Die Blockchain motiviert wie kaum eine andere innovative Technologie der letzten Jahre die Entwicklungen in der IT-Branche. Viele Experten sehen in der Monetarisierung die größte Herausforderung. Welche Geschäftsmodelle zeichnen sich bereits ab?
Experten sehen ein großes Potenzial für neue Anwendungen und Geschäftsmodelle. Nicht wenige ziehen sogar Parallelen zum Internet-Boom der 1990er Jahre. Für die Unternehmen ist es daher entscheidend, nicht den richtigen Zeitpunkt zu verpassen, um die Blockchain-Technologie für ihre Geschäfte zu nutzen.
Der Digitalverband Bitkom vermeldet, dass der Einsatz der Blockchain gegenwärtig nicht am Reifegrad der Technologie oder an den zu hohen Investitionskosten scheitern würde, sondern an den fehlenden klar umrissenen Geschäftsmodellen als auch Expertisen für die Implementierung. Zudem soll die Verwirrung um die verschiedenen Blockchain-Technologien den unsicheren Umgang mit Blockchain-Projekten verschärfen.
Für fast 90 Prozent der Unternehmen gehören fehlende Use Cases und Ansätze der Monetarisierung zu den größten Herausforderungen. An zweiter Stelle, so gaben knapp 90 Prozent der Befragten an, steht das fehlende qualifizierte Personal.
Potenziale in der Praxis
Eine abwartende Haltung kann im Hinblick auf die Blockchain durchaus Gefahren für das Unternehmen hervorrufen. Denn überraschend viele Branchen könnten von der Blockchain-Technologie profitieren. Hinzu kommt, dass Kunden und Verbraucher mehr Transparenz innerhalb der Lieferketten fordern. Letztlich sollten sogar einzelne Produkte wie zum Beispiel Lebensmittel oder Medikamente in jeder Phase auf eine einwandfreie Qualität überprüfbar sein.
Ist es den Unternehmen möglich, zweifelsfrei nachzuweisen, dass ein Produkt beispielsweise absolut ökologisch hergestellt wurde, sind Verbraucher häufig auch bereit, einen höheren Preis zu bezahlen. Die Blockchain ist dazu in der Lage, lückenlos zu belegen, woher zum Beispiel die Materialien oder die Inhaltsstoffe stammen und welche Partner innerhalb der Lieferkette agieren.
Damit kann die Blockchain wesentlich dazu beitragen, neue Kunden zu akquirieren sowie Wettbewerbsvorteile auszuschöpfen. Hervorzuheben sind insbesondere die Vereinfachungen bei den Prozessen im Fracht-, Flotten- und Logistikmanagement. Das heißt, Hersteller und Logistiker können sofort Transport- und Zolldokumente untereinander austauschen. Gleichzeitig ist für alle Berechtigten jederzeit der Status einer Sendung abrufbar.
Entwicklung eines Geschäftsmodells
Beim Aufsetzen von Blockchain-Projekten sollte immer vorab geprüft werden, welche Vorteile die Technologie im Einzelfall bietet. Ebenfalls hinsichtlich der Fälschungssicherheit sollte nicht leichtfertig verfahren werden. Diese gilt nur dann, wenn auch die technische Peripherie und die Teilnehmer die entsprechenden Standards einhalten.
Partner und Kooperationen
Die Blockchain setzt den Handel sowie weitere Kooperationen zwischen Unternehmen auf eine neue Basis. Vor allem in komplexen Geschäftsfeldern wie den internationalen Kooperationen großer Konzerne oder Handelsunternehmen ist diese Technologie interessant. Denn die Überwachung von Verträgen ist nicht nur sehr zeitraubend, sondern auch sehr kostenintensiv. Wenn Verträge auf ihre Einhaltung hin automatisiert überwacht werden, laufen solche Transaktionen deutlich schneller ab.
Kühlkette überwachen
Die Blockchain eignet sich häufig für den Fall, wenn Einzelnachweise erbracht werden sollen. So kann mit der Blockchain in den Wertschöpfungsketten der Lebensmittelindustrie eine lückenlose Kühlkette oder die Herkunft von Nahrungsmitteln dokumentiert und belegt werden.
Das bedeutet, dass Hersteller, Logistiker und Lebensmitteleinzelhändler auf diese Weise minderwertige oder verdorbene Produkte frühzeitig aus der Lieferkette entfernen können, bevor sie in die Regale kommen. Darüber hinaus erlaubt eine lückenlose Dokumentation die Identifikation von Temperatur-Schwankungen, was wiederum dazu beiträgt, die Anzahl der verdorbenen Lebensmittel zu minimieren und die Kosten zu senken.
Digitale Besitzrechte
In der nicht-digitalen Welt ist es im Grunde einfach, physische Objekte eindeutig einem Besitzer zuzuordnen. Schwieriger ist es in der digitalen Welt. Manche Produkte verbreiten sich im Internet fast ungehindert. Kostenlos natürlich. Dies führt zu großen Verlusten bei Herstellern oder Künstlern. Eine Blockchain könnte für einen breiten Markt die Sicherung der Nutzungsrechte übernehmen und für Services Geld verlangen. Das heißt, ein einfaches und skalierbares Geschäftsmodell mit wiederkehrenden Kunden.
Auf der anderen Seite gibt es Probleme, die physische Welt mit der der digitalen Welt der Blockchain zu verknüpfen. Die Lösung ist eine „Tokenisierung“ der Gegenstände aus der physischen Welt. Damit erhält jeder autorisierte Kunde Einsicht in den Herstellungsprozess und zudem lassen sich die Produkte vor Diebstahl schützen. Die digitale Identifikation umfasst drei Teile: der digitale Fingerabdruck, die Datenknoten-Informationen und den Token „Handelsvereinbarungen“.
Stand: 08.12.2025
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Wenn beispielsweise ein Produkt, das in die Blockchain abgelegt wurde, veräußert werden soll, so muss nur die digitale Identifikation übertragen werden, und der neue Besitzer ist in der Lage, das Produkt in seinen Besitz zu nehmen. Wenn das Produkt jedoch gestohlen werden würde, fiele durch die Tokenisierung beim illegalen Weiterverkauf sofort auf, dass es sich um ein gestohlenes Produkt handelt.
Produktfälschungen verhindern
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist der Auffassung, dass rund 30 Prozent aller Medikamente Fälschungen sind. Dazu entwickelte Tata Consultancy Services (TCS) mit „Secure Pharma Transfer“ eine Lösung auf Basis einer Blockchain. In ihr werden alle Details - manipulationssicher und transparent für alle Partner der Supply Chain - zum Herstellungs- und Vertriebsprozess eines Medikaments abgelegt.
Das heißt, jede Etappe, die ein Medikament durchläuft, wird mithilfe eines Smart Contract in der Blockchain festgehalten. Dies hilft zu vermeiden, dass gefälschte Medikamente in die Apotheke gelangen. Darüber hinaus erspart es den Herstellern, Apotheken und dem Fachhandel lästige Rückrufaktionen und Schadenersatz-Prozesse.
Smart Contracts im Versicherungs- und Finanzwesen
Auf einer Blockchain lassen sich nicht nur Zahlungen und sonstige Transaktionen völlig neu darstellen, sondern auch kostensparend und sicher sensible Informationen abspeichern. Die Blockchain ermöglicht Smart Contracts, das heißt Verträge mit Computer-Protokollen, indem Regeln festgelegt, überwacht und bei Einhaltung der Regeln automatisch vorab definierte Aktionen ausgeführt werden.
Solche sind beispielsweise die Gutschrift einer Zahlung, der rechtsgültige Abschluss eines Vertrages, die Änderung eines Eigentumsverhältnisses, die Vergabe eines Kredits usw. Smart Contracts gestatten individualisierte Verträge oder selbst Ereignisse wie zum Beispiel eine kurzminütige Autofahrt mit geringem Verwaltungsaufwand zu versichern. Das heißt, Peer-to-Peer-Versicherungen oder Policen mit der Möglichkeit zur Direktzahlung bieten ein großes Potenzial für neue Geschäftsmodelle.