Wachstumschancen im Rechenzentrumsmarkt

Gold- und Totengräber in der Datacenter-Branche

| Autor / Redakteur: Filipe Pereira Martins und Anna Kobylinska* / Ulrike Ostler

Die Rolle der Co-Location-Anbieter

Der Kostendruck auf die Nutzer von Co-Location-Diensten dürfte sich für deren Anbieter, darunter Integratoren und MSPs (Managed Service Providers) im höheren Bedarf aber gleichzeitig möglicherweise in geringeren Margen niederschlagen. Ein Ausweg ist dennoch in Sicht. Co-Location-Anbieter dürften sich künftig dank ihrer hohen Kundennähe als eine Mittelschicht und IT-Schaltzentrale zwischen dem Unternehmen und der Cloud positionieren, deutet Gartner in einem aktuellen Bericht an.

Das dritte Co-Location-Datencenter von E-Shelter.de in Frankfurt (Stromleistung 90MW) liegt in einer zentralen Lage und bietet eine Carrier-neutrale Netzwerkanbindung.
Das dritte Co-Location-Datencenter von E-Shelter.de in Frankfurt (Stromleistung 90MW) liegt in einer zentralen Lage und bietet eine Carrier-neutrale Netzwerkanbindung. (Bild: E-Sehleter)

Die Rolle des Integrators sei für Co-Location-Anbieter naheliegend. Der Markt würde sich demnach nicht mehr ausschließlich nach Mindestkapazität, sondern vielmehr nach qualitativen Aspekten der Dienstleistung segmentieren. Auf der einen Seite werde es weiterhin reine Co-Location-Dienste geben, also „Datacenter als Immobilien“, die - mit niedrigem Grad an Redundanz - vorwiegend über den Preis miteinander konkurrieren würden.

Auf der anderen Seite verwandelt sich Co-Location in ein allumfassendes Portfolio von Rundumglücklich-Diensten, von Hosting über Managed-Services, Backups bis hin zur Bereitstellung von dynamischer Interkonnektivität und Netzwerksicherheitsdiensten und anderen ähnlichen Kompetenzen. Die Bedeutung von DCIM (Data Center Infrastructure Management) dürfte in diesem Kontext stetig zunehmen und nicht mehr wie bisher primär aus Kostengründen ins Gespräch kommen.

Unified Communications und das Edge-Modell der Datacenter-Topologie der Zukunft

Die nächste bevorstehende Herausforderung, welche existierende Datacenter-Kapazitäten zu sprengen und etablierte Kommunikationsanbieter ins Stottern zu bringen droht, ist der Trend zu Unified Communications. Unified Communications vereint IP-basierte Kommunikationstechnologien - VoIP, Text/SMS, Instant Messaging, Video-Chats, Video-Konferenzen - mit dem Ziel, dank der allgegenwärtigen Konnektivität eine höhere Produktivität zu ermöglichen. Die entstehenden Datenströme erfordern eine neue Art von Datencenterinfrastruktur und an anderen Standorten als bisher.

Für jeden Megawatt Nutzleistung verbraucht ein unternehmenseigenes Rechenzentrum typischerweise zwischen 50 und 100 Prozent mehr Energie als ein Co-Location-Anbieter. In der Abbildung: das Co-Location-Datencenter Frankfurt 1 von E-Shelter.de
Für jeden Megawatt Nutzleistung verbraucht ein unternehmenseigenes Rechenzentrum typischerweise zwischen 50 und 100 Prozent mehr Energie als ein Co-Location-Anbieter. In der Abbildung: das Co-Location-Datencenter Frankfurt 1 von E-Shelter.de (Bild: E-Shelter)

Eine Antwort auf den explodierenden Bedarf nach Echtzeitverfügbarkeit von Kommunikationsdaten stellt das Edge-Computing-Modell dar. Analysten von Gartner zu Folge wird sich die Topologie vernetzter Rechenzentren im Laufe der kommenden fünf Jahre grundlegend verändern. Der zentralisierte Ansatz mit Mega-Rechenzentren müsse einem verteilten Modell mit Edge-Standorten weichen, um eine bessere Anbindung und eine höhere Bandbreite zu gewährleisten.

Nur einige wenige Großunternehmen, so Gartner, dürften in der Lage sein, eine eigene Infrastruktur im Edge-Modell auf die Beine zu stellen. Hier eröffneten sich demnach neue Chancen für Co-Location-Anbieter. Co-Location-Dienstleister könnten zum einen eigene Edge-Standorte ihren Kunden als eine Alternative zu Cloud-CDNs zur Verfügung stellen, zum anderen aber die eigene Edge-Infrastruktur an Cloud-Anbieter als Reseller vermieten.

Mega-Rechenzentren saugen Edge-Kapazitäten

Cloud-Anbieter mit ihren hyperskalierten Mega-Datencentern seien bereitwillige Abnehmer von Edge-Kapazitäten. In diesem Umfeld soll die Modularisierung der Rechenzentrumarchitekturen in Anlehnung an Ansätze wie „Centercore“ bei einer steigenden Dichte weiter voranschreiten.

Die steigende Dichte bringt neue Herausforderungen im Hinblick auf eine ausreichende Stromversorgung und eine adäquate Kühlung ins Spiel. Auch diese Problematik dürfte das Wachstum im Co-Location-Markt ankurbeln; auf Grund der hohen Spezialisierung auf ihr Kerngeschäft sind Co-Location-Anbieter generell eher in der Lage, sich mit diesen technologischen Herausforderungen erfolgreich auseinanderzusetzen als die betroffenen Nutzer der Datacenter-Infrastruktur, deren Kernkompetenzen generell in anderen Branchen liegen.

Als ein konkretes Beispiel sei der Energieverbrauch genannt: Für jeden Megawatt Nutzleistung verbraucht ein typisches privates Rechenzentrum typischerweise zwischen 50 und 100 Prozent mehr Energie als ein Co-Location-Anbieter. Analysten zu Folge seien viele Unternehmen mit dem Co-Location-Modell wesentlich besser bedient als mit dem Betrieb firmeneigener Datacenter.

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