Die Automobilindustrie hat längst das Potenzial des Quantencomputing erkannt, wie es Entwicklung, Herstellung und Betrieb von Fahrzeugen revolutionieren kann. Unternehmen wie Toyota, die Volkswagen-Gruppe, Ford Motors, die BMW-Gruppe und Mercedes-Benz sind Partnerschaften mit Quantencomputing-Unternehmen eingegangen, um diese Technologie für verschiedene Anwendungen zu nutzen.
Quantencomputing kann Fahrassistenzsystem schneller, zuverlässiger und sicherer vor Angriffen machen.
(Bild: Vicone)
So planen etwa Automobilhersteller, nach den Erfolgen der Quantentechnologie bei der Entwicklung von Autobatterien oder softwaredefinierten Fahrzeugen (SDV) sowie bei der Optimierung der Konnektivität im Fahrzeugbereich, diese Technologie zunehmend auch bei fortschrittlichen Fahrerassistenzsystemen (ADAS) einzusetzen. Hersteller wie Tesla wollen die Vorteile der Quanten-KI etwa für ihre zukünftige Full Self-Driving (FSD)-Lösung nutzen. Allerdings bedarf es hierfür gewisser Sicherheitssysteme gegen Cyber-Angriffe und vor allem erst einmal einem geschärften Bewusstsein für die Gefahren solcher Attacken.
Automotive Cybersecurity-Experte VicOne zeigt auf, warum die Quantentechnologie wichtig für die Automobilbranche ist, welche Chancen aber auch welche Herausforderungen ihr Einsatz mit sich bringt und wie OEMs sowie Zulieferer sich und ihre Kunden gegen Cyberattacken wappnen können.
ADAS machen Fahrzeuge sicherer
ADAS sollen die Sicherheit von Fahrern erhöhen und das Fahrerlebnis verbessern. Dazu nutzen sie etwa Sensoren, Kameras, Radar und Lidar, um Echtzeitinformationen und Fahrerunterstützung zu liefern. Die Daten speisen Funktionen wie die adaptive Geschwindigkeitsregelung (ACC), die den Abstand zwischen den Fahrzeugen vorausschauend regelt, sowie Spurhalteassistenten, Kollisionswarnung, Erkennung des toten Winkels, Fußgängererkennung und Einparkhilfe.
Der erfolgreiche Einsatz all dieser Funktionen hängt jedoch von zwei Schlüsselkomponenten ab: Sensoren und KI. Fahrzeuge mit ADAS-Technologien benötigen viele Sensoren, um umfassende und vollständige Nutzerdaten über das Auto und seine Umgebung zu liefern. Basierend darauf, unterstützt dann die bordeigene KI oder Cloud-basierte KI eine intelligente Entscheidungsfindung und ermöglicht ein autonomes Fahren.
Quantencomputing für ADAS
Im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugsensoren eröffnen Sensoren mit Quantentechnologie mehr Möglichkeiten für autonome Fahrzeuge. Diese hochmodernen Sensoren befinden sich zwar im Anfangsstadium ihrer Entwicklung, haben aber das Potenzial, ADAS robuster und zuverlässiger zu machen, durch:
Verbesserte Informationserfassung: Die Integration quantenbasierter Sensoren in ADAS kann die Informationserfassung eines Fahrzeugs verbessern. Dank der hohen Empfindlichkeit und Präzision der Sensoren können feine Veränderungen in der Umgebung erkannt werden, zum Beispiel bei der Erkennung von Hindernissen auf der Straße und der Position beziehungsweise Bewegung anderer Fahrzeuge oder Fußgänger, so dass die Systeme früher auf potenzielle Risiken aufmerksam werden können.
Genauere Positionierung und Navigation: Dank der hochpräzisen quantenbasierten Sensoren lassen sich genauere Ortungs- und Navigationsfunktionen erreichen. Dadurch können die Fahrzeugpositionierung, die Aktualisierung von Straßenkarten und die automatische Routenplanung von ADAS verbessert werden, so dass die Fahrzeuge genauer fahren und komplexe Verkehrssituationen besser bewältigen können.
Weniger Fehlalarme und Fehleinschätzungen: Die hohe Empfindlichkeit und das geringe „Grundrauschen“ der Sensoren können dazu beitragen, Fehlalarme und Fehleinschätzungen in ADAS zu reduzieren. Durch die Verwendung präziser Daten können die Systeme echte Gefahrensituationen besser von anderen, harmlosen Ereignissen unterscheiden, was die Zuverlässigkeit und Leistung der ADAS erhöht.
Verbesserte Lernfähigkeit und Selbstoptimierung: Durch die Kombination quantenbasierter Sensoren mit den intelligenten Lernfunktionen von ADAS kann eine verbesserte Selbstoptimierung erreicht werden. Die Systeme können ihr Verhalten und ihre Entscheidungsfindung dank der Sensordaten verbessern und so ihre Leistung und Anpassungsfähigkeit kontinuierlich steigern.
Zur Bereitstellung der KI-Funktionen benötigen ADAS allerdings eine erhebliche Rechenleistung, wie sie etwa die „Tesla Model 3 Highland“-Version mit 720 Billionen Operationen pro Sekunde (Tops) bietet. Neben CPU- und GPU-Verbesserungen zur Leistungssteigerung haben auch NPUs (Neural Processing Units) in letzter Zeit einen Aufschwung erlebt. Außerdem gelten QPUs (Quantum Processing Units) als die Stars der Zukunft und versprechen eine höhere Rechenleistung für den Einsatz im Auto.
Aber Quantencomputer bieten nicht nur eine hohe Rechenleistung in Fahrzeugen, sondern können auch eine noch größere, bessere und stabilere Rechenleistung in der Cloud bieten. Es ist nicht verwunderlich, dass IBM im vergangenen Jahr sein erstes Quantenrechenzentrum in Europa eröffnet hat.
Herausforderungen beim Quantencomputing
In dem Maße, in dem die Quantencomputertechnologie breite Anwendung in autonomen Fahrzeugen findet, entstehen jedoch auch Bedenken hinsichtlich einer möglichen Unterbrechung von Quantenberechnungen oder Beeinträchtigung von Quantencomputer-Operationen, was zu Sicherheitsrisiken führen kann, ganz zu schweigen von Risiken für Menschenleben. Das Hauptrisiko ist die so genannte Quanten-Dekohärenz. Der Kern, der in Quantencomputern für die hohe Rechenleistung sorgt, kann gestört werden.
Mögliche Störungsquellen beziehungsweise auch negative Folgen sind:
Dekohärenz aufgrund von Wechselwirkungen mit der Umwelt: Wechselwirkungen mit der Umgebung, wie thermische Fluktuationen, elektromagnetische Felder, Hintergrundstrahlung oder andere Formen von „Rauschen“, können zu Dekohärenz führen. Dies geschieht in der Regel, wenn ein Quantensystem mit seiner Umgebung verschränkt wird und dadurch seine Kohärenz verliert.
Streuung und Kollisionen: Wechselwirkungen mit anderen Teilchen, wie Streuungen oder Kollisionen, können Phasenverschiebungen oder Veränderungen des Quantenzustands verursachen, was zu Dekohärenz führt.
Unvollkommene Steuerung und Messung: Ungenauigkeiten bei der Steuerung oder Messung von Quantensystemen können Fehler verursachen und die Kohärenz stören. Dazu gehören Fehler bei Gatteroperationen, unvollkommene Messungen oder Limitierungen der Versuchsgeräte.
Geometrische Phasen und topologische Effekte: Während geometrische Phasen und topologische Effekte zu einer Robustheit gegenüber bestimmten Arten von Dekohärenzmechanismen führen können, können bestimmte geometrische Phasen auch anfällig für bestimmte Störungen sein.
Verlust der Verschränkung: Die Verschränkung mit anderen Systemen kann ein Quantensystem vor Dekohärenz schützen. Der Verlust oder die Verschlechterung der Verschränkung aufgrund von Wechselwirkungen mit der Umgebung kann jedoch zu einem Zusammenbruch der Kohärenz im Quantensystem führen.
Angesichts dieser Herausforderungen sind das Verständnis für mögliche Folgen von Cyberattacken und die Verhinderung oder Abschwächung dieser Störungen von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung und die praktische Umsetzung von quantenbasierten Technologien, insbesondere in ADAS.
*Der Autor Ziv Chang ist Vice President des Automotive Cyber Threat Research Lab bei Vicone. Er fasst zusammen: Die immense Rechenleistung und die präzise Datenerfassung, die die Quantentechnologie bietet, stellen die notwendigen Ressourcen für den Betrieb von ADAS bereit. Es ist zu erwarten, dass die Integration der Quantentechnologie in ADAS-Anwendungen nicht nur zum Mainstream wird, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf die Automobilindustrie haben wird.
Einem Bericht von McKinsey zufolge wird diese bahnbrechende Technologie der Automobilindustrie bis 2030 zwischen 2 und 3 Milliarden Dollar einbringen.
Während die Automobilindustrie die Quantentechnologie begierig aufnimmt, ist es jedoch zwingend erforderlich, die mit der Quantentechnologie verbundenen Risiken im Auge zu behalten und Strategien zur Risikominderung zu implementieren, um die Sicherheit der Fahrzeuge und Fahrer zu gewährleisten.
Bildquelle: Vicone
(ID:50035859)
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.