Jan Wildeboer von Red Hat rät zu .... Das Ende von CentOS Linux: Drama oder Chance?

Von Jan Wildeboer* 3 min Lesedauer

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Das CentOS-Projekt wird alle Updates und Releases von „CentOS Linux 7“ nach ab Juli 2024 einstellen. Infolgedessen müssen Nutzer auf ein anderes Betriebssystem migrieren. Der Umstieg mag zwar mühsam erscheinen, bietet Unternehmen aber auch die Chance, die heutigen und künftigen Business-Anforderungen neu zu bewerten. Auf dieser Basis können sie dann eine geeignete Plattform auswählen.

Ein Drama oder doch harmlos? Was passiert nach dem Ende von „CentOS“? (Bild:  frei lizenziert: Laus Hausmann/ DWilliam  /  Pixabay)
Ein Drama oder doch harmlos? Was passiert nach dem Ende von „CentOS“?
(Bild: frei lizenziert: Laus Hausmann/ DWilliam / Pixabay)

Unternehmen, die derzeit noch CentOS Linux – eine frei verfügbare, von der Community unterstützte Linux-Distribution – einsetzen, haben die Qual der Wahl: Welches Betriebssystem sollen sie zukünftig nutzen? Eine Bestandsaufnahme der Limitationen von CentOS Linux kann dabei als erste Entscheidungshilfe dienen.

Das CentOS-Projekt bietet weder kommerziellen Support noch fortschrittliche Management- oder Remediation-Tools an. Folglich mussten Nutzer schon bisher die Systeme manuell oder mit anderen internen Administrations-Tools verwalten, was mit einem hohen Zeit- beziehungsweise Kostenaufwand einhergeht.

Auch unter Sicherheitsaspekten ist der Einsatz von CentOS Linux mit Einschränkungen verbunden, da keine speziellen Security-Management-Tools vorhanden sind. Zudem verfügt das Betriebssystem über keine behördlichen Sicherheitszertifizierungen und kaum über Zertifikate von Hardware- und Softwareherstellern.

Es stellt sich die Frage ....

Eine erste Frage von CentOS-Linux-Anwendern sollte daher lauten: Einsatz einer freien Version oder einer Subskription mit umfassendem Support? Hier sollte auf jeden Fall der Funktionsumfang einer freien Variante berücksichtigt werden.

Frei verfügbare Optionen mögen auf den ersten Blick verlockend erscheinen, da keine Kosten für Lizenzen oder Subskriptionen anfallen. Es gibt jedoch eine Reihe potenzieller Nachteile, die Risiken und Kosten mit sich bringen können. Den frei verfügbaren Betriebssystemen mangelt es häufig an Analyse-, Automatisierungs- und Management-Tools, die helfen, unerwartete Probleme und Ausfallzeiten zu vermeiden. Außerdem müssen IT-Mitarbeiter viel Zeit in die Wartung und den Support investieren.

Im Gegensatz dazu können bezahlte Lösungen einen viel höheren Wert bieten und die Kosten im Laufe der Zeit minimieren. IT-Teams benötigen schließlich mehr als nur den Code, aus dem ein Betriebssystem besteht. Sie brauchen unter anderem Support-Optionen, definierte Wartungs- und Aktualisierungspläne, Verwaltungstools und langfristige Roadmaps.

Bezahlen ist gut.

Vieles spricht also für eine Bezahlvariante. Doch was sollte sie konkret bieten?

Prinzipiell muss ein Linux-Betriebssystem immer ein stabiles, sicherheitsorientiertes Fundament für die Erfüllung der Geschäftsanforderungen bereitstellen, und zwar hinsichtlich Flexibilität und Zukunftssicherheit über offene hybride Clouds hinweg – einschließlich von Private und Public Clouds sowie von Edge-Umgebungen.

„CentOS Linux“ basiert zwar auf „Red Hat Enterprise Linux“(RHEL), bietet im Vergleich aber einen eingeschränkten Funktionsumfang. (Bild:  Red Hat)
„CentOS Linux“ basiert zwar auf „Red Hat Enterprise Linux“(RHEL), bietet im Vergleich aber einen eingeschränkten Funktionsumfang.
(Bild: Red Hat)

Im Einzelnen zeichnet sich ein modernes Betriebssystem durch folgende Bestandteile aus:

  • Sicherheitsressourcen und -Tools: Integrierte Sicherheitsfunktionen und -profile vereinfachen die Risikoreduzierung und die Einhaltung von Vorschriften.
  • Zertifizierungen: Die meisten Unternehmen nutzen für wichtige Geschäftsfunktionen und -services Anwendungen von Drittanbietern. Ein Betriebssystem mit einem großen Ökosystem zertifizierter Applikationen reduziert den Aufwand für die interne Integration.
  • Geschäftsstabilität: Eine Linux-Subskription mit einem langfristigen Lebenszyklus-Support bietet Unternehmen Investitionssicherheit.
  • Automatisierung und Management: Mit integrierten Tools zur Workflow-Automatisierung können Unternehmen ihre Umgebungen einfacher und effizienter verwalten.
  • Integrierte Analyse und Fehlerbehebung: Kontinuierliche Schwachstellenwarnungen und gezielte Anleitungen für Abhilfemaßnahmen helfen Unternehmen, die Betriebszeit zu maximieren und Störungen aufgrund von Sicherheitsproblemen, nicht konformen Einstellungen, ungepatchten Systemen oder Konfigurationsabweichungen zu vermeiden.
  • Migration: IT-Migrationen erfordern Zeit, Ressourcen und eine sorgfältige Planung. Wenn ein Betriebssystemanbieter auch unterstützende Migrationstools und -dienste bereitstellt, wird die Umstellung erleichtert und beschleunigt.

*Der Autor
Jan Wildeboer ist seit über einem Viertejahrhundert aktiv im Bereich Open Source. Als Programmierer, Lobbyist, Berater und seit 16 Jahren als Evangelist bei Red Hat, verantwortlich für die Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA).
Sein Fazit lautet: Das Management von IT-Infrastrukturen wird zweifellos zunehmend komplexer. Eine konsistente Betriebssystembasis kann dabei schon eine erste entscheidende Unterstützung bei der Reduzierung der Komplexität bieten. Voraussetzung ist allerdings, dass sie Agilität, Flexibilität und Sicherheit bietet, Portabilität unterstützt und mit einem umfangreichen Ökosystem verknüpft ist. Nur so sind Unternehmen im Hinblick auf neue oder steigende Anforderungen zukunftssicher aufgestellt.

Bildquelle: CC BY-SA 4.0 Deed

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