Während des gesamten Lebenszyklus eines Rechenzentrums beeinflussen Kapazitätsverluste nicht nur unmittelbar die angestrebte Energie-Effizienz, sondern auch die Sicherheit des Betriebs. Die Bedeutung dieses Aspekts wird häufig unterschätzt, insbesondere aufgrund fehlender Transparenz hinsichtlich der aktuellen und zukünftigen lokalen Verfügbarkeit der geplanten Ressourcen.
Ein digitaler Zwilling ist mehr als nur ein Abbild der Wirklichkeit; denn es lassen sich Abläufe in der digitalen Wirklichkeit simulieren und testen, bevor sie im Rechenzentrum umgesetzt werden.
(Bild: Alpha-Numerics GmbH )
Ein digitaler Zwilling schafft diese Transparenz. Denn die koordinierte Nutzung verfügbarer Kapazitäten ist ohne einen digitalen Zwilling oftmals nicht in verständlicher Form darstellbar. Die traditionellen Methoden der Datenerfassung erweisen sich hier als ineffizient und bergen potentiell erhebliche Risiken für den sicheren Betrieb.
Rechenzentren sind konzipiert, um verschiedenste Anforderungen zu einer bestimmten Zeit zu bedienen. Doch im Verlauf ihres Bestehens ändern sich diese Anforderungen meist deutlich. Unternehmensziele verschieben sich, technologische Innovationen kommen hinzu, und es werden regelmäßig neue gesetzliche Vorgaben eingeführt.
Das alles geschieht in immer kürzeren Abständen. Daher sind CIOs und CTOs gefordert, sich kontinuierlich neues Wissen anzueignen und ihre Strategien flexibel an diese Veränderungen anzupassen. Während die physische und technische Grundstruktur eines Rechenzentrums meist konstant bleibt, unterliegt die IT-Landschaft einem kontinuierlichen Wandel.
„DC Digital Twin Software“ soll eine Sichere Testumgebung für geplante Eingriffe in den Betrieb eines Rechenzentrums bieten.
(Bild: Alpha-Numerics GmbH )
Infolgedessen stehen Eigentümer und Betreiber von Rechenzentren vor der Herausforderung, Veränderungen in einem sich ständig wandelnden System – dem IT-Raum – vorzunehmen. Häufig fehlt dabei die Möglichkeit, präzise vorherzusagen, wie sich die geplanten Anpassungen auf die Infrastruktur auswirken werden.
Diese Unsicherheit birgt erhebliche Risiken: Eine Fehlentscheidung kann nicht nur die Geschäftsprozesse beeinträchtigen, sondern im schlimmsten Fall auch zu einem kompletten Ausfall führen.
Wird die Situation objektiv betrachtet und erst einmal Abstand von herausfordernden Momenten genommen, sei es durch Warnmeldungen zu auftretenden Ausfällen oder neue Kapazitätsanforderungen wie KI-Server, welche die verfügbaren Ressourcen schnell an Ihre Grenzen und darüber hinauskatapultieren, gibt es Im Wesentlichen zwei sinnvolle Arbeitsweisen, wie sie solchen Herausforderungen begegnen können:
Die erste ist die, „wie wir es immer gemacht haben“. Die zweite ist die „beste Art und Weise“, wie wir es tun könnten.
Wie immer ....
Die erste Methode hat ihre Vorteile, weil sie keine Unruhe verursacht und jeder seinem routinierten, aber ausgetretenen Weg folgt. Aber sie untergräbt den eigentlichen Zweck des Rechenzentrums, nämlich mit den vorhanden Ressourcen effizient umzugehen und somit den langfristigen Unternehmenserfolg maximal zu unterstützen.
Die zweite Methode ist definitiv besser für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Allerdings ist es mit Schwierigkeiten verbunden, „die beste Art und Weise” zu finden und umzusetzen. Hier sei gesagt - Rechenzentren sind nicht wirklich Umgebungen, in welchen man per „Trail & Error “den besten Weg evaluieren kann.
Um diesem Risiko entgegenzuwirken, existieren mittlerweile Techniken und Tools: der Digitale Zwilling. Mit Hilfe dieses virtuellen Abbilds des Rechenzentrums lassen sich sämtliche vorgesehenen Änderungen in einer sicheren Testumgebung simulieren und analysieren, bevor sie in der Praxis umgesetzt werden. Dadurch wird es möglich, potentielle Probleme frühzeitig zu erkennen und die Stabilität sowie Effizienz der Anlage nachhaltig zu sichern.
Was kann denn der?
Der digitale Zwilling bildet die physische Anlage als exaktes virtuelles Abbild ab. Diese digitale Nachbildung ermöglicht es, das Rechenzentrum in einer realitätsnahen Simulationsumgebung zu analysieren und verschiedene Szenarien durchzuspielen. So können beispielsweise einzelne Server in Ihrer Position evaluiert oder Steckdosen virtuell geschaltet werden, um die Auswirkungen auf die Gesamtinfrastruktur zu bewerten.
Ein zentrales Instrument dabei ist die numerische Strömungsmechanik (CFD), mit der sich der Luftstrom innerhalb der Anlage simulieren lässt. Auf diese Weise erhalten Betreiber wichtige Einblicke in thermische Eigenschaften, identifizieren potentielle Hotspots und erkennen Fehlerquellen, welche andernfalls zu Ausfallzeiten führen könnten.
Ein besonderer Vorteil der Digital-Twin-Technologie besteht darin, dass auch komplexe Fragestellungen risikofrei untersucht werden können, zum Beispiel
Was passiert, wenn eine Kühleinheit ausfällt?
Wie wirkt sich das Hochfahren von neuer IT & Racks auf die bestehende IT und deren benötigte Kühlung aus.
Welche Folgen hat der Austausch einzelner Server?
All diese Analysen lassen sich mit Hilfe des digitalen Zwillings schnell, transparent und ohne Gefahr für die reale Infrastruktur durchführen. So können Unternehmen selbst anspruchsvolle Szenarien durchspielen und fundierte Entscheidungen treffen, bevor Änderungen tatsächlich umgesetzt werden.
Stand: 08.12.2025
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Das Modellieren
Mit dem Einsatz eines digitalen Zwillings erhalten Betreiber die Möglichkeit, ihr Rechenzentrum in sämtlichen denkbaren Konfigurationen sowie unter verschiedensten Komplikationen oder sogar Katastrophenfällen präzise modellieren. Die virtuelle Nachbildung erlaubt es, Schwachstellen innerhalb der Infrastruktur effektiv zu identifizieren und gezielt zu beheben. Dadurch verlieren selbst anspruchsvolle Anforderungen aus dem Unternehmen ihren Schrecken, da die Auswirkungen solcher Anfragen vorab transparent simuliert und bewertet werden können.
Die Aufgabe, Ausfälle im Rechenzentrum zu verhindern, bleibt weiterhin ein zentraler Bestandteil der Arbeit von Infrastruktur- und Betriebsfachleuten. Allerdings erfordert die zunehmende Komplexität und Dynamik der IT-Landschaft eine grundlegende Veränderung der bisherigen Vorgehensweisen.
Glücklicherweise stehen die notwendigen Tools und Fähigkeiten bereits heute zur Verfügung: Mit Hilfe eines digitalen Zwillings können Betreiber Ausfallszenarien realitätsnah durchspielen und geplante Änderungen sicher in der virtuellen Umgebung umsetzen. So wird das Risiko für die reale Infrastruktur minimiert und die Grundlage für zukunftsfähige Entscheidungen geschaffen.
Fundierte Auswahl
Diese Technologie ermöglicht es, zu überprüfen, ob die Vorlauftemperatur der Klimageräte ohne Risiko erhöht werden kann, wodurch Energie und Geld gespart und der CO2-Fußabdruck der Infrastruktur reduziert werden. Sie ermöglicht die Auswahl Energie-effizienterer Systeme (Freikühlung, Hintertüren, DLC, Hybridkühlung).
Da auch in Zukunft durch den vermehrten Bedarf an KI-Hardware neue Herausforderungen auf uns zukommen werden, geben digitale Zwillinge nicht nur bei der Neuplanung eines Rechenzentrums, sondern bei der stark veränderten Nutzung von Rechenzentren den Managern die Möglichkeit, die Kontrolle zu behalten und die Vielzahl von Unternehmen zu unterstützen, die auf sie angewiesen sind, um effektiv zu arbeiten.
Hier sei zum Abschluss nur erwähnt, dass die vermehrt eingesetzte Flüssigkeitskühlung, Zum Beispiel Direct Liquid Cooling auf dem GPU-Chip, für die KI-Hardware meist nur 70 der direkten Lasten am Chip bedient, doch die restlichen 30 Prozent - und hier sprechen wir gerne über > 30 Kilowatt – über konventionelle Luftkühlung abgeführt werden muss. Der Digitale Zwilling kann all dies im Simulationsmodell beschreiben und Ihre virtuelle Lösungsfindung „auf abgesicherten Wegen“ unterstützen.
*Der Autor Tobias Best ist Inhaber und Geschäftsführer der Alpha-Numerics GmbH. Das Unternehmen agiert als Spezialist, Software-Händler (Cadence) und Ausbilder für den Einsatz von branchenspezifischer CFD-Software in der Elektronik-Geräte-Entwicklung. Er sagt: Ist es möglich, durch eine Erweiterung, etwa durch das Durchbrechen einer Glasdecke im Rechenzentrum das zu 60 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität ausgelastet ist, dieser Grenze auf bis zu 90 Prozent zu erhöhen, ist dies der beste Weg, um die vorhandenen Infrastrukturen mit ihrer maximalen Kapazität zu nutzenund die Investitionskosten zu optimieren. Dadurch verzögert sich der Bau neuer Rechenzentren, was eine radikale Möglichkeit darstellt, die Umweltauswirkungen unserer digitalen Welt zu reduzieren.