Carl von Hessen kommt aus der Immobilienbranche. Doch nun beschäftigt er sich bei AQ Compute, der Aquila Group zugehörig, mit dem Bau und Betrieb von Rechenzentren, möglichst nachhaltig erbauten und betriebenen Co-Location-Datacenter. Welche Herausforderungen, Besonderheiten sieht er, wenn es um diese Investions-Assets geht? Wie werden Datacenter grün?
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)
Um zu verstehen, wie die Investitions- und Vermögensentwicklungsgesellschaft Aquila Group, die einen Anspruch auf sorgsamen Umgang mit Ressourcen vertritt, zu Rechenzentren gelangt, ist es wichtig zu wissen, wie sich diese aufstellt. Zur Gruppe gehört Aquila Capital, eine Investmentgesellschaft, die bereits seit 2009 im Photovoltaiksektor tätig ist und derzeit knapp 14,6 Milliarden Euro weltweit verwaltet. Ebenfalls Bestandteil ist Aquila Clean Energy, ein Unternehmen, das „grüne Energieprojekte in 16 europäischen Ländern entwickelt und betreibt“. Derzeit verwaltet es über 240 Solarparks in zehn Ländern mit einer Gesamtkapazität von rund 11 Gigawatt Peak (GWp).
Das Unternehmen AQ Ampere ist rein auf Deutschland fokussiert und beschäftigt sich mit Photovoltaikprojekten, kann dabei aber auf die Ressourcen von Aquila Capital und Aquila Clean Energy zugreifen, bei der Projektentwicklung, Stromabnahmeverträgen (Power Purchase Agreements; PPAs), Projektfinanzierungen und Nachhaltigkeit sowie über ein breites Netzwerk von Generalunternehmen, technischen Planern, Komponentenherstellern und Banken.
AQ Compute bietet modulare Rechenzentrums- und Co-Location-Dienste an, die mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Auf der Webseite des Unternehmens heißt es, dass das Unternehmen eine „paneuropäische Strategie für Rechenzentren“ verfolgt und „mit einer ständig steigenden Nachfrage nach Rechenkapazitäten mit einem starken Fokus auf Nachhaltigkeit“ rechnet.
Nachhaltigkeit als Invest
Nach eigenen Angaben hostet AQ Computer die Daten der Kunden auf einer „nachhaltigen Infrastruktur“, die Baumaterialien, Stromversorgungen und die Rückgewinnung von überschüssiger Wärme umfasst. Bislang konzentriert sich das Unternehmen auf den europäischen Kontinent mit einem Schwerpunkt auf den sekundären Märkten. Insbesondere die nordischen Länder und die iberische Halbinsel böten ideale Bedingungen für die Entwicklung und den Betrieb nachhaltiger Rechenzentren mit hervorragendem Zugang zu erneuerbarer Energie, bestätigt auch von Hessen. So stehen die ersten Rechenzentren auch in Norwegen und Spanien.
Der Einstieg in den Datacenter-Markt aber erfolgte nicht so konfliktfrei, wie man es sich ausgemalt hat: der Match von zwei durchaus boomenden Zukunftsmärkten - Daten und grüne Energie – klang zunächst spannend und vielversprechend, war und ist es auch, aber ….
DataCenter-Insider-Chefredakteurin Ulrike Ostler traf sich mit Carl von Hessen, Chief Investment Officer von AQ Compute, online zum Gespräch.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)
Von Hessen, Chief Investment Officer von AQ Compute, der sich mit Rechenzentren vertraut machte, musste schnell feststellen, dass dieser Markt jedoch erheblich durch Intransparenz gekennzeichnet ist. „Der Rechenzentrumsbereich ist doch sehr speziell“, sagt er, „nicht wie der von Logistik-Immobilien, bei dem relativ schnell zu verstehen ist, wie der Markt funktioniert, wo hin er sich orientiert. Dieser Markt ist sehr verschlossen, es wird nicht viel darüber gesprochen und selbst die großen Kunden geben nur ungerne preis, welches die nächsten Schritte sein sollen.“
Einstieg in den Datacenter-Markt
So habe er und sein Team, immerhin zählt AQ Computer mittlerweile 20 Mitarbeiter, die Mieter aus der Aquila Gruppe , etwas solchen der eigenen Logistikzentren gefragt: „Wie geht ihr denn mit euren Daten um? Würdet ihr die in ein Rechenzentrum geben?“ Und trotzdem sei es „wahnsinnig schwierig gewesen“, konkrete Antworten drauf zu finden, erläutert von Hessen.
Somit habe es auch entsprechend gedauert, bis valide Informationen eingeholt waren, um für Aquila Capital die Frage beantworten zu können, ob das Invest in Rechenzentren eine interessante Anlagestrategie sei. Und dafür habe es etwa auch Antworten auf die Frage gebraucht: „Was kostet so etwas? Was kostet die Kunden die Miete? Und was bekommen sie umgekehrt für ihr Geld?“
Tatsächlich aber sei er früh `dran gewesen, sich den Rechenzentrumsmarkt durch die Investorenbrille anzuschauen – hierzulande; denn in den USA und in Asien waren zu diesem Zeitpunkt längst große Verture-Kapital-Firmen unterwegs, die Rechenzentren als lohnende Investments sahen. „Für Europa gab es kaum Daten und es war schwierig, als Außenseiter in diese Themen hineinzukommen, sagt von Hessen heute.
Das Rechenzentrum „AQ-OSL1“, das sich rund 1 Stunde Fahrt vom Stadtzentrum Oslo und eine Stunde vom Flughafen entfernt befindet.
(Bild: AQ Compute)
Doch letztlich sei klar gewesen, dass Aquila Capital nur investieren wollte, wenn der Dreiklang aus Nachhaltigkeit, Rechenzentren und Immobilie auch gelingen konnte, was ja nicht so einfach ist, da Rechenzentren einfach einen sehr, sehr hohen Strombedarf haben. „So haben wir unser erstes Projekt in Norwegen gemacht“, erläutert Carl von Hessen. Denn Norwegen habe einen hohen Überschuss an erneuerbarer Energie.
Stand: 08.12.2025
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Der Investor kaufte ein Grundstück und das erste Rechenzentrum wird in Kürze offiziell in Betrieb gehen. Im Januar ist der Betrieb angelaufen - mit einem Kunden, der für KI-Anwendungen das gesamte Rechenzentrum in Beschlag nimmt und der Künstliche Intelligenz als Service anbieten will. „Ganz schön spannend“, sagt Von Hessen.
Dazu komme, dass, weil es so viel davon gibt, auch die Strompreise günstig sind und bereits über einen langen Zeitraum gewesen sind. Zudem besitzt Aquila selbst in Norwegen eigene Wasserkraftanlagen. Von Hessen: „So hat man sich auf diesem Markt einfach wohl gefühlt.“
Erste Wahl: Norwegen
Außerdem habe man es als richtig erachtet, mit den eigenen Rechenzentren aus den Hauptmärkten herauszugehen, also nicht in die FLAP-Märkte zu investieren: Frankfurt, London, Amsterdam und Paris. Damals sei es vor allem um Latenz-unkritische Workloads gegangen, zum Beispiel um die Simulationen, die die Automobilbranche rechnen lassen muss. Auch High Performance Computing brauche viel und möglichst günstigen Strom. Zudem komme die Kälte im Norden einer kostengünstigen Kühlung entgegen.
Doch ist das Risiko, ein komplettes Rechenzentrum mit nur einem Kunden zu betreiben nicht sehr hoch? Von Hessen wiegelt ab. Das sei zwar schon ein wenig höher, aber man sei gut aufgestellt mit einem guten Vermarktungsteam. Zudem sei der norwegische Markt in den vergangenen sechs bis neun Monaten stark im Kommen.
Daran habe die KI einen erheblichen Anteil. In Amerika sei es früher losgegangen, aber er selbst könne es auch auf der Vermarktungsseite beobachten.
Doch wie wird das Rechenzentrum in Oslo grün? Was die AQ-Compute-Planer im Sinn haben, was derzeit davon umsetzbar ist und woran manche Vorhaben (noch) scheitern, erläutert Carl von Hessen im weiteren Verlauf des DataCenter-Diaries-Podcast # 27: „Carl von Hessen über den Einstieg von AQ Compute in den Datacenter-Markt“ . Außerdem nimmt er zu den Plänen Stellung, die AQ Compute für Standorte in Deutschland hat.
In diesem Rechensegment sollte Flüssigkühlung eine große Rolle spielen, sagen diverse Analysten voraus. Auch von Hessen hat das auf dem Schirm, wenngleich AQ Compute zunächst auf Luftkühlung gesetzt habe – weil das die potenziellen Kunden so gewünscht hätten. Allerdings habe man beim Rechenzentrumsdesign darauf geachtet, dass man schnell bei entsprechendem Bedarf auf Wasser- beziehungsweise Flüssigkühlung umswitchen könne. Und letztlich sei diese Fähigkeit sogar dafür entscheidend gewesen, den jetzigen Kunden gewinnen zu können.
„Auch in dem Rechenzentrum in Barcelona, das wir derzeit entwickeln, haben wir es ähnlich gemacht“, sagt von Hessen. Im Übrigen schaue man sich weitere Grundstücke in der Nähe von Oslo an. Bis jetzt bietet AQ Compute nur die Hälfte des Rechenzentrums an. Das Potenzial liegt bei 40 Megawatt auf einer Fläche von 1700 Quadratmetern Whitespace und einer Last von bis zu 80 Kilowatt im wassergekühlten und bis zu 40 Kilowatt im luftgekühlten Rack
Das geplante Rechenzentrum in der Nähe von Barcelona, das AQ Computer im Sommer 2022 gekauft hat, ist für maximal 50 Megawatt ausgelegt und soll 2025 ans Netz gehen.