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Es macht Scrrummmm – und der VW rollt

Erst die Menschen, dann die Methode - Scrum im Konzern

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Warum Scrum scheitert

Scrum ist kein optionales Angebot an Einzelpraktiken, sondern entfaltet seine volle Effektivitätssteigerung nur im Zusammenspiel aller definierten Elemente. Das Weglassen einzelner Bausteine ist einer der häufigsten Gründe, warum eine Scrum-Einführung scheitert.

Das Team muss funktionieren. Das ist die Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung neuer Ideen.
Das Team muss funktionieren. Das ist die Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung neuer Ideen.
(Bild: © dizain - Fotolia)

Diese Harmonisierung ist eine wichtige Voraussetzung für ein agiles Projekt. Wenn ein entsprechendes Commitment aus dem Steuerkreis heraus nicht gegeben werden kann, fehlen automatisch wichtige Rahmenbedingungen. Das Projekt ist einfach nicht agil abzuwickeln; denn es wäre von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Scrum ist „in“, also gibt es seitens der Verantwortlichen Tendenzen, alles agil abzubilden. Das funktioniert jedoch nur, wenn sich auf Nutzerseite ein Gestalter findet, der bereit ist, das Mandat zu übernehmen. Daraus resultiert dann auch gleich die nächste Frage: Bekommt dieser Gestalter von seinen Vorgesetzten auch die Zeit und die Ressourcen, das agile Projekt zu betreuen?

Gestalter aus dem Fachbereich gefragt

In vielen Fällen verfügen die Fachbereiche lediglich über hauchdünne Kapazitäten für einzelne Projekte. Oftmals setzt sich schon mit Projektstart eine Self-fulfilling Prophecy in Gang: Das Projekt wird zwar komplett ausformuliert und zum Kick-off gebracht, dann ist drei Jahre lang „Sendepause“ und bei Lieferung gibt es ein riesiges Gap zwischen den aktuellen Anforderungen, dem Bestellten und dem Gelieferten. Dieser Umstand treibt die kurzfristige Arbeitsauslastung der Projektteams kurz vor Schluss exponentiell in die Höhe, da oft nur unter Einsatz von Überstunden und Wochenendarbeit nachzubessern ist – wenn überhaupt.

Eine der wichtigsten Rahmenparameter lautet also: die Beteiligung der Auftraggeber-Seite sicherstellen. Es ist viel erfolgversprechender, von Anfang an nur die Projekte zu starten, die eine ausreichende Betreuung aus dem Fachbereich haben und bei dem der entsprechende Verantwortliche auch bereit ist, Teil des Projektteams zu werden. Damit einher geht ein Umdenken der Fachbereiche: Sie müssen lernen, initiale Anforderungsumfänge flexibel zu verhandeln.

Der Erfolg eines Projektes liegt nicht darin, dass stur alle 1001 Anforderungen, die für das erste Jahr der Laufzeit beschrieben wurden, erfüllt sind. Vielmehr zählt der zentrale Business-Wert: An diesem als Produktvision formulierten Wert muss sich jede Einzelanforderung messen lassen – sie wird entweder priorisiert und umgesetzt oder kann sogar aus dem Anforderungskatalog gestrichen werden, wenn die Priorität zu gering ist.

Der Mensch macht den Unterschied

Um auf Änderungen des Marktes reagieren zu können, bedeutet „agile“ auch, einen dauerhaften Planungsprozess zu durchlaufen, stets mit dem Blick auf das nächst Wichtige. Die offene Nutzen-Kommunikation befähigt die Teams, dem Auftraggeber aktiv Feedback zu geben, beispielsweise zu überflüssigen Details oder Fehlern in der Anforderung. Im Gegensatz zum klassischen Projekt-Management, wo Teams lediglich eine ausführende Rolle übernehmen, leisten sie im Scrum als Gestalter ihren Beitrag zu einer schlanken und hochwertigen Lösung.

Scrum ist letztlich auch nur ein Prozess, auch wenn sich dahinter die Option verbirgt, agil zu werden. Im Zentrum steht die Interaktion von Menschen – und im besten Fall echter Teams. Das ritualisierte Abspulen von Scrum macht noch kein agiles Projekt aus. Es geht um Werte wie Transparenz, Authentizität, Vertrauen und Verantwortung. Eben jene Werte, die auch im Team Building eine zentrale Rolle spielen. Eine Vielzahl von Scrum-Teams hat darüber hinaus nicht mit der Methode zu kämpfen, sondern mit dem Rollenverständnis.

Scrum suggeriert: Es ist einfach. Allerdings reicht es eben doch nicht, den Scrum Guide mal nebenbei in einer halben Stunde zu lesen und sich dazu ein Youtube-Video anzuschauen. Denn die Schlüsselfragen sind dort nicht beantwortet: Wie führe ich Scrum ein und wie bekomme ich das mit den Werten und dem Team Building hin?

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