildquelle: Prior 1 GmbH

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