Das Rechenzentrum 2025

Datacenter - hidden champions und Bremsklötze

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Diskusssionsbedarf

Allerdings liefert der Nachhaltigkeitsexperte auch gleich die Argumente dafür, dass Datacenter vorerst die hidden champions bleiben. Es geht den Betreibern offenbar noch „zu gut“ - das Geschäft floriert -, nicht jeder soll und darf wissen, was in den Rechenzentren lagert und was wie geschützt werden soll oder wie die Infrastruktur aussieht und: Ein Rechenzentrum ist ein inhomogenes Gebilde. Neben den vielen verschiedenen Gewerken gibt es nicht nur In den Gebäuden selbst Trennwände zwischen IT und der Rechenzentrumsinfrastruktur darum herum.

Damit jedoch ein Rechenzentrum als Ganzes funktioniert, müssen diese Welten aufeinander abgestimmt werden und somit die Menschen, die damit befasst sind, zusammenarbeiten. Doch das ist oftmals schwierig, sagt Michael Würth, Global Head of GFM Datacenter Services von SAP SE. Wie Borderstep-Vertreter Hintemann hielt Würth kürzlich auf den Datacenter-Day 2015 einen Vortrag. Doch die Missverständnisse und Ressentiments, die die IT von der Datacenter-Planung und dem –Betrieb trennt, brennen ihm so auf den Nägeln, dass er diese zum Thema eines Workshops machte.

Zum Charakter dieser Workshops gehört, dass die Diskukanten unbenannt und ihre Beiträge anonym bleiben. Dennoch lässt sich festhalten, dass das gegenseitige Misstrauen der der beiden Datacenter-Fraktionen tief sitzt. Die Rechenzentrumsplaner, -bauer, -betreiber werden als „Hausmeister“ tituliert, als Bremser wahrgenommen. Die IT-Leute hingegen gelten als hyperaktive, überqualifizierte Spinner, die Unmögliches erwarten und das sofort. Man spricht unterschiedliche Sprachen.

IT trifft auf Infrastruktur

Es zeigt sich, dass die meisten, die für ein Rechenzentrum oder mehrere verantwortlich sind, in diese Position quasi hineingerutscht sind – von der IT in den RZ-Betrieb sowie umgekehrt - und die Lernkurve entsprechend hoch war. Heute verstehen sie sich als Vermittler zwischen den beiden Welten. Große Organisationen etablieren gleich einen solchen Vermittler oder versuchen, organisatorisch einen Austausch hinzubekommen.

Schließlich lassen sich sehr dicht gepackte HPC-Inseln in keinem Rechenzentrum etablieren, wenn die Stromzufuhr nicht ausreicht oder sich das Cluster nicht zureichend kühlen lässt. Die ASHRAE-Empfehlungen für Temperaturen in den Rechnerräumen steigen ständig, doch längst hält das nicht jedes IT-Piece im Rechenzentrum aus.

Storage verbraucht mehr Energie als das vor Jahren einkalkuliert wurde und dennoch wachsen die Storage-Kapazitäten – manchmal unkontrolliert. Dazu kommt, dass das IT-Equipment zu schwer, zu hoch sein kann, der Doppelboden nicht tragfähig genug für Erweiterungen, Umschaltzeiten zu knapp oder zu großzügig ausgelegt sind, …

Studien belegen die Erwartungen

Was alles schief gehen kann, schon bei der Planung, ist das Thema von Kort-Hinrich Heumann vom TÜV Rheinland: Fluchtwege, die mit heruntergelassenen Jalousien versperrt sind, Löschvorrichtungen, die mit Malerfarbe verkleistert sind, Zufahrtssperren, die jeder Lastwagen locker umfahren kann, Stromzufuhr, die öffentlich zugänglich ist ….

Abbildung 6: Das Verhältnis von Investitions- und Betriebskosten hat sich in den vergangenen Jahren umgedreht.
Abbildung 6: Das Verhältnis von Investitions- und Betriebskosten hat sich in den vergangenen Jahren umgedreht.
(Bild: Dr. Peter Koch)

Doch selbst im Idealfall, wenn ein Rechenzentrum so entsteht, wie es gewünscht ist, bleiben viele Optionen und damit viel falsch zu machen. Immerhin soll ein Datacenter lange bestehen, selbst wenn inzwischen die Betriebskosten die Investitionskosten bei Weitem übersteigen, wie Peter Koch, Keynote-Redner der Veranstaltung, erläutert (siehe: Abbildung 6).

So wäre es doch schön zu wissen, wie ein Rechenzentrum im Jahr 2025 gestaltet sein müsste. Tatsächlich hat Emerson Network Power in einer weltweiten Studie diese Frage thematisiert (DataCenter 2025). Interessanterweise wurden dafür nicht nur IT- und Datacenter-Experten befragt, sondern auch Journalisten, Zukunftsforscher und Menschen wie Sie und ich.

Abbildung 7: Die Erwartungen an die zunehmende Dichte im Rechenzentrum übersteigen laut Peter Koch die tatsächliche Entwicklung bei Weitem.
Abbildung 7: Die Erwartungen an die zunehmende Dichte im Rechenzentrum übersteigen laut Peter Koch die tatsächliche Entwicklung bei Weitem.
(Bild: Emerson Network Power)

Giganten und Mikosysteme

So einige Ergebnisse musste Koch korrigieren. Zum Beispiel übertreffen die Erwartungen der Antwortgebenden an die zunehmende Dichte im Rechenzentrum die tatsächliche Entwicklung bei Weitem. Das zeigt sich auch deutlich im Vergleich mit der „DataCenter-Studie 2015“ von DataCenter-Insider.

Festhalten lässt sich allerdings, dass es das Rechenzentrum auch 2025 nicht geben wird. Übrig bleiben nicht nur die Mega-Datacenter nahe des Polarkreises, wie das (siehe: Abbildung 9 unten) von Facebook. Im Gegenteil. Koch beobachtet einen Trend zu Mikro-Rechenzentren, quasi am Netzwerkrand. Solche entstehen derzeit etwa bei Swisscom; der Telekommunikationsanbieter will Latenzen minimieren und möglichst nahe beim Kunden sein. Microsoft baut Rechenzentren in Windkraftanlagen und die Produktion im Betrieb verankert ihre IT außerhalb der Enterprise-Datacenter.

Abbildung 9: DAS Rechenzentrum wird es auch in Zukunft nicht geben.
Abbildung 9: DAS Rechenzentrum wird es auch in Zukunft nicht geben.
(Bild: Dr. Peter Koch)

Bleibt die Frage: Lassen sich Rechenzentren kostengünstiger und effizienter planen und modernisieren. Hier sind sich die Experten grundsätzlich einig: Modularität, Standardisierung und Automatisierung sind die Rezepte.

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Über den Autor

 Ulrike Ostler

Ulrike Ostler

Chefredakteurin Datacenter-Insider, Vogel IT-Medien GmbH/ DataCenter-Insider