Zunächst nur für internationale Unternehmen reicht es nicht mehr, sich auf kurzfristige Gewinne zu konzentrieren und von Quartal zu Quartal zu denken. Investoren sowie Aufsichtsbehörden erwarten, dass sich Entscheidungsträger auch mit nicht-finanziellen Aspekten befassen. Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss sich intensiv mit den langfristigen Folgen unternehmerischen Handelns auseinandersetzen. Dies gilt insbesondere für Energie-intensive Betriebe wie Rechenzentren.
„Die Umsetzung einer ESG-Strategie im Rechenzentrumsumfeld erfordert klare Zielsetzungen und die Bereitstellung entsprechender Budgets sowie einer geeigneten Infrastruktur zur kontinuierlichen Messung und Überwachung des Energieverbrauchs“, sagt Vinent Barro, Vice President Secure Power DACH bei Schneider Electric.
(Bild: Schneider Electric)
ESG-Management (Environmental Social Governance) hat sich inzwischen als entscheidendes Steuerungsinstrument in deutschen Chefetagen etabliert. Aufwändige Rating-Systeme bewerten den Einsatz für Nachhaltigkeit und soziale Standards und helfen Anlegern so, die Risiken und Chancen ihrer Investitionen besser einschätzen zu können.
Dabei blickt das ESG-Konzept bereits auf eine lange Entwicklung zurück: Erstmalig tauchte der Begriff ESG in einem Report der Finanzinitiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen im Jahr 2005 auf. Dort sollte das Konzept vor allem als Richtschnur für Finanzspezialisten dienen, die gezielt in nachhaltige Unternehmen investieren wollten. Heute repräsentieren ESG-geführte Unternehmen mit einem Gesamtvolumen von etwa 8,4 Billionen Dollar (US SIF Foundation, US Sustainable Investing Trends, 14. Ausgabe, Dezember 22) rund 13 Prozent des gesamten US-Investorenmarktes.
Aber auch für in der EU ansässige Firmen ergeben sich bereits seit Januar 2023 umfassende Pflichten in Sachen ESG. Die entsprechende CSRD-Richtlinie (Corporate Sustainability Reporting Directive) zielt darauf ab, die Nachhaltigkeitsberichterstattung mit der Finanzberichterstattung gleichzustellen und legt dabei einheitliche Standards für das Nachhaltigkeits-Reporting zu Grunde. Als berichtspflichtig gelten Unternehmen mit über 250 Mitarbeitern, Bilanzsummen von mehr als 20 Millionen Euro und Umsätzen von mehr als 40 Millionen Euro, sobald mindestens zwei dieser Größenmerkmale überschritten werden.
Ab 2024
Ab dem Jahr 2024 sollen auch mittelständische kapitalmarktorientierte Unternehmen mit zehn oder mehr Beschäftigten in die Verantwortung gezogen werden. Damit könnten schon in Kürze bis zu 15.000 Unternehmen in Deutschland unter eine erweiterte ESG-Berichtspflicht fallen.
Angesichts der steigenden Bedeutung von Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung bilden ESG-Grundsätze eine praxisgerechte Basis für die Bewertung der eigenen Nachhaltigkeitsstrategien. Auch im Datacenter-Umfeld können ESG-Ansätze ein nützliches Instrument darstellen, etwa um die eigenen Nachhaltigkeitsstrategien weiter zu verbessern und Erfolge stichhaltig zu dokumentieren. Besonders für die Betreiber von Hyperscale- und Großrechenzentren gehört die Umsetzung eines klimaneutralen Betriebs (beispielsweise gemäß SBTi-Net-Zero-Standards) zu den entscheidenden Zielsetzungen.
Denn das ungebremste Voranschreiten des Klimawandels könnte sich zu einer ernsthaften Bedrohung für rechenleistungsintensive Geschäftsmodelle wie Cloud, Edge und Mobilfunk entwickeln. Schon heute bringen klimabedingte Häufungen von Extremwetterlagen, Waldbränden und Überschwemmungen Datacenter-Betreiber vermehrt in Zugzwang. Risikofaktoren aufgrund von Klimafolgen könnten Rechenzentren damit künftig besonders hart treffen, denn hier führen die Auswirkungen des Klimawandels zu zusätzlichen Ausfallpotenzialen, die oftmals mit hohen Kosten verbunden sind.
Das 1,5-Grad-Ziel und das Pariser Klima+Abkommen
Der Weltklimarat (IPCC) empfiehlt, die vom Menschen verursachte globale Erwärmung auf 1,5 Grad oder weniger im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Denn ein Temperaturanstieg über diesen Schwellenwert hinaus könnte massive Auswirkungen auf Mensch und Umwelt mit sich bringen.
Voraussetzung zur Erreichung des im Pariser Klima-Abkommens definierten 1,5-Grad-Ziels ist jedoch die Sicherstellung der allgemeinen Kohlenstoffneutralität bis zum Jahr 2050. Deutschland hatte sich bereits im Jahr 2010 das Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren.
Im Jahr 2016 wurde diese Zielsetzung nochmals im Klimaschutzplan 2050 bekräftigt. Obwohl der Fokus beim Umweltschutz in der Vergangenheit eher auf der Einführung von allgemeinen Reduktionszielen lag, orientieren sich heute Klimaziele direkt an den wissenschaftlich bestätigten Erkenntnissen der Klimaforschung. Mit der Unterzeichnung des Pariser Klima-Abkommens übernehmen Organisationen und Regierungen die Verantwortung für die aktive Umsetzung der entsprechenden Klimavorgaben.
Die Kohlenstoffemissionen müssen 'runter
Um diese Ziele zu erreichen, müssen die Kohlenstoffemissionen im Vergleich zum vorangegangenen Jahrhundert um 30 bis 50 Prozent reduziert werden. Da die globale Temperatur derzeit immer noch zu schnell ansteigt, müssen sich Unternehmen und Regierungen auf breiter Fläche dafür einsetzen, ihre Klimaschutzmaßnahmen möglichst schnell zu realisieren.
Dabei sind die spezifischen Dekarbonisierungsziele, die sich ein Unternehmen setzt, und die Timeline dahinter entscheidend für die Wirksamkeit einer Nachhaltigkeitsagenda. ESG-Kriterien unterstützen Management und Führungsebene anschließend dabei, den Erfolg der Maßnahmen auf allen Ebenen messbar zu machen.
Stand: 08.12.2025
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Um ein erfolgreiches ESG-Management zu etablieren, muss das gesamte Unternehmen in die Festlegung von ESG-Zielen eingebunden werden. Werte wie Diversität, Offenheit und Ethik sollten dabei ebenso Berücksichtigung finden wie konkrete Nachhaltigkeitsziele. Die Unternehmensleitung sollte die festgesetzten ESG-Ziele zudem kontinuierlich überprüfen und gegebenenfalls alle drei bis fünf Jahre neu ausrichten. Auch Schneider Electric arbeitet seit vielen Jahren aktiv an der Integration seiner ESG-Grundsätze.
Bei Schneider Electric selbst
In den vergangenen 15 Jahren haben diese Bemühungen bereits viele positive Ergebnisse hervorbringen können: So gilt Schneider Electric inzwischen unter anderem als Vorreiter für Inklusion, Diversität und Dekarbonisierung. Bereits im Jahr 2005 führte das Unternehmen ein allgemeines Nachhaltigkeitsbarometer ein, das die Auswirkungen auf Menschen, Umwelt und Unternehmensgewinn dokumentiert. Auch mit seinem aktuellen Nachhaltigkeitsprogramm, dem Sustainability Impact (SSI) 2021-2025, setzt sich Schneider Electric für eine bessere Zukunft ein und leistet einen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen.
Das Unternehmen arbeitet zudem aktiv mit ausgewählten Stakeholdern und Lieferanten zusammen, um seine Kohlenstoffemissionen um bis zu 50 Prozent zu senken. Im Jahr 2021 wurde Schneider Electric von der Organisation Corporate Knights in der Global-100-Liste als Nummer 1 der nachhaltigsten Unternehmen der Welt ausgezeichnet. Zudem konnte Schneider Electric im gleichen Jahr auch den Deutschen Nachhaltigkeitspreis gewinnen.
Die Ökobilanz aller Nachhaltigkeitsinitiativen kann sich dabei sehen lassen: In 15 Jahren reduzierte Schneider Electric seinen CO2-Ausstoß um 120 Millionen Tonnen und ermöglichte etwa 30 Millionen Menschen Zugang zu Elektrizität. Der Konzern verfolgt zudem einen umfassenden Ansatz zur Dekarbonisierung von Gebäuden.
Mit den Dienstleistungen und Softwarelösungen von Schneider Electric haben Unternehmen die Möglichkeit, ihre Nachhaltigkeitsziele zu verfolgen, den Erwartungen von Investoren und Verbrauchern gerecht zu werden und gleichzeitig den Wert ihrer Gebäude zu steigern. Das gilt auch für Rechenzentren, die durch hohe Klimatisierungsanforderungen und ihre Energiedichte besonderen gebäudetechnischen Herausforderungen unterliegen.
Nachhaltigkeit im Rechenzentrum
Bedingt durch den Digitalen Wandel und die damit verbundene Zunahme von rechenleistungsintensiven IT-Anwendungen entsteht weltweit immer mehr Rechenzentrumsfläche. Dieses Wachstum hat inzwischen die Aufmerksamkeit von Umweltgruppen, Verbrauchern und Gesetzgebern auf sich gezogen und führt immer wieder zu einer kritischen Diskussion über die weltweiten Umweltauswirkungen von Datacenter.
So kam unter anderem der Bitkom-Verband schon 2020 in seiner Kurzstudie „Klimaschutz durch digitale Technologien – Chancen und Risiken“ aufgrund der internationalen Studienlage zu dem Schluss, dass Treibhausgas-Emissionen, die durch die Herstellung, den Betrieb und die Entsorgung digitaler Endgeräte und Infrastrukturen verursacht werden, heute zwischen 1,8 und 3,2 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen ausmachen könnten. Auch wenn es in Deutschland derzeit noch keine verbindlichen Nachhaltigkeitsvorgaben für Bestandsrechenzentren gibt, zeichnet sich mittelfristig jedoch eine strikte Durchsetzung von Dekarbonisierungszielen im Datacenter-Umfeld ab.
So sollen in Deutschland ab 2027 alle neu errichteten Rechenzentren klimaneutral arbeiten. Weitere Initiativen sehen die ausschließliche Verwendung von erneuerbaren Energien vor oder eine Beschränkung des Wasserverbrauchs. Aktuell wird zudem eine gesetzlich vorgeschriebene Verpflichtung zum Einsatz von Wärmerückgewinnung bei neuen Rechenzentren diskutiert, auch wenn diese je nach Standortbedingungen nicht immer sinnvoll realisierbar ist.
Ein ESG-Framework
Wachsende Kundenanforderungen und strikte rechtliche Vorgaben gehören zu den wichtigsten Triebfedern für Effizienz- und Nachhaltigkeitsinitiativen im Rechenzentrumsumfeld. Der Schwerpunkt des Berichtswesens vieler RZ-Betreiber liegt heute jedoch vor allem auf der Messung des Energieverbrauchs sowie der Ermittlung des PUE-Werts. Doch während KPIs wie die Power Usage Effectiveness (PUE) mit der geeigneten Messtechnik noch verhältnismäßig leicht zu ermitteln sind, gestaltet sich das Tracking von Kohlenstoffemissionen sehr viel komplexer.
Denn hierzu müssen zunächst die erforderlichen Prozesse umgesetzt werden, die eine Ermittlung von Scope-1-, Scope-2- und bestenfalls auch von Scope-3-Emissionen überhaupt möglich machen. Hilfestellung bei der Umsetzung von Dekarbonisierungsmaßnahmen im Rechenzentrum können hier beispielsweise ESG-Frameworks leisten. Die Richtlinien und Prozesse sind praxiserprobt, werden im Rahmen eines ESG-konformen Nachhaltigkeits-Management bereits seit Jahren erfolgreich eingesetzt und können auch im Datacenter-Umfeld gute Ansatzpunkte liefern.
Standard-KPIs als Grundlage für erfolgreiches ESG-Management im Rechenzentrum
Zu den Vorteilen eines dedizierten ESG-Nachhaltigkeits-Managements für Datacenter gehören unter anderem die strukturierte Dokumentation des CO2-Fußabdrucks und die Verbesserung der langfristigen betrieblichen Belastbarkeit (Resilienz). Die Einführung von ESG-Grundsätzen (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) im Rechenzentrumsumfeld kann aufgrund der spezifischen Bedingungen jedoch schwierig sein. Besondere Hürden können sich in der Praxis unter anderem aufgrund folgender Aspekte ergeben:
1. Die Komplexität der IT-Infrastruktur: Rechenzentren sind in der Regel komplexe IT-Umgebungen, die aus verschiedenen Komponenten wie Servern, Netzwerk-Equipment und Speichersystemen bestehen. Aufgrund dieser heterogenen Struktur kann es sehr schwierig sein, alle Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft zu identifizieren.
2. Die Energie-Effizienz: Rechenzentren benötigen verhältnismäßig viel Energie und sind daher oft mit hohen Betriebskosten verbunden. Es kann schwierig sein, eine ausreichende Energieeffizienz zu gewährleisten und gleichzeitig die Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren.
3. Sicherheit und Datenschutz: Rechenzentren müssen auch strenge Sicherheits- und Datenschutzanforderungen erfüllen. Es kann schwierig sein, die Einhaltung dieser Anforderungen mit ESG-Grundsätzen in Einklang zu bringen, insbesondere wenn es um den Datenschutz geht.
4. Lieferketten-Management: Viele Komponenten in einem Rechenzentrum werden von Zulieferern und Partnern bezogen. Es kann schwierig sein, sicherzustellen, dass alle diese Partner den gleichen ESG-Grundsätzen folgen und die Umweltauswirkungen minimieren.
5. Mangelnde Standardisierung: Es gibt derzeit noch keinen allgemeingültigen Standard für ESG-Bestimmungen im Rechenzentrumsumfeld. Daher kann es momentan noch schwierig sein, eine Richtlinie zu entwickeln und sicherzustellen, dass alle Beteiligten sich auch an diese Richtlinie halten.
Um ESG im Datacenter-Umfeld erfolgreich zu etablieren, müssen unterschiedliche Faktoren zusammengeführt werden. Ein entscheidender Aspekt ist dabei das Thema Energie-Effizienz. Ein stromsparender Betrieb kann jedoch nur dann erreicht werden, wenn in einem Rechenzentrum nachhaltige Techniken und Verfahren eingesetzt werden.
Dazu gehört beispielsweise die Verwendung von erneuerbaren Energien und Wasserkühlung. Hinzu kommen Maßnahmen wie die Optimierung von Kühlung und Lüftung, eine Überprüfung der USV-Technik und ein regelmäßiger Hardwaretausch. Auch die Einführung von Messtechnik sowie IT- und Energie-Monitoring-Anwendungen ist entscheidend für die Überprüfbarkeit von Effizienzmaßnahmen.
Neben den reinen Nachhaltigkeitsaspekten beschäftigt sich ESG auch mit sozialer Verantwortung. Hier geht es um die Sicherheit und Gesundheit von Mitarbeitern. Datacenter-Betreiber müssen beispielsweise sicherstellen, dass die Arbeitsbedingungen im Whitespace angemessen sind und Gesundheit sowie Wohlbefinden der Mitarbeiter jederzeit gewährleistet bleiben.
Dies beinhaltet die Einhaltung von Gesundheits- und Arbeitssicherheitsstandards genauso wie die Förderung einer positiven Arbeitskultur. Darüber hinaus spielt auch das Thema Governance (Unternehmenssteuerung) eine wichtige Rolle. Unternehmen und ihre Entscheider müssen im Rahmen einer ESG-konformen Governance sicherstellen, dass sie nachvollziehbar und verantwortungsbewusst handeln. Dazu gehört eine transparente Berichterstattung über die Nachhaltigkeitserfolge des Unternehmens genauso wie die Einbindung von Stakeholdern in alle ESG-relevanten Entscheidungsprozesse.
ESG-Prozesse im Rechenzentrum – mehr als nur PUE-Messung
Die Umsetzung einer ESG-Strategie im Rechenzentrumsbereich erfordert einen hohen Planungs- und Implementierungsaufwand. Aber sie bietet auch viele Vorteile. So können ESG-Prozesse dazu beitragen, ein nachhaltigeres und verantwortungsbewussteres Unternehmen aufzubauen, das besonders in Krisensituationen schnell reagieren kann und jederzeit in der Lage ist, auf die Bedürfnisse und Erwartungen seiner Kunden einzugehen.
Ein weiterer wichtiger Faktor für den Erfolg einer ESG-Strategie im Rechenzentrumsumfeld ist die frühzeitige Einbindung von Stakeholdern und Interessengruppen. Betreiber von Rechenzentren sollten von Anfang an eng mit ihren Kunden, Lieferanten und Partnern zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass ihre ESG-Initiativen auch auf die Bedürfnisse und Anforderungen relevanter Entscheider zugeschnitten sind.
Zusätzlich müssen Betreiber gewährleisten, dass ihre ESG-Strategie in Einklang mit den umfassenden regulatorischen Vorgaben und IT-Standards steht. Eine Compliance-Strategie, die dafür sorgt, dass alle rechtlichen Anforderungen erfüllt werden, kann zudem dazu beitragen, das Risiko von Reputationsschäden zu minimieren.
Für viele Datacenter-Betreiber liegt derzeit die größte Herausforderung darin, ein aussagekräftiges Kennzahlensystem zu finden. Die ausgewählten KPIs müssen in der Lage sein, eine nachhaltige Unternehmensentwicklung abzubilden und nachvollziehbar zu machen. Erst die richtigen Benchmarks machen den Erfolg eines Nachhaltigkeitsprogramms überhaupt messbar und ebnen so den Weg für weitere Verbesserungen.
Die Aussagekraft der Kennzahl PUE
Eine der wichtigsten Kennzahlen für den Datacenter-Bereich ist beispielsweise der oben bereits erwähnte PUE-Wert (Power Usage Effectiveness). Der inzwischen weit verbreitete PUE wurde 2007 von der Organisation The Green Grid (TGG) ins Leben gerufen und definiert heute weltweit die Effizienz von Rechenzentren.
Der PUE gibt das Verhältnis der Gesamtlast eines Datacenter im Vergleich zur reinen IT-Last an. Konkret bedeutet das: Je niedriger der PUE-Wert, desto höher die Energie-Effizienz eines Datacenter. Als standardisierte Kennzahl ermöglicht die Betrachtung des PUE eine Festlegung der Effizienz sowohl in der Planungsphase als auch während des Betriebs. Durchschnittlich konnte der PUE-Wert großer Datacenter seit 2007 von 2,5 auf 1,59 gesenkt werden.
Für einen Rechenzentrumsbetrieb, der auch strengsten ESG-Kriterien entspricht, bedarf es jedoch weitaus mehr als nur einer Optimierung des PUE-Wertes. Denn die Aussagekraft des PUE-Wertes befindet sich bereits seit Längerem in der Kritik - vor allem, weil nicht jedes Rechenzentrum dieselben Grundlagen für die Messung und Erhebung seiner Werte nutzt, und so keine wirkliche Vergleichbarkeit gegeben ist. Denn neben der Energie-Effizienz ist innerhalb des ESG-Berichtwesens auch wichtig, wie die verbrauchte Energie gewonnen wurde, welche direkten und indirekten Emissionen dabei angefallen sind und wie hoch der Wasserverbrauch ist.
ESG bedeutet proaktives Engegement
Für viele dieser Kategorien existieren zwar bereits Kennzahlen, die eine Einordnung und Verbesserung der Werte ermöglichen sollen, oft fehlt es Betreibern von Rechenzentren jedoch an Fachwissen im Bereich des Nachhaltigkeits-Managements. Sie stehen dann vor der gewaltigen Aufgabe, erst einmal die passenden Messgrößen für ihr Nachhaltigkeitsprogramm zu definieren, um überhaupt eine effektive Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln zu können.
ESG erfordert immer ein proaktives Engagement, denn die Umsetzung im Rechenzentrumsumfeld ist mit einigen Herausforderungen verbunden. Anforderungen, die unter Umständen eine grundlegende Änderung von bisherigen Denk- und Arbeitsweisen mit sich bringen. Dies benötigt Zeit, finanzielle Mittel und entsprechende personelle Ressourcen.
Der Start kann anspruchsvoll sein, insbesondere wenn es an historischen Daten fehlt, um die Wirksamkeit der beschlossenen ESG-Maßnahmen zu belegen. Aber angesichts der rasanten Entwicklung von Nachhaltigkeitsvorgaben sollten sich IT-Entscheider möglichst frühzeitig mit den Rahmenbedingungen von ESG-Richtlinien für den Rechenzentrumsbetrieb auseinandersetzen. Dabei gilt es, die Chancen und Herausforderungen für die eigenen Standorte sorgfältig zu prüfen. Denn wem die Implementierung von ESG-Gesichtspunkten erfolgreich gelingt, der profitiert nicht nur von Kosteneinsparungen durch mehr Energieeffizienz, sondern auch von einer verbesserten Compliance und einer höheren Kundenbindung.
*Der Autor Vincent Barro ist Vice President Secure Power DACH bei Schneider Electric. Er sagt: „Die Umsetzung einer ESG-Strategie im Rechenzentrumsumfeld erfordert klare Zielsetzungen und die Bereitstellung entsprechender Budgets sowie einer geeigneten Infrastruktur zur kontinuierlichen Messung und Überwachung des Energieverbrauchs. Hilfreich sind dabei etwa Power Distribution Units (PDUs) mit Messfunktion oder eine intelligente Monitoring- und Überwachungssoftware wie 'Ecostruxure IT' von Schneider Electric. Entscheidend ist auch die richtige Partnerwahl.
Wer jetzt ESG umsetzen will, der sollte sich an Herstellern orientieren, die bereits über ein breites Spektrum an Erfahrungen mit der Umsetzung von ESG und Nachhaltigkeitsprojekten im Rechenzentrumsumfeld verfügen. Gerne stehen dabei auch die Mitarbeiter und spezialisierten Berater aus dem Service-Bereich von Schneider Electric mit Rat und Tat zur Seite.“