Mittelständische Tech-Unternehmen sind die treibende Kraft der digitalen Innovation. Sie brauchen unbedingt eine hybride Datacenter-Strategie.
Hybrid in puncto Datacenter-Strategie heißt: eigene IT-Infrastruktur im hauseigenen Rechenzentrum, Shared Ressources in Clouds und Co-Location.
(Bild: 怡如 柯 - stock.adobe.com)
Denn mit ihrem Wachstum steigen auch Anforderungen an ihre IT-Infrastruktur, insbesondere in Bezug auf die Rechenleistung. Anfänglich reicht die eigene IT-Infrastruktur meist aus. Doch je größer und komplexer die Geschäftsprozesse werden, desto deutlicher zeigen sich die Grenzen klassischer On-Premises-Lösungen. Spätestens dann stellt sich die Frage nach einer zukunftsfähigen Alternative, und es erfolgt der Umstieg auf externe IT-Infrastrukturen.
Vor dem Aufkommen von Edge Computing nutzten Unternehmen meist ein zentrales großes Hyperscale-Rechenzentrum – typischerweise an einem der FLAP-D-Knotenpunkte (Frankfurt, London, Amsterdam, Paris & Dublin). Weitere Rechenzentren dienten meist lediglich als Backup oder zur Wiederherstellung im Notfall.
Dieser traditionelle Ansatz lässt in einer Zeit, in der Echtzeitverarbeitung immer wichtiger wird, Unternehmen zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Die Anforderungen an geringe Latenz und Skalierbarkeit lassen sich mit rein zentralen Infrastrukturen nur schwer erfüllen. Darüber hinaus machen kostenintensive OPEX-Modelle, bei dem die Betriebsausgaben mit dem Unternehmenswachstum kontinuierlich steigen, ein Umdenken erforderlich.
Die Grenzen des Hyperscaling
Obwohl Hyperscale-Rechenzentren und Cloud-Infrastrukturen auch weiterhin Zuverlässigkeit und Konnektivität bieten, sind sie in einer Welt, die zunehmend auf latenzarme Anwendungen und die effiziente Verarbeitung von Daten in der Nähe angewiesen ist, nicht mehr ausreichend. Der Aufstieg dezentraler Edge-Rechenzentren ermöglicht einen flexibleren, hybriden Ansatz, der die Vorteile von zentralen Hubs mit den Stärken lokaler Infrastrukturen kombiniert.
Der Einbezug von Edge-Rechenzentren erlaubt es Unternehmen, die Performance latenzkritischer Anwendungen erheblich zu verbessern, zum Beispiel in Bereichen wie dem Finanzsektor oder dem Gesundheitswesen unabdingbar, oder auch im Bereich der Künstlichen Intelligenz, wo Millisekunden den Unterschied machen können. Anstatt sich für eine zentrale oder dezentrale Infrastruktur zu entscheiden, können mittelständische Unternehmen eine skalierbare IT-Umgebung schaffen, die Workloads dynamisch nach Leistung, Kosten und Nachhaltigkeit verteilt.
Ein zentraler Vorteil einer hybriden Rechenzentrumsstrategie liegt in der agilen Skalierbarkeit. Während zentrale Rechenzentren Skalierbarkeit bieten, ermöglicht die Kombination mit Edge-Standorten eine intelligentere Ressourcenverteilung. So verbleiben Kernprozesse in zentralen Hubs, während latenzkritische oder lokal zu bearbeitende Aufgaben dem Edge-Rechenzentrum zugewiesen werden.
Bei Nlighten
In Edge-Rechenzentren von nLighten besteht zudem die Möglichkeit, nicht-kritische Workloads mit zeitlich begrenztem Ressourcenbedarf unter einem getakteten Stromverbrauchsmodell zu betreiben – dies reduziert Energiekosten und unterstützt Nachhaltigkeitsziele. Viele Hyperscaler bieten diese Flexibilität in der Energienutzung nicht, wodurch hybride Modelle zusätzlich an Attraktivität gewinnen.
Langfristige Umweltziele spielen neben der betrieblichen Effizienz eine zunehmend entscheidende Rolle bei modernen IT-Entscheidungen. Lokal angepasste Energiekonzepte sowie minimale Übertragungsverluste steigern die Energie-Effizienz eines gut konzipierten hybriden Modells.
Edge-Rechenzentren können auf regionale Strommärkte zugreifen, sich optimal an lokale Netzbedingungen anpassen und von zeitabhängigen oder getakteten Stromtarifen profitieren. Initiativen zur Sektorkopplung gehen noch weiter und integrieren Edge-Rechenzentren in lokale Infrastrukturen, etwa durch die Abwärmerückgewinnung sowie deren Einspeisung in lokale Wärmenetze.
Neue Chancen
Damit stellen Edge-Rechenzentren eine nachhaltige Alternative zu fossilen Heizsystemen wie Erdgas dar. Zudem tragen vor Ort erzeugte erneuerbare Energiequellen wie Solar, Wind, Biogas oder Wasserstoff zur Emissionsreduktion und zur Netzstabilität bei. Diese Maßnahmen stärken sowohl die ökologische Bilanz als auch die betriebliche Resilienz.
Schließlich gewinnt auch im Zuge der zunehmenden Nutzung von Künstlicher Intelligenz ein hybrides Infrastrukturmodell an Bedeutung. Während KI-Inferenz – also die Ausführung von Modellen – eine geringe Latenz erfordert und daher am Edge stattfindet, ist das ressourcenintensive KI-Training besser in zentralen Rechenzentren aufgehoben. Diese strategische Verteilung erlaubt es mittelständischen Unternehmen, Kosten zu steuern, die Performance zu maximieren und ihre KI-Fähigkeiten gezielt auszubauen.
Stand: 08.12.2025
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Für mittelständische Tech-Unternehmen, die wachsen möchten, bietet eine hybride Infrastruktur – bestehend aus zentralen und dezentralen Rechenzentren – die notwendige Flexibilität, Effizienz und Skalierbarkeit. In einer zunehmend datengetriebenen und dynamischen Welt stellt diese ausgewogene Strategie sicher, dass Unternehmen anpassungsfähig bleiben und langfristig wettbewerbsfähig sind.
*Der Autor Joachim van Collenburg ist Vice President Enabling Services bei Nlighten. Er bringt mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung in den Bereichen Produkt-Management und strategisches Marketing mit. Zuletzt war er als Leiter des EMEA-Produkt-Management-Teams bei Equinix tätig und trieb die Einführung des Interconnection-Portfolios voran.