Datacenter Infrastructure Management von Datacenter-Vision

Das Babylonische an Rechenzentren

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Welche Stellschrauben gibt es wo?

Eine Beispielrechnung macht Datacenter-Vision-Chef Haustete am Beispiel eines Kunden mit einem großen RZ auf. Der brauchte fünf Megawatt für den reinen IT-Betrieb bei einem Preis von zehn Cent pro Kilowattstunde. Bei einem PUE-Wert von 2,0 beliefen sich die Energiekosten auf 8,8 Millionen Schweizer Franken pro Jahr, bei einem PUE-Wert von 1,4 waren es noch 6,1 Millionen. Einsparung: 2,7 Millionen Schweizer Franken – pro Jahr!

Nicht nur viele Köche verderben den Brei ...
Nicht nur viele Köche verderben den Brei ...
(Bild: Petra Bork / pixelio.de)

Um die in Frage kommenden Stellschrauben für Verbesserungen überhaupt erst erkennen zu können, braucht es ein Gesamtbild der IT, von dem ausgehend man sich immer mehr in Details vertiefen kann. An Detailinformationen fehlt es nicht, sie fallen in jedem Rechenzentrum in Hülle und Fülle an. Es gibt Tausende Sensoren, ihre Daten führen ausgeklügelte und gut justierte Management-Systeme zusammen. Doch deren Horizont reicht gerade bis an die Grenzen des Fachbereichs.

Ein Datentopf ist besser als viele

Wer die Informationen zusammenführen will, braucht erstens ein in so weit offenes System, als es alle von den Einzelsystemen gebotenen Schnittstellen nutzen kann. Und es muss zweitens einen systemunabhängigen Zugang bieten, nämlich einen modernen Web-Client als User-Interface. Das betont Haustete nicht ohne Grund: Seine Firma Datacenter-Vision ist Anbieter eines gleichnamigen Produkts, das genau diese Eigenschaften haben soll.

Nach zweijähriger Entwicklungsarbeit für die erste Version hat sich das Unternehmen damit 2010 selbständig gemacht. Angesiedelt im Technologiepark von Schweizer Yverdon-les-Baines am Lac de Neuchatel (gut 30 Kilometer nördlich von Lausanne), hat das Unternehmen jetzt zwölf Mitarbeiter. Die Software unterstützt bisher Französisch und Englisch; eine deutschsprachige Version soll spätestens im Herbst auf den Markt kommen.

Datacenter-Vision hat mehrere Kernfunktionen. Es visualisiert auf mehrere Arten alle Elemente eines Rechenzentrums, um komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen. Dazu werden diese Bestandteile, diesmal mit einheitlicher Bezeichnung, in einem Repository erfasst, es entsteht also eine Dokumentation. In die fließen in Echtzeit die jeweiligen Leistungsinformationen ein.

Eine flexible Mitte und viele Module

Auf dieser Basis lassen sich Systeme hinzufügen, umziehen oder entfernen. Im Ergebnis ist es schnell möglich, brachliegende Kapazitäten zu erkennen oder drohenden Engpässen entgegenzuwirken. Im Effekt soll das eine höhere Auslastung der Infrastruktur, eine effizientere Nutzung des Energie-Inputs und geringere Kosten bringen.

Der Prototyp eines stabilen und flexiblen Mittelteils mit angedockten Modulen.
Der Prototyp eines stabilen und flexiblen Mittelteils mit angedockten Modulen.
(Bild: © silver-john - Fotolia)

Die Lösung lässt nach Darstellung des Datacenter-Vision-Chefs Haustete leicht an die jeweiligen spezifischen Bedingungen bei einem RZ-Betreiber anpassen und auch für besondere Notwendigkeiten erweitern. „Unsere Software ist mit moderner Software-Architektur auf eine umfassende Darstellung komplexer Strukturen angelegt“, erläutert Haustete, „und nicht aus zugekauften Teilen zusammengebaut, um Hardware zu verkaufen.“

Einige namhafte RZ-Betreiber haben sich überzeugen lassen. Dazu gehören unter anderem der Uhrenhersteller Swatch, der Versicherungskonzern AXA Winterthur und der Modehersteller Louis Vuitton. Auch zwei Rechenzentren der Vereinten Nationen in Genf arbeiten mit der Lösung für Datacenter Infrastructure Management.

Der Autor:

Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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