Im Kontext der vielfältigen Anforderungen der Digitalisierung greifen herkömmliche Rechenzentrumsmodelle zu kurz. Eine zeitgemäße Unternehmens-IT – leistungsstark, anpassungsfähig, kosteneffizient – braucht neue Spielräume. Colocation kann sie schaffen. Doch wie?
Stauraum auf Anfrage: Ein Colocation-Rechenzentrum von Equinix vor der Inbetriebnahme.
(Bild: Equinix)
Jüngste Erkenntnisse von Analystenhäusern wie IDC deuten darauf hin, dass Data-Center-Ressourcen in vielen Unternehmen den geschäftlichen Anforderungen in mehrfacher Hinsicht hinterherhinken. Eine einmalige Modernisierung der Infrastruktur und der Prozesse sei bei Weitem nicht ausreichend, um die langfristige technologische Wettbewerbsfähigkeit in der digitalen Wirtschaft sicherzustellen. Es sei vielmehr erforderlich, die IT von Grund auf neu aufzustellen.
Strategische Modernisierung
Neue, zukunftsträchtige Geschäftsfelder wie die Smarte Fabrik, die allgegenwärtige Mobilität und Smart-City-Initiativen treiben die Hybridisierung der Unternehmens-IT voran. Unternehmen suchen längst nicht mehr bloße Rack-Stellplätze oder abgetrennte Cages bzw. Suiten, sondern ganzheitliche Lösungen, die zusätzlich zu den klassischen Colocation-Leistungen einen klaren Mehrwert und somit einen Wettbewerbsvorteil bieten – zum Beispiel im Hinblick auf die Fähigkeit zur Einbindung standortkritischer IoT-Anwendungen.
Die betrieblichen Komplexitäten einer hybriden Bereitstellung schaffen Bedarf nach neuen Dienstleistungen. Denn während der Wettbewerbsdruck und der technologische Fortschritt kontinuierlich zunehmen, gewinnen die regulatorischen Rahmenbedingungen zwangsweise an Komplexität. So hat etwa die im Jahre 2018 veröffentlichte BSI-Richtlinie (Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik) Unternehmen in Zugszwang gebracht und zum Wachstum von Colocation beigetragen.
Unternehmen können die nötige Agilität kaum noch im Alleingang entfalten. Sie sehen sich vielmehr gezwungen, die Herausforderungen gemeinsam mit strategischen Kompetenzpartnern und Dienstleistern anzugehen. An der gemeinsamen Nutzung von RZ-Ressourcen kommt auf lange Sicht kein Unternehmen so einfach mehr vorbei.
Alte Ansätze vor dem Aus, lang lebe Colocation
Viele Organisationen seien aktuell dabei, die Bereitstellung von Anwendungen basierend auf Netzwerklatenz, Kundenpopulationsclustern und geopolitischen Einschränkungen wie der EU-DSGVO zu überdenken, glauben die Analysten von Gartner.
Unternehmen mit älteren Rechenzentren möchten diese aufgrund der hohen Kapitalkosten nicht neu aufbauen, geschweige denn neue Datencenter aus dem Boden stampfen. Diesen Firmen schweben ganz andere Modalitäten vor. Sie wollen nämlich ein Rechenzentrum nutzen, dessen physische Infrastruktur jemand anderem Kopfzerbrechen bereitet.
„Das (on-Premise)-Rechenzentrum ist tot, lang lebe Colocation!“ Das ist nicht ein Kampagnenslogan eines exotischen Anbieters, sondern eine Schlüsselerkenntnis der Analysten von Gartner, Inc. auf der Basis einer repräsentativen Umfrage.
Gartner prognostiziert, dass bis zum Jahre 2025, also in gut einem halben Jahrzehnt, satte 80% der Unternehmen ihre traditionellen Rechenzentren schließen werden. Bereits 10% der befragten Firmen sollen diese Entscheidung bereits in die Tat umgesetzt haben.
Unternehmensleiter würden sich angesichts der anhaltenden COVID-19-Pandemie „einem beispiellosen Budgetdruck ausgesetzt“ sehen, schreibt Gartner in einem Bericht. Diese Dringlichkeit erhöhe jedoch nur die Notwendigkeit, alle Kostenentscheidungen strategisch zu bewerten, um das zukünftige Wachstum weiterhin zu finanzieren. Colocation werde häufig als Ersatz für herkömmliche Rechenzentren verwendet, da es mit einer Vielzahl von Vorteilen trumpfen könne. Dazu zählen laut Gartner eine verbesserte Hochverfügbarkeit, eine höhere Zuverlässigkeit, zertifizierte Standards auf Gebäudeebene, Energieeffizienz, dediziertes Facility Management und Skalierbarkeit.
Beschlossene Sache: Laut Gartner-Analysten werde sich die Migration weg von On-Premise-RZen in den kommenden fünf Jahren beschleunigen.
(Bild: Gartner)
Unternehmenskritische Geschäftsprozesse, die eine strengere Aufsicht und detailliertere Überwachung erforderten als dies über die Cloud-Infrastruktur und gehostete Modelle möglich sei, würden On-Premise bleiben, schlussfolgern Gartner-Analysten.
Agil an Ort und Stelle
Unternehmen suchen neuerdings verstärkt den Zugang zu Dienstleistungen rund um die kosteneffiziente Cloudifizierung ihrer IT; sie brauchen hochperformante Konnektivität zu anderen Marktteilnehmern und Technologien wie IoT-Dienste und Datenanalyse, bedarfsgerecht an Ort und Stelle.
Doch damit nicht genug. Auch der wachsende Kostendruck in der Unternehmens-IT spielt Colocation-Anbietern den Ball zu. Denn Colocation verschiebt die Kapitalaufwendungen vom Nutzer auf den Anbieter und hat das Potenzial, die IT-Gesamtkosten von Unternehmen erheblich zu reduzieren.
Stand: 08.12.2025
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Bereits bis zum Jahre 2022 sollen Unternehmen mehr als 50% der selbst erzeugten Daten außerhalb ihres Kern-RZs und der Cloud erfassen und verarbeiten, glauben die Analysten von Gartner. Der Standort nennt sich: Colocation.
Colocation in einer Windanlage: Eine hochverdichtete Datenhochburg spart Strom und Platz.
Analysten von Allied Market Research zufolge soll das globale Marktvolumen von Colocation im laufenden Jahr (2020) rund 52 Milliarden USD erreichen. Das Segment wächst seit den letzten fünf Jahren zweistellig mit einer zusammengesetzten durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 12,40%. Laut einem Bericht von Market Study Report, LLC, soll Colocation die 100-Milliarden-USD-Marke spätestens im Jahre 2025 durchbrechen.
Einer der Haupttreiber dieses Wachstums ist der steigende Bedarf der Unternehmen an der Minimierung der IT-Ausgaben für die erstmalige Inbetriebnahme unternehmenskritischer Rechenzentrumsanlagen.
Die IT-Kennzahlen von Gartner für das vergangene Jahr (2019) lassen tief blicken. Der Prozentsatz des IT-Budgets, der für Rechenzentren „provisioniert“ wurde, sei in den letzten Jahren „dramatisch gesunken“ und würde nur noch 17% der Gesamtsumme der IT-Ausgaben ausmachen.
In den kommenden Monaten dürfte sich dieser Trend auf Grund der COVID-19-Krise noch weiter verschärfen. Seit der Neubau von Datencentern aufgrund der globalen COVID-19-Pandemie ins Stottern geriet, suchen Unternehmen verstärkt nach Kapazitätserweiterungen via Colocation.
Trotz des Schocks bringt die Corona-Krise Colocation auf den Weg des nachhaltigen Wachstums.
(Bild: Arthur D. Little & eco vom 30.04.2020)
Mittel- und langfristig sollen trotz des Corona-Schocks positive Effekte überwiegen, glauben die Analysten von Arthur D. Little und eco (siehe den Bericht „Colocation, die Krönung des Krisenmanagements? Lektionen aus dem COVID-Lockdown“ in diesem Ebook). Die Studie entstand mit der Unterstützung von Huawei, Leaseweb, Microsoft und Toplink.
Stauraum auf Anfrage: Ein Colocation-Rechenzentrum von Equinix vor der Inbetriebnahme.
(Bild: Equinix)
Colocation-Services für Rechenzentren schaffen nebenbei auch die erforderliche Skalierbarkeit und Kosteneffizienz, von einer gewissen dem Geschäftsmodell inhärenten „Krisenimmunität“ ganz zu schweigen (siehe dazu auch den Bericht „Colocation, die Krönung des Krisenmanagements? Lektionen aus dem COVID-Lockdown“).
Fazit
Analysten und Brancheninsidern zufolge habe die Corona-Krise das Wachstum der Internetwirtschaft im Jahre 2020 deutlich ausgebremst, dürfte jedoch langfristig einen Katalysatoreffekt auf den Ausbau der digitalen Infrastrukturen und die Implementierung von digitalen Geschäftsmodellen haben. Um ihre digitalen Herausforderungen zu meistern werden Unternehmen neue Pläne schmieden müssen. Wer Colocation als einen Ausweg auf dem Radar hat, ist klar im Vorteil.