Spätestens seit der Stromkostenexplosion ist Energie-Effizienz ganz oben auf der Agenda von Datacenter-Betreibern. Bereits mit einfachen Schritten können sie Einsparungen erzielen, weiß Benedikt Ernst, Leiter des Bereichs Cloud Advisory von Kyndryl, und gibt Tipps aus der Praxis.
Durch die Kombination der verschiedenen Maßnahmen lassen sich Einsparungen von bis zu 15 Prozent erzielen.
Der Stromhunger der Rechenzentren war lange Zeit ein Thema, das vor allem aus der Umweltperspektive betrachtet wurde. Die Kostenseite war dagegen für die Betreiber weniger relevant, da sie den Strom vergleichsweise günstig beziehen konnten. Das hat sich allerdings inzwischen grundlegend geändert und Energie-Effizienz wird zu einem harten betriebswirtschaftlichen Faktor und Datacenter-Verantwortliche müssen handeln.
Im ersten Schritt ist zunächst eine detaillierte Energie-Effizienzanalyse zu empfehlen, bei der individuell und auf das eigene Rechenzentrum bezogen die baulichen und technischen Möglichkeiten geprüft, analysiert und monetär bewertet werden. Auf dieser Grundlage können Betreiber dann konkret handeln. Dabei gibt es eine ganze Reihe von Standardmaßnahmen, die eigentlich bekannt sind, aber in der Praxis noch immer nicht flächendeckend umgesetzt werden.
Überprüfung der Gebäude-Infrastruktur
Wie bei allen anderen Gebäuden auch spielt bei Rechenzentren die Außenhülle des Gebäudes eine wichtige Rolle für die Energie-Effizienz. Betreiber sollten daher auf ein gutes Energie-Management und ein -Monitoring achten.
Generell sollte die Haustechnik regelmäßig gewartet und auf ihr Energie-Einsparungspotenzial überprüft werden. Besonders gilt das für die Klima-Anlagen, die zu einem großen Teil des Stromverbrauchs beitragen und sehr schnell ineffizient werden können, wenn sie nicht optimal funktionieren.
Eine wichtige Kennzahl zur Überprüfung der Energie-Effizienz ist dabei der so genannte PUE-Wert. Die Power Usage Effectiveness gibt das Verhältnis des Gesamtstrombedarfes eines Rechenzentrums in Relation zum Strombedarf der IT-Infrastruktur an.
Die Kühlung und Strom
Ein weiterer Aspekt ist der Grad der Kühlung. Neue Verfahren und wie das Direct Chip Cooling verspricht viel Optimierungspotenzial. Rechenzentrumsbetreiber sollten in Abstimmung mit ihren Hardwarelieferanten ausloten, welche Toleranzen es für Temperaturanpassung gibt. Bereits wenige Grad Erhöhung können zu signifikanten Energieeinsparungen führen – natürlich immer unter der Voraussetzung, dass dies der Hardware nicht schadet.
So kann beispielsweise durch eine Temperaturerhöhung von ein bis zwei Grad unserer Erfahrung nach eine Einsparung von fünf bis sieben Prozent beim Stromverbrauch erzielt werden. Es gilt also den Freikühlanteil zu optimieren.
Neben diesen Sparmaßnahmen ist auch der richtige Energiemix aus Ökostrom und Ökogas aus Windkraft, Blockheizkraftwerken oder Photovoltaik Anlagen zu prüfen. Betreiber können die Energiewende aber auch noch weitergehend unterstützen, etwa durch die USV-Anlage (unterbrechungsfreie Stromversorgung), über die jedes Rechenzentrum verfügt.
Statista: „Entfielen 2016 noch rund 39 Prozent des Stromverbrauchs auf Server, waren es 2020 schon 42 Prozent oder 6,6 Milliarden Kilowattstunden. An zweiter und dritter Stelle stehen Kühlung und Speicher, relativ wenig Strom wird für die Netzwerkprozesse selbst verbraucht.“
(Bild: Borderstep Institut)
Während dem Regelbetrieb bleiben deren Batterien ungenutzt und können den Netzbetreibern als kurzfristige Flexibilitätsreserve für Regelenergie zur Verfügung gestellt werden, um die Netzfrequenz stabil zu halten. Die Grundfunktion der USV wird durch den Prozess nicht beeinträchtigt und das Rechenzentrum kann durch Kompensationen vom Netzbetreiber Einnahmen erzielen.
Konsolidierung der physischen IT
Der nächste Schritt nach der Gebäudehülle umfasst die Hardware im Rechenzentrum. Da Server den größten Teil des Stromverbrauchs ausmachen (siehe: Statista: „Server sind Stromverbraucher Nummer eins in der IT“, bietet sich hier auch ein besonders großes Einsparpotenzial. Dazu müssen Betreiber die eigene Infrastruktur allerdings sehr genau kennen, was bedeutet, dass umfangreiche Analysen der Hardware-Situation am Anfang stehen. Nur so kann es gelingen, so genannte Zombie-Server zu identifizieren, die noch in Betrieb sind, obwohl auf ihnen gar keine produktiven Anwendungen mehr laufen.
Bisher wurde dieser Mehrverbrauch von Energie oft in Kauf genommen, um sich den zusätzlichen Aufwand für umfangreiche Analysen zu ersparen. Mit den Energiekosten von heute ist dieses Vorgehen allerdings nicht mehr zu rechtfertigen. Stattdessen sollten IT-Teams genau prüfen, welche Server sie gefahrlos dekommissionieren können. Der Arbeitsaufwand wird sich durch Stromeinsparungen bezahlt machen.
Der Autor ist Benedikt Ernst, Leiter des Bereichs Cloud Advisory von Kyndryl.
(Bild: Kyndryl)
Doch auch bei Servern, die nicht komplett abgeschaltet werden, können Einsparungen der Betriebskosten erzielt werden. Häufig werden diese standardmäßig mit der höchstmöglichen Taktrate betrieben, ohne Rücksicht auf die darauf laufenden Anwendungen zu nehmen. Dadurch ergibt sich oft die Situation, dass die Taktrate der Rechner wesentlich höher ist als die tatsächliche Anforderung der Anwendungen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Um dieses Problem zu lösen, müssen Betreiber jeden Server und die darauf betriebenen Anwendungen individuell prüfen. Das bedeutet zwar einen gewissen Aufwand, birgt aber auch erhebliches Potenzial für Einsparungen.
Konsequente Virtualisierung
Nicht zuletzt sollten Betreiber von Rechenzentren prüfen, inwiefern es sich lohnt, den Austausch von Hardware-Komponenten vorzuziehen. Schließlich arbeiten neuere Geräte in der Regel immer effizienter.
Auch wenn Virtualisierung allgemein bekannt und längst kein neues Konzept mehr ist, gibt es in der Anwendungsbereitstellung immer noch große Ineffizienzen durch physisch getrennte Systeme für verschiedene Anwendungen. Diese Rechner sind dadurch praktisch nie voll ausgelastet, verbrauchen allerdings fast genauso so viel Strom wie unter Volllast.
Die Virtualisierung und der Betrieb auf VMs, die auf wenigen, gut ausgelasteten Servern laufen, bieten erhebliche Potenziale zur Einsparung. In virtualisierten Umgebungen lassen sich Ressourcen zudem leichter in die Cloud auslagern. Betreiber sollten vor diesem Hintergund auch prüfen, ob sie durch die Kooperation mit Hyperscalern Energie-Einsparungen erzielen können.
Neue Energiekonzepte
Ausgeglichene und nachhaltige Energiekonzepte sind im Kontext eines „grünen“ Rechenzentrums vom Entwurf bis zum Betrieb eines Datacenter zu berücksichtigen. Wichtige Konstruktionsmerkmale, beispielsweise der Strom und Wasserverbrauch aber auch der CO2 Ausstoß der verwenden Materialien, sind ebenfalls mit zu berücksichtigen.
Auch lohnt es sich, Innovationen in Sachen Kühlung zu evaluieren. Wasserkühlung arbeitet in der Regel sparsamer als die heute vorherrschende Luftkühlung und die Abwärme lässt sich dabei wesentlich besser nutzen. Kühlsysteme nach dem Prinzip der Absorptionskältemaschine befinden sich bereits in Erprobung (siehe Artikel „Hotfiad-Projekt vor dem Abschluss Abwärme aus den Rechenzentren für Kälte und mehr“. Dieser Ansatz ist deshalb interessant, weil dabei Abwärme zur Kühlung genutzt werden kann. Was zunächst paradox klingt, könnte einen weiteren Beitrag zum Energiesparen leisten.
Insgesamt lassen sich durch die Kombination der verschiedenen Maßnahmen erfahrungsgemäß Einsparungen von bis zu 15 Prozent erzielen. Das schlägt sich in der aktuellen Lage direkt auch finanziell nieder und kein Rechenzentrum sollte dieses Potenzial ungenutzt lassen.