Der vom Bundeskabinett beschlossene Entwurf zur Einführung eines Energie-Effizienzgesetzes (EnEfG) sieht eine verpflichtende Abgabe für die Abwärme von Datacenter vor, die in dieser Form nicht umsetzbar ist. Das Gesetz gefährde die Rechenzentrumslandschaft in Deutschland – und damit auch das Energie-Einsparpotenzial in anderen Branchen, so der Autor des Artikels Béla Waldhauser.
Energiewende, Künstliche Intelligenz und das digitale Ökosysteme vor dem Hintergrund mangelnder Fachkräfte, Security und Datenschutz - Diskussionsstoff en masse für die Besucher des 3. 'Data Center Expert Summit' von Eco unter dem Motto „The Sky is the Limit“.
Die unter dem Dach vom Eco Verband der Internetwirtschaft gegründete 'Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen' appelliert nun an den Bundestag, das Gesetz praxistauglicher zu gestalten.
So wie Brücken und Straßen die analoge Infrastruktur bilden, stellen Rechenzentren die digitale Infrastruktur bereit, auf der die moderne Wirtschaft und Gesellschaft aufgebaut ist. Wenn wir beispielsweise im Homeoffice arbeiten, verbraucht ein Rechenzentrum Strom, um unsere Daten zu verarbeiten – die Server ebenso wie die Kühlung, das Zugangskontrollsystem und andere Systeme.
Und das ist gut so. Denn es ist sinnvoller und sparsamer, wenn Rechenzentren die Energie verbrauchen, als wenn die IT im Unternehmen selbst vorgehalten und der Strom dort verbraucht wird. Das zeigt der PUE (Power Usage Effectiveness) Wert: Größere, moderne Rechenzentren betreiben IT-Infrastrukturen viel Energie-effizienter als kleine Rechenzentren oder gar mittelständische Unternehmen selbst.
Rechenzentren helfen zugleich anderen Branchen und der Gesellschaft, ihre Klimaziele zu erreichen, weil digitale Aktivitäten kohlenstoffintensive physische Aktivitäten ersetzen. Beispiel Berufspendler: Wer zuhause vor dem Bildschirm arbeitet, statt ins Büro zu fahren, spart CO2 ein. Wie eine Greenpeace-Studie zeigt, können deutschlandweit so sogar mindestens 1,6 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart und der Pendelverkehr um etwa 10,9 Milliarden Personenkilometer reduziert werden, wenn Arbeitnehmer:innen nur einen Tag in der Woche im Home Office arbeiten.
Data Center Expert Summit 2023: The Sky is the Limit
Autor Dr. Béla Waldhauser teilt seine Expertise am 14. und 15. Juni im Rahmen des „Data Center Expert Summit 2023“ in Dreieich bei Frankfurt am Main Mit Diskutanten und Zuhörern.
Er eröffnet abends am 14. den Summit mit einem Rundumschlag: „Industriestrompreis, EnEfG & Nachhaltigkeitsziele - Aktuelle Herausforderungen für die Branche“. Im Panel am 15. Juni „Wie die Wirtschaft durch Rechenzentren nachhaltiger werden kann“ geht es kontrovers weiter.
Wer sich unter den Lesern noch für die Veranstaltung entscheidet, bekommt einen Rabatt.
(Bild: Eco - Verband der Internetwirtschaft)
Doch insgesamt spielt Nachhaltigkeit auf diesem Summit eine große Rolle: „Das hochverfügbare Rechenzentrum in einer klimaneutralen Welt – Kann das gehen?“ heißt es gleich einmal in der Keynote des ersten Tages von Uwe Laudenklos, ABB Stotz-Kontakt GmbH, gefolgt von der Paneldiskussion: „Wie die Wirtschaft durch Rechenzentren nachhaltiger werden kann“ und dem Impulsvortrag „Innovative und nachhaltige Energiekonzepte für Gebäude, Quartiere und Städte bis hin zur Klimaneutralität“ von Dr. Harald Will, Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP.
Den zweiten großen Block bilden Themen rund um die Künstliche Intelligenz (KI) etwa im Zusammenhang mit der Automatisierung im Rechenzentrum im Verhältnis zum Datenschutz. Hier darf auch die Politik nicht fehlen: Angekündigt ist Professor Kristina Sinemus, Hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung.
Wo KI Ist, ist auch Innovation? Jedenfalls gehört auf die Agenda des ersten Tags die Frage „Welche Innovationen benötigen wir überhaupt für die digitalen Ökosysteme von morgen?“
Die Vorschläge zur Abwärmenutzung des EnEfG sind unrealistisch
Rechenzentren setzen sich heute schon dafür ein, den Klimawandel zu stoppen. Sie haben in den vergangenen Jahren kontinuierlich ihre Energie-Effizienz verbessert, wie auch eine gemeinsame Publikation vom Eco Verband, Bitkom und GDA zeigt: Verglichen mit dem starken weltweiten Anstieg der Rechenleistung (Anstieg um den Faktor 10) und der übertragenen Datenmenge (Anstieg um den Faktor 20) ist der Anstieg des Energiebedarfs (lediglich um den Faktor 1,55) unterproportional.
Doch wir können noch mehr. Dafür investieren wir massiv in neue Technologien wie Flüssigkeitskühlung, Solaranlagen oder Abwärmenutzung. Nicht zuletzt aufgrund der hohen Strompreise hat unsere Branche ein Eigeninteresse daran, Rechenzentren so Energie-effizient wie möglich zu betreiben.
Das von der Bundesregierung geplante Energie-Effizienzgesetz ist also von der Zielsetzung her richtig, allerdings sind die darin formulierten Verpflichtungen für Datacenter zur Abgabe ihrer Abwärme in dieser Form nicht umsetzbar und könnten zur Abwanderung von Rechenzentren in europäische Nachbarländer führen. Anderen, vor allem mittelständischen Rechenzentren, könnte zudem die Schließung drohen.
Der vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzentwurf sieht für Rechenzentren, die ab dem 1. Juli 2026 den Betrieb aufnehmen, zunächst eine pauschale Abgabe von zehn Prozent der Abwärme vor. In den darauffolgenden zwei Jahren soll die Abgabe zeitlich gestaffelt auf 15 beziehungsweise 20 Prozent erhöht werden. Die bisher realisierten Abwärmeprojekte in Deutschland liegen jedoch deutlich unter der Zehn-Prozent-Schwelle.
Und solange die politischen Rahmenbedingungen fehlen, sind diese Vorgaben auch in Zukunft schlicht nicht umsetzbar. Darauf machen wir auch in unserer Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen aufmerksam. Eine Initiative führender Vertreter:innen des Ökosystems digitaler Infrastrukturen mit einem Fokus auf die Datacenter-Branche.
So muss die Politik zunächst einmal einen Markt für Abnehmer schaffen: Hier müsste der Gesetzgeber eher Wärmenetzbetreiber oder Immobilieneigentümer stärker einbeziehen, damit die zur Verfügung gestellte Abwärme auch tatsächlich abgenommen und genutzt wird. Zudem bleiben im jetzigen Entwurf saisonale Schwankungen zwischen Sommer- und Winterbedarf von Abwärme völlig unberücksichtigt und stehen noch dazu konträr zu Angebot und Nachfrage. Auch muss Deutschland den Ausbau erneuerbarer Energien massiv vorantreiben.
Das Gesetz gefährdet mit dem aktuellen Entwurf eines EnEfG die grundlegende Infrastruktur, die Deutschland für seine digitale Transformation und digitale Souveränität braucht.
Die Schlussfolgerung des Gesetzes in seiner aktuellen Form wäre, dass neue Rechenzentren nur noch in der Nähe von Wärmenetzen gebaut werden können und damit andere wichtige Standortfaktoren außer Acht gelassen werden. Doch es wird immer wichtiger, die Daten dort zu verarbeiten, wo sie entstehen – etwa für das autonome Fahren in kleineren regionalen Rechenzentren. Auch ist bislang ungeklärt, wie in Fällen zu verfahren ist, in denen weder ein Wärmenetz in räumlicher Nähe noch potenzielle kommunale Abnehmer vorhanden sind.
Stand: 08.12.2025
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Der Autor Dr. Béla Waldhauser ist Sprecher der unter dem Dach des Eco Verbands gegründeten Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen. Sein Fazit lautet: Als Rückgrat der Digitalisierung sind Rechenzentren das Fundament einer zukunftsweisenden, ressourcenschonenden und digital souveränen Industrie. Zugleich sind sie auf eine ständige, grundlastfähige und finanzierbare Stromversorgung angewiesen. Rechenzentren und Internet-Wirtschaft setzen weiterhin auf Energie-Effizienz und Nachhaltigkeit. Das von der Bundesregierung geplante Energie-Effizienzgesetz ist von der Zielsetzung her richtig, doch müssen Vorgaben auch umsetzbar sein.