Skalierbarkeit und Flexibilität für digitale Herausforderungen Co-Location ist eine strategische Alternative für die IT-Infrastruktur

Ein Gastbeitrag von Michael Lang* 4 min Lesedauer

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Aufbau und Nutzung eines eigenen Serverraums oder gar Rechenzentrums setzen erhebliche Investitionen voraus. Sie binden zudem personelle Ressourcen – von Elektrikern über Klimatechniker bis hin zu spezialisierten IT-Fachkräften. Die Alternative heißt Co-Location auf Basis eigener Hardware.

Cages sind Rechenzentren in einem Co-Location-Rechenzentrum. Nur einem sehr eingeschränkten Personenkreis ist der Eintritt gestattet. (Bild:  Noris Network)
Cages sind Rechenzentren in einem Co-Location-Rechenzentrum. Nur einem sehr eingeschränkten Personenkreis ist der Eintritt gestattet.
(Bild: Noris Network)

Mit zunehmenden Ansprüchen der Digitalisierung suchen Unternehmen nach Möglichkeiten, den steigenden Kostendruck zu bewältigen, ohne auf die Kontrolle über ihre eigene Hardware verzichten zu müssen. Als Brücke zwischen eigener IT und der Cloud haben sich hier Co-Location-Rechenzentren zunehmend als zukunftsfähige Option etabliert: Sie stellen eine professionelle Infrastruktur bereit, die sich gegen eine planbare monatliche Gebühr nutzen lässt.

Investitionen in Stromversorgung, Kühlung, Unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV), strukturierte Verkabelung oder Zutrittskontrollen entfallen ebenso wie der Betrieb eigener Technikräume oder Trafostationen, die teuer dimensioniert und ausgelastet werden müssten. Besonders in wirtschaftlich angespannten Zeiten hat sich diese Kostentransparenz als strategisch sinnvoller Parameter erwiesen, weil Unternehmen eine skalierbare, sichere Lösung mit hoher bis höchster Verfügbarkeit erhalten, ohne in Vorleistungen gehen zu müssen.

Gleichzeitig sollte die Kontrolle über die Systeme gewährleistet sein. Das ist ein im Vergleich zu einer vollständigen Cloud-Migration häufig genanntes Argument.

Entlastung des IT-Teams

Doch Co-Location entlastet nicht nur das IT-Budget, sondern auch die Menschen, die sie betreuen. Der Betrieb eines eigenen Rechenzentrums erfordert in der Regel hohe personelle Kapazitäten, die in vielen Organisationen heute nicht mehr vorhanden sind, oder anderweitig dringend benötigt werden. Zusätzlich verschärft wird diese Situation durch den anhaltenden Fachkräftemangel im IT-Umfeld.

Co-Location-Anbieter übernehmen deshalb neben der Bereitstellung der Infrastruktur oft auch die physische Betreuung der Systeme. Dazu gehören Wartung, Überwachung, Zugangskontrolle und vor allem eine schnelle Reaktionsfähigkeit im Störungsfall.

Beispiel für eine Rechenzentrumsfläche bei der Noris Network AG(Bild:  Noris Network AG)
Beispiel für eine Rechenzentrumsfläche bei der Noris Network AG
(Bild: Noris Network AG)

Die Konsequenz: Das interne IT-Team kann sich auf Kernaufgaben fokussieren, etwa die Neu- oder Weiterentwicklung von Anwendungen beziehungsweise Optimierung digitaler Geschäftsprozesse, anstatt Arbeit in die Verwaltung von Betriebstechnik investieren zu müssen.

Entscheidungskriterien Sicherheit und Compliance

Ein deutliches Plus bringt Co-Location vor allem aber, wenn es um die physische Sicherheit geht. Professionelle Rechenzentrumsanbieter und IT-Dienstleister verfügen dafür in der Regel über mehrstufige Zutrittskontrollen, redundante Stromversorgungen, moderne Brandfrüherkennungssysteme und Notfallpläne, die selbst im Katastrophenfall den Betrieb sicherstellen. Um ähnliche Sicherheitsniveaus erreichen zu können, müssten Unternehmen, die eigene Serverräume betreiben, hohe Summen investieren. Und sie sind dann dennoch oft schlechter aufgestellt als die outsourcende Konkurrenz.

Gerade in regulierten Branchen wie dem Finanzwesen oder Gesundheitssektor spielt hier der Zusammenhang zwischen Compliance und zertifizierte Sicherheit eine zentrale Rolle. Denn: Wenngleich Co-Location-Betreiber keine Daten im Sinne von Datenschutz oder DSGVO verarbeiten – die Verantwortung bleibt beim Kunden –, sind der physische Schutz der Hardware und eine dokumentierte Infrastruktur mit standardisierten Sicherheitsmaßnahmen nach ISO 27001 oder EN 50600 oft ausschlaggebend für die Entscheidung pro Co-Location. Aber auch ISO/IEC 20000-1 für ein effektives IT-Service-Management, das Framework ITIL und der BSI IT-Grundschutz spielen hier eine entscheidende Rolle.

Colocation 4.0

Die Unternehmens-IT will sich für die Zeit nach der Pandemie breiter aufstellen – zur Abwechslung diesmal auf der regionalen Landkarte. Der „Initialzünder“ der Turbo-Digitalisierung hat eine Dezentralisierung von Arbeitslasten angestoßen.

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Ein weiterer entscheidender Vorsprung für Co-Location-Kunden liegt in der hohen Skalierbarkeit: Anders als unternehmenseigene Rechenzentren, deren physische und infrastrukturelle Grenzen oft schon durch Bauverordnungen limitiert sind, lassen sich Co-Location-Kapazitäten jederzeit bedarfsgerecht und flexibel anpassen, sowohl nach oben als auch nach unten.

Unternehmen können so je nach Anforderung von einzelnen Höheneinheiten bis hin zu individuell konzipierten Cages mit eigener Zugangskontrolle und Sicherheitstechnik skalieren. Diese Flexibilität ermöglicht es, die IT-Infrastruktur ohne kosten- und zeitintensive Neubauten im Takt mit dem tatsächlichen Geschäftswachstum weiterzuentwickeln.

Kurzfristige Lastspitzen lassen sich effizient auffangen, geplante Migrationen vorbereiten oder neue digitale Services integrieren. Das sind Fakten, weshalb Co-Location gerade bei mittelständischen Unternehmen und Konzernen mit sensiblen Datenbeständen eine Renaissance erlebt.

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Nachhaltigkeit im Blick

Ein zunehmend relevanter Aspekt: die Nachhaltigkeit. Unternehmen stehen mehr denn je unter Druck, ihre CO₂-Bilanz zu verbessern und ESG-Ziele zu erreichen. Moderne Rechenzentren müssen deshalb nicht nur effizient arbeiten, sondern auch transparent über ihre Energieversorgung und -verwertung berichten. Dazu gehören Maßnahmen wie energieeffiziente Kühltechnologien, der Bezug von Ökostrom und eine kontinuierliche Optimierung des PUE-Wertes (Power Usage Effectiveness). Damit tragen Anbieter nicht nur zur Kostenreduktion bei, sondern positionieren sich auch als verantwortungsvolle Partner für eine nachhaltige digitale Infrastruktur. Dass die Integration von ESG-Kriterien in die strategische Ausrichtung von Rechenzentren längst kein optionales Ziel mehr ist, untermauern auch regulatorische Vorgaben wie das Energieeffizienzgesetz (EnEfG). Ab dem Jahr 2030 darf es laut EnEfG keine Rechenzentren mehr geben, die einen schlechteren PUE-Wert als 1,3 aufweisen.

Fest steht: Co-Location ist weit mehr als ein „Stellplatz für Server“ – sie ist ein strategischer Hebel für die Unternehmensführung geworden, um Effizienz, Sicherheit und Skalierbarkeit in Einklang mit den Geschäftszielen zu bringen. Dafür kombinieren viele Unternehmen heute sogar Cloud-Services mit Colocation-Infrastrukturen, um das Beste aus beiden Welten zu vereinen: Flexibilität und Skalierbarkeit auf der einen, absolute Kontrolle und Sicherheit auf der anderen Seite.

*Der Autor
Michael Lang ist Market Development Manager bei der Noris Network AG.

Bildquelle: Noris Network AG

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