Einmal im Jahr fühlt Equinix mit einer groß angelegten Umfrage den Datacenter-Leuten weltweit auf den Zahn. Die Antworten sind aufschlussreich, auch weil sie oft „schillernd“ sind.
Welche IT-Trends werden weltweit als solche wahrgenommen und wie umgesetzt? Das Ergebnis ist nicht zwangsläufig konsistent.
Die Studie „Globale Technologietrends 2023“ des Co-Location- und Interconnection-Anbieters Equinix beruht auf einer ungewöhnlich großen Zahl von IT-Entscheidungsträgern (2.900 Personen), die in den Regionen EMEA, Nord- und Südamerika sowie Asien/ Pazifik die Fragen der Analysten beantworteten. Dabei werden auch Staaten und Regionen einbezogen, die „IT-mäßig“ nicht im Fokus der Fachöffentlichkeit stehen. Im EMEA-Bereich sind das zum Beispiel Bulgarien oder Nigeria und in der Region Amerika Kolumbien und Chile.
Wenn man die Befunde und Befindlichkeiten liest, die bei der Befragung herausgekommen sind beziehungsweise von den Studienautorinnen herausdestilliert wurden, dann ist man ein bisschen unsicher, ob weniger Befragte und dafür gezieltere Fragen oder auch Nachfragen (diese sind bei einer Online-Erhebung zugegebenermaßen schwierig) nicht eine fruchtbarere Ausbeute für die Mitwelt gegeben hätten. In der vorliegenden Form machen jedenfalls die „Ansichten globaler Vorreiter zu den Trends, Herausforderungen und Chancen für Unternehmen in aller Welt“ (Originalton der Studie) ob ihres „Sowohl als auch“ den Rezensenten eher ratlos als zukunftssicher.
Antworten, die kaum kompatibel sind
Nun ist es bei der Abfrage dieser „Ansichten globaler Vorreiter“ sicherlich so wie bei allen telefonischen oder Internet-basierten Erhebungen: die Befragten sind gehalten, eine kurze Antwort auf eine Frage zu geben, die in ihnen eigentlich mehr Fragen als Antworten aufwirft. Das Ergebnis - zumal in der Kondensierung der Antworten zu einem Prozentwert - ist dann sehr interpretationsfähig, um es höflich zu sagen.
Wie herausfordernd finden Sie die folgenden neuen und kommenden Vorschriften? Fast zwei Drittel der IT-Entscheidungsträger (64 Prozent) betrachten die Kohlenstoff-Preisgestaltung als regulatorische Herausforderung, während fast ebenso viele gleiche Anzahl (63 Prozent) die neuen Beschränkungen für Aktivitäten und Verpflichtungen als Belastung sehen. Allerdings: IT-Entscheidungsträger in der EMEA-Region äußern jedoch deutlich geringere Bedenken.
(Bild: Equinix)
Ein Beispiel für solch interpretationsfähigen Ergebnisse erhält man, wenn man etwa Antworten, die eine hohe Zustimmungsquote haben („wir machen uns Gedanken über die Auswirkungen der IT-Infrastruktur auf die Umwelt“) mit anderen Antworten vergleicht, die ebenfalls eine hohe Zustimmungsquote haben, aber zumindest tendenziell der ersteren widersprechen („eine Mehrheit sieht in der CO2-Bepreisung eine regulatorische Belastung“).
Der Rezensent fragt sich angesichts dieser beiden Antworten dann schon: „ja, was denn nun?“. Wer will da gewaschen werden, ohne nass zu werden“. Anscheinend sehr viele.
Zwiespältigkeit auch gegenüber der „Künstlichen Intelligenz“
Nun darf man natürlich der Meinung sein, dass eine CO2-Bepreisung nicht der richtige Weg ist, um in Richtung halbwegs klimaneutraler Rechenzentren zu gehen, sondern dass es knallharter Verbote des jeweiligen Gesetzgebers bedarf. In den Antworten sind solche Wege allerdings nicht sichtbar; allein schon deshalb nicht, weil sie in den Fragen nicht aufgezeigt werden.
Eine ähnliche Problematik wie beim Thema Nachhaltigkeit zeigt sich auch beim Thema KI: Der IT-Betrieb (85 Prozent) und die Cyber-Sicherheit (81 Prozent) sind die wichtigsten Geschäftsbereiche, in denen Unternehmen auf der ganzen Welt KI einsetzen oder einsetzen wollen, um technisch nicht abgehängt zu werden. Doch trotz des großen Interesses an der Implementierung von KI geben 42 Prozent der Entscheidungsträger an, dass sie sich nicht sicher sind, ob ihre Infrastruktur für die Implementierung von KI geeignet ist. 41 Prozent sind der Ansicht, ihr Team sei nicht in der Lage, die Technologie zu implementieren. So weit, so gut. Oder eher so weit, so schlecht!
Nach einem Jahr mit bedeutenden Durchbrüchen in der Künstlichen Intelligenz (KI) planen IT-Entscheider auf der ganzen Welt , die Leistung von KI in wichtigen Geschäftsbereichen zu nutzen, von Forschung und Entwicklung bis hin zur Kundenbetreuung. IT-Betrieb (85 Prozent) und Cyber-Sicherheit (81 Prozent) sind dabei die wichtigsten Geschäftsfunktionen.
(Bild: Equinix)
Recht merkwürdig muten einen allerdings manche Detail-Antworten an auf die Frage nach möglichen Hindernissen für die Einführung von KI-Algorithmen. Hier werden als größtes Hindernis ein Anstieg der Betriebskosten genannt (46 Prozent), gefolgt von mangelnden unternehmensinternen Kenntnissen (42 Prozent), einer schleppenden Umsetzung (37 Prozent) und einem Imageschaden (25 Prozent).
Letztlich kann man aus diesem Sammelsurium aus Bedenken und Befürchtungen doch nur schließen, dass es mit dem behaupteten „großen Interesse“ doch nicht so weit her ist, wenn es an die Umsetzung geht.
Eindeutige Antworten beim Digitalen Zwilling
Deutlich konsistenter, was Wollen, Können und Tun betrifft, sind die Umfrage-Antworten in Sachen „Digitaler Zwilling“. Neun von zehn IT-Entscheidungsträgern geben an, dass ihr Unternehmen digitale Zwillingstechnologien nutzt oder bald nutzen wird. Die Technologie wird dabei am häufigsten zur Optimierung der betrieblichen Leistung und zur Qualitätskontrolle beziehungsweise zum Qualitätsmanagement eingesetzt (von fast der Hälfte), dicht gefolgt von der Nutzung für die Systemplanung (44 Prozent).
Die Equinix-Studie klopft auch bei den Befragten das Trendthema 'Digitaler Zwiliing" ab,; denn diese können ein leistungsfähiges Instrument sein: Unternehmen, die die solche Technik planen oder gar einsetzen, sind fast einstimmig der Meinung, dass ihr Unternehmen davon profitiert (99 Prozent).
(Bild: Equinix)
Die Befragten, die Bereiche ihres Unternehmens mit der digitalen Zwillingstechnologie verknüpft haben oder dies planen, sind fast einstimmig der Meinung, dass ihr Unternehmen davon profitiert hat beziehungsweise profitieren wird (99 Prozent). Verbesserte Produktivität (54 Prozent), Kosteneinsparungen (45 Prozent) und höhere Kundenzufriedenheit (41 Prozent) werden dabei als die wichtigsten Vorteile genannt.
Stand: 08.12.2025
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Beim Thema Datenhoheit haben IT-Manager Nachholbedarf
Trotz der zunehmend unsicherer werden geopolitischen Lage wollen rund drei von zehn Unternehmen weiter in neue Regionen expandieren. Die EMEA-Region ist dabei allerdings am vorsichtigsten.
Um ihre Expansionspläne zu verwirklichen, plant die Mehrzahl an jedem neuen Standort eigenes IT-Personal einzustellen (49 Prozent). Bei IT-Support-Anwendungen, die mit den Expansionsplänen zusammenhängen, fällt auf, dass wieder mehr verstärkt auf den Aufbau eigener Rechenzentren gesetzt wird (Anstieg um 5 Prozent seit 2022).
Mehr als drei Viertel (79 %) der befragten Entscheidungsträger geben an, dass ihre Expansionspläne durch verschärfte Datenhoheitsgesetze beeinträchtigt werden. Mehr als die Hälfte sagt, dass verschärfte Bedingungen größere Veränderungen, mögliche Verzögerungen oder sogar die Abkehr von ihren Expansionsplänen zur Folge haben würden.
Wenn ein Land oder eine Region strenge Gesetze zur Datenhoheit einführt, würde sich dies auf Ihre Expansionspläne auswirken? Mehr als drei Viertel (79 Prozent) der IT-Entscheidungsträger weltweit berichten, dass ihre Expansionspläne durch strenge Gesetze zur Datenhoheit beeinträchtigt würden.
(Bild: Equinix)
Leider tritt auch bei diesem Punkt – ähnlich wie beim Thema Nachhaltigkeit – eine große Diskrepanz auf zwischen (behauptetem) Engagement und Interesse und dem, was man tatsächlich tut. Beim Thema Datenhoheit lässt die Auswertung der Antworten eigentlich nur den Schluss zu, dass ein Großteil der Entscheidungsträger seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Jedenfalls gibt mehr als die Hälfte der Manager an, dass sie auf die Anforderungen, die sich aus der Einhaltung von Vorschriften zur Datenhoheit ergeben, nicht gut vorbereitet ist.
Co-Location und Nachhaltigkeit
Eine Maßnahme, um Probleme bei der Datenhoheit zu vermeiden, besteht darin, nicht auf die Rechenzentrumsleistungen der weltweit tätigen Cloud-Service-Anbieter zu setzen, sondern beispielsweise in größerem Maße die Dienste von Co-Location-Rechenzentren zu nutzen. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, dass ihr Unternehmen plant, die Ausgaben für anbieterneutrale Colocation im Jahr 2023 zu erhöhen. Das ist ein Anstieg um fünf Prozentpunkte gegenüber 2022.
eBook: Colocation 4.0
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Die Unternehmens-IT sucht geeignete Stützpunkte in strategischer Nähe seiner Datenlieferanten und -verbraucher. Zugleich nimmt mit wachsendem Bewusstsein um den Ressourcenverbrauch der IT auch der Druck auf Rechenzentren zu, Energie-effizienter und nachhaltiger zu wirtschaften. Auf dem Weg der Digitalen Transformation greifen Unternehmen immer wieder gerne auf Co-Location zurück. Doch auch der Markt mit den Rechenzentrumsdiensten durchläuft eine transformative Evolution.
Auch wenn damit (vielleicht) ein Schritt zu mehr Datenhoheit gemacht wird, werden mit einem größeren Co-Location-Anteil unter Umständen aber die Herausforderungen von mehr Nachhaltigkeit konterkariert. Sind doch Co-Location-Anbieter in ihrem Angebot häufig sehr konservativ aufgestellt, damit dieses für alle Kunden passend ist.
Um nur ein Beispiel zu nennen: Mit der Entscheidung für Co-Location haben in der Regel die meisten Kunden praktisch keine Möglichkeit, individuelle Nachhaltigkeitsforderungen wie spezielle Server-Temperaturen, die an die Jahreszeit oder auch an bestimmte Kühlwasser-Temperaturen angepasst sind, durchzusetzen.
Aber womöglich sieht der Autor hier eher zu schwarz. Für viele Befragte sind jedenfalls Nachhaltigkeitsstrategien und -verfahren für die langfristige positive Geschäftsentwicklung entscheidend (71 Prozent) und dass 65 Prozent der Unternehmen weltweit nur mit Partnern zusammenarbeiten (wollen), die nachweisen können, dass sie wichtige Klimaschutzziele erfüllen. Das ist ein Anstieg von 3 Prozent gegenüber 2022.
Es bleibt also Hoffnung. Nicht zuletzt, dass sich „Wollen, Können und Tun“ bis zur nächsten Studie besser verzahnen. Und dass die Fragen der Studienautoren konsequenter auf eine solche Verzahnung hinweisen.