Digitale Dienste verbrauchen Energie. Wie viel genau, wollte die EU in einer Metastudie wissen. Das Problem ist nach wie vor die dünne Datenlage. Um genauere Prognosen erstellen zu können, fordern Energieberater verstärkte Anstrengungen beim Erfassen und Klassifizieren.
Auch die Datenbasis für die EU-Studie von Paolo Bertoldi und George Kamiya zum Strombedarf in den Rechenzentren weist Lücken auf, doch das ist nichts Neues.
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Die Nachfrage nach digitalen Diensten steigt rapide, und das führt zu Bedenken hinsichtlich des steigenden Energieverbrauchs von Rechenzentren und Telekommunikationsdiensten. Angesichts der vergleichsweise dünnen Informationen in offiziellen Statistiken hat die EU die Energieberater Paolo Bertoldi und George Kamiya beauftragt, eine Metastudie zu erstellen, die das Datenmaterial sichtet und bewertet.
In Deutschland haben Rechenzentren im Jahr 2022 rund 15 Terawattstunden verbraucht. Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Irland kommen zusammen auf zwei Drittel des Energieverbrauchs europäischer Rechenzentren, obwohl sie weniger als 40 Prozent der Einwohner Europas haben.
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Die Ergebnisse der Studie „Energy Consumption in Data Centres and Broadband Communication Networks in the EU“ unterteilen sich in vier Kategorien: Rechenzentren haben in der EU im Jahr 2022 schätzungsweise 45 bis 65 Terawattstunden (TWh) Energie verbraucht. Das entspricht 1 bis 1,2 Prozent des Gesamtverbrauchs. Auf die großen Rechenzentren von Co-Location-Providern und Hyperscalern entfallen 65 Prozent des Verbrauchs, während der Anteil der Rechenzentren von Unternehmen bei 35 Prozent liegt.
Rechenzentren verbrauchen 2 Prozent des Energiebedarfs der EU
Die vier Regionen mit dem größten Verbrauch sind Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Irland. Sie kommen zusammen auf zwei Drittel des Energieverbrauchs europäischer Rechenzentren, obwohl sie weniger als 40 Prozent der Einwohner Europas haben.
Im EU-Gesamtvergleich verbrauchen Rechenzentren rund 2 Prozent des gesamten Energiebedarfs. In Irland beträgt dieser Wert 18 Prozent, in den Niederlanden 5,2 Prozent, in Luxemburg 4,8 Prozent, in Dänemark 4,5 Prozent, in Deutschland 3 Prozent, in Schweden 2,3 Prozent und in Frankreich 2,2 Prozent. In Deutschland haben Rechenzentren im Jahr 2022 15 Terawattstunden verbraucht.
Ein wichtiger Faktor für den steigenden Energiebedarf von Rechenzentren dürften in den kommenden Jahren die Dienste und Anwendungen auf Basis Künstlicher Intelligenz werden. Aktuell entfällt schätzungsweise ein Viertel des Energiebedarfs von Rechenzentren auf Künstliche Intelligenz. Für die Zukunft gehen Energie-Experten davon aus, dass der verstärkte Einsatz von Grafikprozessoren und anwendungsspezifischen integrierten Schaltungen die Energiedichte von Datenzentren steigern und damit den Kühlbedarf in die Höhe treiben.
Die Netzwerke der Telekommunikationsdienste haben laut Studie im Jahr 2022 schätzungsweise 25 bis 20 Terawattstunden verbraucht. Das entspricht umgerechnet 1 bis 1,2 Prozent des gesamten Elektrizitätsbedarfs der EU. Die nach Einwohnerzahlen und Bruttosozialprodukt größten Mitgliedsländer Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien kommen auf 65 Prozent dieser Summe und sind damit die größten Verbraucher von Netzwerkenergie.
Telco-Netzwerke verbrauchen 0,5 bis 2 Prozent der nationalen Energie
Der Energieverbrauch von Netzwerken umfasste in den EU-Mitgliedsländern zwischen 0,5 und 1,5 Prozent des nationalen Verbrauchs. Im Vergleich zum Strombedarf der Rechenzentren war der Bedarf von Telekommunikationsnetzen niedriger und gleichzeitig gleichförmiger, also mit weniger Lastspitzen.
Der kombinierte Energiebedarf von Rechenzentren und Telekommunikationsnetzen betrug in der EU im Jahr 2022 schätzungsweise zwischen 70 und 95 Terawattstunden. Das entspricht 2,8 bis 3,8 Prozent des gesamten europäischen Stromverbrauchs.
Die vier größten Mitgliedsländer Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien kommen zusammen auf 60 Prozent des Energieverbrauchs für die digitale Infrastruktur. In der Gesamtschau liegt der Anteil dieses Energieverbrauchs bei 5 Prozent. Abweichungen gibt es in Ländern mit vielen Rechenzentren: Irland kommt auf 19 Prozent, die Niederlande auf 6 Prozent, Luxemburg auf 55 Prozent und Dänemark auf 5 Prozent.
Die dünne Datenlage erschwert Prognosen
Die größte Hürde für derartige Studien ist die bislang recht dünne Datenlage. Diese erschwert es Prognosen zu erstellen und daraus Empfehlungen an die Politik abzuleiten. Die Studienautoren fordern daher, dass die Politik und Unternehmen zusammenarbeiten, und die Datenlage zu verbessern:
„Die Schätzungen dieser Studie geben den Bereich wieder, der am wahrscheinlichsten ist“, berichtet Energieexperte Bertoldi. „Es ist unerlässlich diese Schätzungen auf bessere Daten zu stützen. Nur dann verstehen wir die Markttrends und können gut informierte Empfehlungen geben, wie die Politik mit dem Energiehunger digitaler Systeme und den daraus entstehenden Folgen für die Umwelt am besten umgeht.“
Stand: 08.12.2025
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Idealerweise sollten Regierungen und Statistikbehörden laut Bertoldi standardisierte Definitionen und Klassifikationen für Rechenzentren und Telekommunikationsnetze erstellen. Darüber hinaus sollten Politik und Unternehmen gemeinsam daran arbeiten, die Verfügbarkeit und Qualität der Daten zum Energieverbrauch digitaler Infrastruktur zu verbessern.