Die Rechenzentrumsmärkte wachsen weltweit weiter signifikant. Ein Motor des Expansionstrends ist die zunehmende Nutzung Künstlicher Intelligenz. Trotz des Booms und guter Auslastung stehen die Rechenzentrumsbetreiber auch vor Herausforderungen.
Welche Datacenter-Märkte entwickeln sich wie? Diese Frage versucht Cushman & Wakefield auch 2024 wieder zu beantworten.
(Bild: Cushman & Wakefield)
Die europäischen Rechenzentrumsmärkte sollen nach der jährlichen Studie von Cushman&Wakefield für das Jahr 2024 weltweit stark wachsen - in Europa allerdings schwächer als anderswo. Zugrunde gelegt werden bei den Zahlen Projekte, die sich bereits im Betrieb befinden Ausgeschlossen sind solche, die zwar geplant sind, aber noch keine Flächen gefunden haben.
Europa: Insgesamt 12,7 GW
Nach den Daten befinden sich in Europa 6,218 Gigawatt (GW) Rechenzentrumsleistung in Betrieb. Davon sind 4,669 Terawatt (TW) Co-Location-Rechenzentren, 1,268 GW Cloud-Rechenzentren und 0,273 GW andere Datacenter. Gemeint sind bei Letzterem die Telekom- und Edge-Rechenzentren. Die Vakanzen liegen bei neun Prozent. Private Datacenter in eigenen Räumen (etwa Enterprise-Rechenzentren) tauchen in der Statistik nicht auf.
In der Entwicklung befinden sich in Europa weitere 6,528 GW Rechenleistung. Davon bucht Cushman $ Wakefield 5,468 GW auf das Konto der Co-Location-Anbieter, rund 1 GW auf das der Cloud-Provider und nur 5 MW auf die anderen gezählten Rechenzentren. Damit entspricht die zu erwartende Gesamtkapazität nach Vollendung der geplanten Datacenter etwa einer Verdopplung bisheriger Kapazitäten.
Amerika und APAC wachsen stärker
Im Trend verteilen sich Planungen in den beiden übrigen geografischen Räumen America und Asien-Pazifik ( APAC) ähnlich. Allerdings wachsen diese Ökonomien nach Angaen von Cushman & Wakefield stärker. Die Länder aus den APAC-Regionen kommen heute auf eine betriebene Kapazität von 10,584 GW (Co-Location: 8,8819 GW, Cloud: 1,514 GW, andere: 0,252 GW) und eine Vakanz von 16 Prozent. Geplant sind dort 13,281 GW (Co-Location: 10,707 GW, Cloud: 2,486 GW, andere: 87 MW). Insgesamt wird sich bei Umsetzung der Projekte die Kapazität um den Faktor 2,2 erhöhen.
In den USA ist das Wachstum mit dem Faktor 2,5 am stärksten. Die betriebene Kapazität liegt hier bei 16,820 GW (Co-Location: 8,909 GW, Cloud: 6,839 GW, andere: 0,4 GW). Die Vakanzen betragen nur fünf Prozent. Entwickelt werden 24,794 GW (Co-Location: 20,963 GW, Cloud: 3,4341 GW, andere: 0,4 GW).
Veränderte Kriterien-Gewichtung
Beim globalen Ranking hat Cushman & Wakefield die Gewichtungsfaktoren verändert. Das höchste Gewicht bei der Aufstellung der Rangliste der Datacenter-Märkte haben diesmal die Verfügbarkeit von Energie, die Verfügbarkeit geeigneter Flächen und das Marktvolumen. Am unteren Ende stehen Umweltrisiken, Steuern und die Verfügbarkeit von Wasser. Das rückt insbesondere die USA als Chancenmarkt weit nach vorne.
Die drei großen Weltregionen und ihr Datacenter-Wachstum bezogen auf bestehende und bereits in der Umsetzung befindliche Projekte.
(Bild: Cushman&Wakefield)
Letzteres verwundert angesichts der von den von diversen Spezialisten für Umweltfragen getätigten Prognosen angesichts knapper Trinkwassermengen. Denn Rechenzentren standen zumindest bisher in unmittelbarer Konkurrenz zu sonstigen Wasserkonsumenten.
Anmerkung:Tatsache ist aber, dass der Klimawandel ungebremst voranschreitet. Es zeugt daher nicht unbedingt von Weitsicht, Umweltfaktoren auszusondern respektive hintan zu stellen. Zu einem besseren Renommeé der DC-Branche wird diese Entscheidung sicher nicht beitragen.
Vielleicht ist sie auch schon eine Vorwegnahme der Hoffnung, dass eine neue US-Regierung eher weniger Wert auf Umweltfragen legen könnte. Davon dürften dann die US-RZ-Märkte profitieren.
Fünfter Rang für London
Betrachtet man die Ranglisten bezüglich der gelisteten entwickelten Märkte, fällt auf, dass keine einzige deutsche Stadt unter den ersten zehn ist. Immerhin schafft es London auf Platz 5. Doch alleine sechs der Top-Märkte sind US-Regionen oder Städte (siehe: Abbildung).
Unter den sich entwickelnden Märkten stehen Mailand auf Platz 4 und Zürich auf Platz 6. Ansonsten finden sich auch hier fünf amerikanische Städte/Bundesstaaten. Dazu kommen drei asiatische Städte.
Viele der im Cushman&Wakefiled-Ranking am besten entwickelten Datacenter-Märkte befinden sich in den USA. Manchmal wird auch ein ganzer US-Bundesstaat genannt - was in dem Ranking sonst nicht üblich ist.
(Bild: Cushman & Wakefield)
Somit leigen die entwickelten Top-Märkte mit der Ausnahme Toronto ausschließlich in den USA: Virginia (1), Atlanta(2), Dallas (3), Phoenix (4), Oregon (5) Nord/Südcarolina (6), Chicago (7), Columbus (8) und San Francisco Bay(10). Außerdem fällt auf, dass hier abweichend vom Americas-Listing wie auch beim EMEA-Listing lediglich Städte, nicht aber ganze Staaten oder Regionen aufgelistet werden.
APAC: Tokio führt
Im Raum APAC steht an der Spitze Tokio, es folgen Mumbai (2), Sydney (3), Peking (4), Jakarta (5), Singapur (6), Johor (7), Kuala Lumpur (8), Shanghai (9) und Hongkong (10).
Stand: 08.12.2025
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In Europa steht London auf Platz 1, gefolgt von Madrid und Paris. Dann kommen Frankfurt (4), Amsterdam (5), Dublin (6), Oslo (7), Brüssel (8), Stockholm (9) und Johannesburg (10).
Zwei Nicht-US-Städte unter den Top Developing Markets America
Bei den sich entwickelnden Märkten auf dem amerikanischen Kontinent gibt es zwei außerhalb der USA: Queretaro (6) und Santiago (9). Ansonsten haben es Kansas City (1), Nashville (2), Iowa (3), Minneapolis (4), Austin (5), Indiana (6) und Denver (10) unter die Top 10 geschafft.
Indien hat laut Cushman&Wakefiled einige boomende sich entwickelnde Datacenter-Standorte aufzuweisen.
(Bild: Cushman & Wakefield)
In APAC führt Osaka vor Chennai und Hyderabad. Es folgen Bangkok (4), Dehli NCR (5), Taipei (6), Guangzhou (7), Batam (8), Manila (9) und Pune (10). Insgesamt stammen von zehn Top-Städten vier aus Indien.
Das EMEA-Ranking der sich entwickelnden Märkte beginnt mit Mailand, Zürich und Kopenhagen. Die weiteren Plätze belegen Warschau (4), Riad (5), Saragossa (6), Abu Dhabi (7), Athen (8), Lagos (9) und Dammam (10).
Top-Faktor Energieverfügbarkeit
Anschließend nennt Cushman & Wakefield die Top-Städte pro Faktor. Hier seien nur einige erwähnt, Einig sind sich die Macher der Studie von Cushman & Wakefiled mit dem Gros anderer Analysten, dass die Verfügbarkeit von Energie mittlerweile der Top-Faktor bei der Standortfindung neuer Rechenzentren ist. Denn oft dauere es zwei bis drei Jahre, bevor ausreichend Strom an Neuentwicklungen geliefert werden könne. Außerdem sind die Anforderungen gestiegen: Die Stromkaufverträge umfassten nun oft mehrere Hundert MW.
Energieverfügbarkeit ist heute der wichtigste Faktor bei der Auswahl von Datacenter-Standorten.
(Bild: Cushman & Wakefield)
Die Energieknappheit führe auch zu Investitionen in neue Energietechnologien wie Batteriespeicherung und deren Kombination mit erneuerbaren Energiequellen. In Nevada erprobe Google Geothermie als Stromressource. Auch in Kalifornien spiele diese Ressource eine wichtige Rolle.
Die Rangliste der Energieverfügbarkeit beginnt mit Dallas, Mumbai und Nord/Süd-Carolina. Es folgen (Anm.: ausgerechnet) Frankfurt (4), Stockholm (5), Jakarta (6), Atlanta (7), Virginia (8), Oslo (9) und Madid (10).
Wichtig: Mittelfristige Energiebereitstellung
Bei der Bewertung durch spielte auch eine wichtige Rolle, welche Energiekapazitäten die Provider am jeweiligen Standort mittelfristig bereitstellen kann. Dass Texas an der Spitze steht, kann auf die forcierte Nutzung von Solarenergie in dem sonnenreichen Land. hindeuten.
Die hohe Bereitstellungsfähigkeit kann aber auch damit zusammenhängen, dass die USA weiterhin kräftig in Öl investieren. (Anm.: Ein wahrscheinliches Szenario, falls Trump gewinnt.)
Land wird knapp
EIn weiterer kritischer Faktor ist die Verfügbarkeit von geeigneten Flächen. Dabei suchen Provider vorzugsweise größere Flächen, um bei Bedarf schrittweise expandieren zu können und spekulative Preissteigerungen beim späteren Landerwerb zu verhindern. Außerdem ermöglichen große Flächen den Betrieb eigener regenerativer Energie-Erzeugungsanlagen.
AI aus der Cloud ist einer der wesentlichen Treiber für die Entwicklung von Rechenzentrumsmärkten.
(Bild: Cushman & Wakefield)
Als Basis für Landverfügbarkeit wurde die Zahl der Transaktionen in einer Region gewertet: je mehr Transaktionen, desto besser die Landverfügbarkeit. Das Ranking umfasst hier die Spitzenreiter Phoenix, Dallas und Atlanta. Es folgen Sydney (4), Jakarta (5), Virginia (5), Peking (6) Nord/Süd-Carolina (8) Kansas City (9) und London (10).
Drittwichtigster Faktor ist die bestehende Marktgröße. Dies wegen der zu erwartenden Synergie-Effekte zwischen unterschiedlichen Betreibern in räumlicher Nähe. Das Listing führen Virginia, Peking und Tokio an. Verfolger sind Shanghai (4), London (5), Sydney (6), Frankfurt (7), Oregon (8), Dublin (9) und Phoenix (10).
Triebfeder AI
Wichtigste treibende Kraftfür den Bau neuer Rechenzentren rund um die Welt ist derzeit die zunehmende Nutzung von Artificial Intelligence (AI) mit ihrem Trainings- und Inferenzbedarf. Dabei müssen die Lern-Rechenzentren weniger zeitkritisch arbeiten können als Datacenter, die Inferenzlasten beherbergen. Erstere können also in Regionen mit größeren Latenzen zu ihren Kunden gebaut werden - in Europa werden hier immer die so gannten Nordics genannt.
Die Leistungsdichte von Systemen steigt im KI-Umfeld immens, was zu innovativen Kühlmethoden zwingt.
(Bild: Cushman & Wakefield)
Die Technik von Rechenzentren wird stark durch die ansteigenden Leistungsdichten geprägt. Sie sollen schon bald dreistellige KW-Werte pro Rack erreichen.
Datacenter-Betreiber wenden sich daher immer öfter gemischten Kühltechnologien zu. Wo die Leistungsdichte im Rechenzentrum besonders hoch ist, geht der Trend zur On-Chip-Flüssigkühlung.