Europäische Infrastruktur für Künstliche Intelligenz (KI) Der Wettlauf um Europas KI-Superzentren – Wer bekommt die Gigafabrik?

Von Paula Breukel 2 min Lesedauer

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60 Standorte in 16 EU-Staaten bewerben sich um eine der geplanten KI-Gigafactories. Bis zu 100.000 Chips pro Anlage sollen das Fundament für Europas KI-Souveränität legen.

Europa will die KI-Gigafactory: Die Europäische Kommission erhält viele Bewerbungen und nun stellt sich die Frage, welche der ambitionierten Projekte wirklich das Zeug dazu hat, Europas Zukunft in Sachen KI zu stemmen.(Bild:  Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)
Europa will die KI-Gigafactory: Die Europäische Kommission erhält viele Bewerbungen und nun stellt sich die Frage, welche der ambitionierten Projekte wirklich das Zeug dazu hat, Europas Zukunft in Sachen KI zu stemmen.
(Bild: Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)

Die Europäische Kommission hat 76 Interessenbekundungen für den Aufbau riesiger Rechenzentren zur Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) erhalten. Der Andrang übertrifft die Erwartungen deutlich: Aus 16 EU-Mitgliedstaaten wurden 60 Standorte vorgeschlagen, getragen von Industrie, Forschung, Versorgern und Investoren. Ziel der Initiative ist es, vier bis fünf sogenannte KI-Gigafactories zu errichten – Rechenzentren, die mit jeweils rund 100.000 spezialisierten Prozessoren für das Training von KI-Modellen im Hyperscale-Format ausgelegt sind.

Das Vorhaben ist Teil des „EU-InvestAI“-Programms, das insgesamt 20 Milliarden Euro an Fördermitteln für den Aufbau einer europäischen KI-Infrastruktur vorsieht. Durch Public-Private-Partnerships sollen Investitionen von bis zu 200 Milliarden Euro mobilisiert werden. Eine formale Ausschreibung zur Auswahl der Projekte ist für Ende 2025 geplant.

Eine Übersicht der Bewerber

Einige Bewerber haben ihre Beteiligung bereits öffentlich gemacht.

  • Spanien schlägt mit Unterstützung von Telefónica die Stadt Móra la Nova als Standort vor. Geplant ist eine Investition von rund fünf Milliarden Euro in direkter Nähe zum Supercomputer „Marenostrum 5“ in Barcelona. Zu den Konsortialpartnern gehören unter anderem Nvidia, Submer und Multiverse Computing.
  • Österreich setzt auf Wien als Standort. Gemeinsam mit Wien Energie will die Stadtregierung Abwärme aus dem geplanten Rechenzentrum ins städtische Fernwärmenetz einspeisen. Die Bewerbung wird von Bundeskanzleramt und Stadtpolitik mitgetragen.
  • Tschechien plant eine Gigafactory im Prager Stadtteil Zbraslav. Auf dem Gelände des Telekommunikationsunternehmens CRA war ursprünglich ein 26-MW-Rechenzentrum vorgesehen. Bei erfolgreicher Bewerbung soll der Standort auf bis zu 100 MW ausgebaut werden.
  • Polen, Estland, Lettland und Litauen treten gemeinsam mit einem länderübergreifenden Konsortium an. Geplant ist ein Rechenzentrum mit einem Investitionsvolumen von rund drei Milliarden Euro.
  • Deutschland ist mit mehreren Vorschlägen vertreten, darunter das Projekt „Blue Swan“ bei Schweinfurt, ein Konsortium von Ionos und Hochtief sowie eine Initiative von SAP, der Deutschen Telekom und der Schwarz-Gruppe.
  • Niederlande positionieren sich mit dem Projekt „AI Gigafactory.NL“, das auf direkte Einspeisung von Offshore-Windenergie und ein breites Partnernetzwerk aus Wissenschaft, Wirtschaft und Infrastruktur setzt.

Insgesamt gingen bei der EU-Kommission 76 Interessenbekundungen aus 16 Mitgliedstaaten ein – ein Beleg für das große Momentum hinter der geplanten KI-Infrastruktur.

Standortfaktoren und politische Strategie

Die Anforderungen an die zukünftigen Gigafactory-Standorte sind hoch: Gefordert werden nicht nur ausreichende Flächen und Netzanbindungen für mehrere hundert Megawatt Leistung, sondern auch ein Ökosystem aus Forschung, Industrie und Infrastruktur.

Mit der KI-Gigafactory-Initiative verfolgt die EU das Ziel, eigene Kapazitäten für das Training von Large Language Models (LLMs) und anderen komplexen KI-Systemen aufzubauen. Die geplanten Anlagen sollen das Supercomputing-Netzwerk EuroHPC ergänzen und Europas technische Unabhängigkeit sichern.

Die Interessenten planen in Summe den Erwerb von mehr als drei Millionen GPUs der neuesten Generation. Ob das Investitionsziel erreichbar ist, hängt nicht zuletzt von regulatorischer Klarheit und politischer Unterstützung auf nationaler Ebene ab. Die finale Standortentscheidung der Kommission wird Ende des Jahres erwartet – mit Inbetriebnahme der ersten Gigafactories ab 2028.

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