Das Projekt „Public Energy Efficiency Register of Data Centres“, kurz PeerDC, das vom Umweltbundesamt in Auftrag gegeben worden war und das unter der Leitung von Professor Peter Radgen stand, ist nahezu abgeschlossen – und gescheitert; denn ein öffentliches Register zu den Energiekennzahlen eines jeden Rechenzentrums wird es nicht geben. Der Professor hält es trotzdem für einen Erfolg.
Das Projekt „Public Energy Efficiency Register of Data Centres – PeerDC“ endet . Im Gespräch erläutert Projektleiter Professor Peter Radgen, was erreicht wurde, was gescheitert ist, wo es Widerstände gab und was bleibt.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)
Professor Radgen hat einen Lehrstuhl für Energie-Effizienz an der Universität Stuttgart inne und ist dort der stellvertretende Institutsleiter und Vorstand der Graduiertenschule Effiziente Energienutzung (GREES) am Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energienutzung (IER). Er sagt: „Im Großen und Ganzen sind wir eigentlich zufrieden mit dem, was wir geschafft haben.“
Angetreten sei man vor knapp drei Jahren mit ersten Überlegungen: Wie könnte so ein Datacenter-Register aussehen. Welche Kennzahlen sollten erhalten sein? Wie wäre die Energie-Effizienz eines Rechenzentrums, vieler, möglichst den Großteil aller Datacenter abzubilden. Die Evaluation „Wie befüllt man eine solche, für Rechenzentrumskunden gedachte Informationsquelle?“ habe „prima geklappt“, auch in der Zusammenarbeit mit den Projektpartnern, so Radgen und setzt als Einschränkung hinzu: „sozusagen bei dem Part, den wir in unseren eigenen Händen hatten.“
Professor Peter Radgen und Ulrike Ostler bei der Podcast-Aufnahme.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)
Denn das Entscheidende sei es gewesen, dass es sich zwar um ein wissenschaftliches Forschungsprojekt gehandelt habe, aber natürlich mit dem klaren Ziel, Transparenz im Bereich der Energie-Effizienz von Rechenzentren herzustellen. Heute wisse eigentlich keiner so richtig, „wo wir stehen“ und dass immer mit Zahlen hantiert wird, die jedoch nicht „richtig robust“ seien: „Da ist immer viel, viel dicker Daumen und viel Abschätzung und Raten“, erläutert Radgen.
Das Konsortium und die Ziele
Zu den PeerDC-Projektpartnern haben das Öko-Institut aus Freiburg, der Deutsche Unternehmensinitiative Energie-Effizienz e.V. (DENEFF), die German DataCenter Association (GDA), die DataCenter Group und der Vogel IT-Medien Verlag gehört. Zu den Aufgaben haben Workshops, Unterstützung bei der Erstellung von Fragebögen, Beratungen und Veröffentlichungen gehört.
Idealerweise herausgekommen wäre eine Datenbank, die online zugänglich gewesen wäre und in der potenzielle Datacenter-Kunden Energiekennzahlen der Service-Anbieter gefunden hätten, um sich ein Bild zu machen, wie diese Dienstleistungen im Vergleich zu denen anderer Anbieter abschneiden. Natürlich hat man auch darauf gehofft, dass Vergleichbarkeit und Transparenz zu einer Marktregulierung führte nach dem Motto: Ist Anbieter A grüner als Anbieter B, bei vergleichbaren Leistungen, ziehe ich diesen vor. Damit hätte Anbieter B nachbessern müssen. Anbieter A hätte mit seinen besseren Werten Marketing betreiben können. Die Aufteilung hätte nach Größenklassen, Regionen, Leistungs- und Sicherheitsstufen funktionieren sollen.
Zugleich hätte man valide Zahlen zum Stromverbrauch von Rechenzentren gehabt, zur Abgabe von Abwärme, zur Power Usage Effectiveness …. Der Kennzahlen-Striptease hätte jedoch keine vollständige Entblößung der Rechenzentren beziehungsweise Co-Location-Sites zur Folge gehabt, setzt Radgen hinzu. Vielmehr habe man sich nach der Vorstellung des ersten Entwurfs und der anschließenden Diskussion mit den verschiedenen Stakeholder entschlossen, einen Teil der Befragung ausschließlich für „interne Belange“, also beispielsweise zur Ermittlung statistischer Daten, zu reservieren, und nur einen Teil der Kennzahlen zu veröffentlichen.
In der Podcast-Folge #16 der „DataCenter Diaries“ hat sich Peter Radgen wesentlich ausführlicher zum Projekt „PeerDC - Öffentliches Energie-Effizienzregister für Rechenzentren,“, zu den Erkenntnissen und Schwierigkeiten geäußert.
Laut Radgen habe man in mehreren Runden die „Entwürfe verfeinert, präzisiert und optimiert“, in dem Wissen, „dass es da sehr unterschiedliche Vorstellungen gibt, welche Daten man erfassen sollte, welche man besser nicht veröffentlichen sollte und welche man veröffentlichen kann.“
Mit den Iterationen sei zu rechnen gewesen, versichert der Professor. Aber der Widerstand die Kennzahlen in einer öffentlich zugänglichen Datenbank bereitzustellen, habe doch überrascht. „Das hat sich leider als sehr, sehr schwierig erweisen“, so Radgen. Dabei müssten die meisten Rechenzentrumsbetreiber über solche Kennzahlen verfügen beziehungsweise sie ermitteln, seien die meisten ohnehin als Teil der Norm EN 50600 verankert, wie Power Usage Effectiveness (PUE) und der Anteil Erneuerbarer Energien.
Stand: 08.12.2025
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Darüber hinaus habe sich das Projektkonsortium Gedanken gemacht über die Wasserverschwendung beziehungsweise über den Grad der Wassernutzungseffizienz, Water Usage Effectiveness (WUE), erwähnt der Professor. Außerdem war die Weiterverwertung der Hitze aus den Rechnerräumen Gegenstand der Untersuchung, nicht nur der ob und wie viel der Abwärme einer Nachnutzung zugeführt wird, sondern auch was grundsätzlich möglich ist, angesichts der geringen Zahl jetziger Abnehmer, also was tatsächlich extern genutzt werden kann.
Was bleibt?
Wer die zum Teil hitzige Debatte dieses Punkts im kommenden Energie-Effizienzgesetz verfolgt hat, dürfe wohl zurecht vermuten, dass sich der Gesetzgeber an den Erkenntnissen aus dem PeerDC-Projekt orientiert habe, merkt Radgen an: „Da ist sicher vieles von dem, was wir im PeerDC-Projekt an Kennzahlen und Datenerhebung vorgesehen haben, aufgenommen worden.“
Allerdings sollen die Rechenzentrumsbetreiber zwar einige Kennzahlen liefern, doch betrifft das nur wenige, die großen Rechenzentrumsbetreiber und andererseits bleiben diese unter Verschluss. Nur Behörden haben Zugang. Radgen hofft jedoch, dass im Gesetzgebungsprozess auch im Nachhinein noch etwas passiert, zumal das PeerDC-Projekt zur Nutzung in der EU angelegt war. So fordere etwa die Energy Efficiency Directive „genau diese Kennzahlenerhebung und -meldung auf europäischer Ebene.