Ein Blick nach oben, unter die Decke, über die Racks Fast unsichtbar und doch mitbestimmend - Kabel­verlege­systeme in Datacenter

Ein Gastbeitrag von Bruno Reufels* 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Rechenzentren erfordern nun einmal höchste Standards bei der elektrotechnischen Ausstattung. Zugleich macht ihre Komplexität sie anfällig für verschiedene Risiken, deren Konsequenzen weit über unmittelbare technische Störungen hinausgehen - von Betriebsunterbrechungen über Datenverluste bis hin zu komplexen Haftungsfragen. Hochwertige Einrichtung indes können diese Risiken minimieren.

Gitterrinnen tragen durch ihre offene Struktur wesentlich zur Wärme-Ableitung bei und schützen Hochleistungs-Kupferkabel vor Überhitzung.(Bild:  Niedax Group)
Gitterrinnen tragen durch ihre offene Struktur wesentlich zur Wärme-Ableitung bei und schützen Hochleistungs-Kupferkabel vor Überhitzung.
(Bild: Niedax Group)

Die direkten und indirekten Kosten eines Rechenzentrumsausfalls sind nicht zu unterschätzen. Gerade die Opportunitätskosten eines Systemausfalls können die direkt entstehenden Reparaturkosten häufig um ein Vielfaches übersteigen. Laut Information Technology Intelligence Consulting (ITIC, März 2025) bedeutet bereits ein einstündiger Ausfall von Servern für 41 Prozent der Unternehmen einen wirtschaftlichen Schaden in Höhe von 1 bis 5 Millionen Dollar.

Die Risikofaktoren für Störungen oder Ausfälle von Rechenzentren sind dabei vielfältig und reichen von menschlichem Versagen über fehlende Informationssicherheit bis hin zu Bränden. Hauptursache für längere Ausfälle sind jedoch laut der „Global Data Center Study“ des Uptime Institute Probleme mit der Stromversorgung.

Regulatorische Anforderungen an Rechenzentren

Die Betreiberverantwortung für Rechenzentren wird durch zahlreiche regulatorische Anforderungen definiert. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat dazu den Mindeststandard zum HV-Benchmark kompakt 5.0 veröffentlicht, der eine aktuelle, praxisnahe Orientierung für Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland bietet. Darin sind unter anderem IT-Sicherheitsstandards für das Notfall- und Krisenmanagement sowie Vorgaben zum technischen Brandschutz und zur Gebäudesicherheit festgelegt, um den Funktionserhalt der elektrischen Anlagen auch im Notfall zu gewährleisten.

Gerade im Bereich des Funktionserhalts sind Produkte entscheidend, die auch unter extremen Bedingungen den Systembetrieb für eine gewisse Zeit aufrechterhalten können. Dazu zählen auch Kabelverlegesysteme. Welche Art von System zum Einsatz kommt, hängt von der jeweiligen Bauordnung sowie den zugrunde liegenden Brandschutzkonzepten ab. Rechenzentrumsbetreiber haben hierbei die Wahl zwischen genormten Tragekonstruktionen und kabelspezifischen Verlegesystemen.

Im Rahmen des baulichen Brandschutzes müssen diese jedoch grundsätzlich die Anforderungen der DIN 4102-12 erfüllen. Diese Norm stellt sicher, dass die eingesetzten Kabel zum einen halogenfrei sind und zum anderen über ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis verfügen. Letzteres wird nur nach einem detaillierten Prüfverfahren ausgestellt, das bestätigt, dass während der geforderten Prüfzeit weder Kurzschlüsse noch Unterbrechungen auftraten.

Herausforderung: Skalierbarkeit und schnelle Lieferung

Auch die Führung der Kabelinfrastruktur wird im Kontext von Datenzentren zu einem wichtigen Erfolgsfaktor. Denn während Unternehmen häufig in Hochleistungsserver und fortschrittliche Software investieren, wird die Bedeutung einer durchdachten Kabelverlegung oftmals unterschätzt. Gerade die Dimensionen heutiger Rechenzentren machen es nötig, Bauteile wie Kabeltragsysteme oft kurzfristig und in großen Mengen bereitzustellen. Das erfordert flexible Abrufaufträge und schnell verfügbare Lagermengen, damit keine langfristigen und kostenintensiven Bauverzögerungen entstehen.

Weitere typische Herausforderungen treten auf, wenn Betreiber versuchen, Kosten durch zu knapp bemessene Kabelverlegesysteme zu sparen. So werden häufig Kabeltragsysteme mit unzureichender Breite verbaut, die später keine Erweiterungen zulassen.

Auch die Entstehung thermischer Komplikationen muss hierbei bedacht werden. Überfüllte Kabeltrassen ohne ausreichende Luftzirkulation führen zu Wärmestaus, die nicht nur die Lebensdauer der Kabel verkürzen, sondern auch den Kühlbedarf des gesamten Rechenzentrums erhöhen. Wichtig ist daher, hochwertige Kabeltragsysteme wie Gitterrinnen zu installieren. Diese können durch ihre offene Struktur wesentlich zur Wärmeableitung beitragen und gleichzeitig den Schutz von Lichtwellenleitern und Hochleistungs-Kupferkabeln gewährleisten.

Ein praktischer Nebeneffekt: Die passive Kühlung reduziert den Energiebedarf der aktiven Kühlsysteme und trägt somit direkt zur Betriebskostensenkung bei.

Hochwertige Kabelverlegesysteme bieten durchaus Return on Investment

Der verbesserte Return on Investment (ROI) ergibt sich dabei aus verschiedenen, sich gegenseitig verstärkenden Faktoren. Zunächst führt eine durchdachte Kabelinfrastruktur zu geringeren Gesamtbetriebskosten (TCO), indem sie nicht nur das Ausfallrisiko, sondern auch den Wartungsaufwand minimiert. So reduzieren eine vereinfachte Installation und Erweiterbarkeit bei hochwertigen Systemen die Kosten für Anpassungen erheblich. Beispielsweise bieten Kabelleitersysteme mit erweiterbaren Breiten von Herstellern wie Niedax ausreichend Reserven für zukünftige Erweiterungen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu RZ- und Server-Technik

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Die Kriterien Skalierbarkeit und Zukunftssicherheit sind ebenfalls relevant, da Rechenzentren durch die fortschreitende Digitalisierung sowie KI-Technologien kontinuierlich wachsen und sich weiterentwickeln. Dies wird laut einer Studie von McKinsey unter anderem dazu führen, dass der Strombedarf von Rechenzentren in Deutschland von 20 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2024 auf rund 51 TWh im Jahr 2035 ansteigen wird (siehe: McKinsey: „Zukunftspfad Stromnachfrage“ 2025, Seite 30).

Modulare Systeme mit standardisierten Schnittstellen, die Erweiterungen ohne aufwendige Umbaumaßnahmen ermöglichen, können hier helfen, um ohne größeren Aufwand für die Zukunft gerüstet zu sein. Dadurch lassen sich nicht nur die Erweiterungskosten senken, sondern auch das Risiko von Betriebsunterbrechungen durch Umbauphasen minimieren.

*Der Autor
Bruno Reufels ist seit 2005 als CEO und Vorsitzender der Geschäftsführung der Niedax Group für den Vertrieb der Kabelverlegesysteme in Deutschland verantwortlich.

Er fasst zusammen: Die Qualität der Infrastruktur bildet das Fundament für den Erfolg moderner Rechenzentren. Dabei geht es nicht um punktuelle Optimierungen, sondern um eine ganzheitliche Betrachtung, die technische Innovation, wirtschaftliche Effizienz und Zukunftssicherheit miteinander verbindet. Planer und Betreiber von Rechenzentren müssen über den unmittelbaren Anschaffungspreis hinausdenken und die gesamten Lebenszykluskosten in den Blick nehmen.

Hochwertige Infrastrukturlösungen zahlen sich langfristig durch reduzierte Ausfallrisiken, geringere Wartungsaufwände und verbesserte Energie-Effizienz aus. Sie bilden so das Rückgrat einer robusten und anpassungsfähigen Infrastruktur, die den wachsenden Anforderungen der Digitalisierung gewachsen ist.

Bildquelle: Niedax Group

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:50438754)