Cloud, nicht Cloud, was in die Cloud, was nicht, Multicloud, Hybrid Cloud, FinOps, CloudOps ….. Im Gespräch mit Ulrike Ostler, Chefredakteurin von DataCenter-Insider, dröselt Uwe Müller, Manager bei Cisco das Cloud-Gewirr auf. Die Grundlage des Gesprächs, das als „DataCenter-Diaries“-Podcast #10 zur Verfügung steht, sind Untersuchungen von IDC zum Themenfeld.
Gesprächspartner Uwe Müller von Cisco vergleicht 'CloudOps' mit einem Navigationsgerät, das Benutzer:innen hilft, sich in Multiclouds zurechtzufinden.
(Bild: killykoon - stock.adobe.com)
Die Analysten von IDC sprachen von einer Zeit, in der Unternehmen zu einer Modifikation und Neujustierung ihrer Wertschöpfungskette gezwungen sind. „Somit überrascht es nicht, dass 33 Prozent der Unternehmen auf Basis der Cloud die Digitalisierung aller Geschäftsprozesse umsetzen möchten“, heißt es in einer aktuellen Untersuchung, die die Marktforscher für Cisco erstellt haben.
Das Aber kommt jedoch gleich hinterher: „Aus Sicht von IDC ist das mit Blick auf die zu bewältigenden Anforderungen ein zu geringer Anteil.“ Zwar hätten die Unternehmen das Potenzial der Cloud und der damit verbundenen Anwendungsmodernisierung erkannt, doch im Wesentlichen finden sie sich nicht wirklich zurecht. Dazu kommt, dass nur 5 Prozent aller Unternehmen komplett auf Public Cloud gesetzt haben.
Zugleich hat sich in den Beweggründen nicht so viel getan, wie sich vermuten ließe. So sei nach wie vor für das Gros eine Anwendungsmodernisierung auf Basis der Cloud eine Frage der Kostenoptimierung – derzeit für rund zwei Drittel der Unternehmen und nur zu jeweils 24 Prozent spielen das kontinuierliche Vorantreiben von Innovation und eine höhere geschäftliche Agilität sowie und Flexibilität die Hauptrollen.
Über Uwe Müller Uwe Müller, seit 1999 im Unternehmen Csico beschäftigt, zunächst als System Ingenieur. Doch nach verschiedenen Management-Funktionen hat er seit 2006 als Engineering Leader die Gesamtverantwortung für den Fachvertrieb Cloud-Infrastructure und Software inne. Cisco deckt viele Bereiche des Cloud Computing ab, von Security bis Communications von integrierten Servern und Netzwerk-Equipment für Rechenzentren bis hin zu End-User-Devices. Das Unternehmen bietet somit eine technische Plattform für das Multicloud-Business, von der Hardware inklusiver eigener Chips bis hin zu Open Source für die Cloud-Native Community. Müller ist bekannt für seine Technikbegeisterung, für sein fachliches Know-how und die Fähigkeit, den Überblick zu behalten.
Bildquelle: Cisco
Die Marke 5 Prozent ist doch der Hammer. IDC folgert, dass mehr Unternehmen in die Cloud migrieren müssen. Was halten Sie davon?
Uwe Müller: Ich stimme mit IDC überein: Der Trend zur Cloud ist unumkehrbar. Unseren eigenen Untersuchungen zufolge haben das rund 60 Prozent aus dem ein- oder anderen Grund schon getan. Allerdings bedeutet das nicht, und das ist anders als einst vermutet, dass sie ihre eignen Rechenzentren schließen. Im Gegenteil: Die verbliebenen Rechenzentren werden größer -vielleicht in der Anzahl kleiner.
Das mag stimmen oder auch nicht: Was in jedem Fall sehr viel mehr wird, ist das so genannte Edge Computing, was bedeutet, dass die Kunden näher an dem Ort rechnen und rechnen wollen, wo die Daten entstehen. In der Konsequenz erleben wir, das Hybrid-Systeme entstehen, allerdings nicht immer bei dem Kunden selbst.
Die Hyperscaler versuchen, mit eigenen Stacks in die Enterprise-Rechenzentren vorzudringen, eventuell auch, um an dem Edge-Business zu partizipieren. Finden Anwenderunternehmen damit einen Königsweg, um etwaige Gräben zwischen der Enterprise-IT und den Cloud-Welten zu überwinden?
Die Welt ist bunt und es gibt viele Hersteller, die von der privaten Seite herkommen und Angebote kreieren, die beide Seiten verbindet. Natürlich sind da auch sehr einseitige, proprietäre Lösungen dabei. Aber Multicloud sagt ja schon, dass viele Unternehmen eine solche Abhängigkeit nicht wünschen.
Ist Cloud-Native die Universal-Lösung?
Uwe Müller: Jetzt sind wir erneut bei den Motiven, in die Cloud zu gehen. Denn eine Absicht besteht sicher darin, schnelle, agile Applikationen zu entwickeln. Den Unterbau bieten Container-basierte Systeme. Andererseits wollen nicht alle selbst erstellen, sondern fertige Services konsumieren.
Derzeit ist die ‚Sovereign Cloud‘ ein beliebtes Schlagwort und oftmals wird Datenhoheit mit -sicherheit verwechselt. Können Sie diese Souveränität einmal definieren?
Uwe Müller: Da fallen mir verschiedene Stichworte ein: Daten und Sourcecode behalten, zu kapseln zum Beispiel genauso wie GaiaX. Letztlich muss ich mir als Anwendungsunternehmen auch die Provider anschauen, die mir souveräne Systeme beziehungsweise Services anbieten, etwa die Anbieter aus den USA. Es ist zum Beispiel für öffentliche Träger wichtig, dass die Daten im eigenen Land oder zumindest in Europa bleiben, für andere vielleicht nicht. Es gibt da nicht die eine Definition.
Laut IDC ist es für Unternehmen entscheidend, im Cloud-Betrieb umfassende Transparenz, Kontrolle und Prozesse zu etablieren, um etwa überhaupt Potenzial für Kostenoptimierungen zu identifizieren. Tatsächlich seien bereits in 56 Prozent der befragten Unternehmen Cloud-Kosten-Management-Tools der Cloud-Anbieter im Einsatz. Dabei stünden zwei wesentliche Punkte im Mittelpunkt: Das sind zum einen die absoluten Cloud-Kosten und zum anderen die Kosten der Cloud und ihr Beitrag zum Unternehmenserfolg. „Beides sind kritische Kennzahlen“, so IDC.
Die Schlagwörter in diesem Zusammenhang lauten DataOps, CloudOps und FinOps. Laut IDC haben sie in relativ kurzer Zeit in Unternehmen in Deutschland Einzug gehalten – zu 21 Prozent, 19 Prozent und 16 Prozent.
DataOps und FinOps habe ich schon gehört, aber CloudOps. Was bedeuten diese Begriffe?
Uwe Müller: Bei DataOps geht es zunächst darum zu wissen, wo meine Daten sind und an welcher Stelle im Gesamtsystem ich sie brauche und zu welchem Sicherheitslevel. CloudOps ist ein schöner, sehr schöner Begriff. Damit verbinde ich eine Art Navi in der Cloud, durch die Cloud-Angebote. Ich freue mich auf eine Zukunft, in der wir quasi Navi-unterstützt Überprovisionierung und Datenüberhang umschiffen können, immerhin werden 90 Prozent der Daten nicht einmal mehr angeschaut. Wir könnten mit den Daten ressourcenschonender umgehen.
Stand: 08.12.2025
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An dieser Stelle bin ich mit der IDC-Aussage nicht einverstanden, die ungefähr lautet: Aus einer Energie- und Nachhaltigkeitsperspektive ließen sich infrastrukturseitig mithilfe eines professionellen und Energie-optimierten Rechenzentrumsbetriebs durch Cloud-Provider Skalierungs- und Technologievorteile erzielen. Zugeschrieben wird der Cloud: „nachhaltige Geschäftsprozesse, eine höhere Materialauslastung und einen geringeren Ressourcenverbrauch“. Vergleichbare Kennzahlen gibt es nämlich nicht.
Uwe Müller: Da würde ich mich gar nicht als Schiedsrichter einmischen wollen, sondern eher im Hubschrauber eine Etage höher fliegen. Eventuell können große Provider ihre Infrastruktur besser ausnutzen, aber es ist niemand da, der das überprüft. Letztlich bin ich davon überzeugt, dass jeder Nachhaltigkeitsziele verfolgen muss. Dazu gehört auch eine Strategie für jedes Unternehmen.
Laut IDC steht aktuell für 45 Prozent der Befragten eine größere Transparenz über Nachhaltigkeits Kennzahlen auf der Agenda und für 42 Prozent stehen nachhaltigere Anwendungen und Services für effizientere Abläufe auf der Tagesordnung. Das ist nicht einmal die Hälfte der befragten Unternehmen.