Fujitsu Experience Days 2023 Auch bei Fujitsu wird KI allgegenwärtig

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger 5 min Lesedauer

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Wie bei fast allen Unternehmensveranstaltungen derzeit haben auch im Zentrum der „Fujitsu Experience Days“ in München die Themen KI und Digitalisierung gestanden. Eine interessante Neuigkeit gibt es für SAP-Kunden.

Fujitsu sieht in transparenter und ethischer Künstlicher Intelligenz einen Investitionsschwerpunkt der kommenden Jahre.(Bild:  Fujitsu/Rüdiger)
Fujitsu sieht in transparenter und ethischer Künstlicher Intelligenz einen Investitionsschwerpunkt der kommenden Jahre.
(Bild: Fujitsu/Rüdiger)

Fujitsu hatte seine Gäste bei glühender Hitze in die kühlen Eisbach-Studios bestellt. Dort informierte das Unternehmen anlässlich der diesjährigen Experience Days zusammen mit Partner Intel und anderen über neue Trends. Die Keynote am ersten Veranstaltungstag hat Louis Garnier, der das Plattform-Geschäft im deutschsprachigen Raum verantwortet, gehalten. Er hat sich einem Streifzug durch die Gemengelage gewidmet, in der sich die Wirtschaft angesichts der Digitalisierung befindet.

Synergie durch digitale Nachhaltigkeits-Initiativen

Dabei hat Garnier betont, dass Digitalisierung es möglich mache, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit synergistisch anzustreben. Denn sieben von zehn Kunden wollten nachhaltige Produkte und Lösungen, ohne dadurch ihren wirtschaftlichen Erfolg zu verlieren.

Hier böten geschickte digitale Lösungen die Chance auf einen Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig würden auch die Kunden zufriedener.

Zweites großes Thema sei die gesellschaftliche Akzeptanz der Digitalisierung. In dieser Hinsicht falle Deutschland weiter zurück, sagte Garnier und präsentierte entsprechende Daten einer breit angelegten Studie.

Demzufolge ist Deutschland bei der internationalen Wettbewerbsfähigkeit auf Platz 19 zurückgefallen. Platz 1 hat Dänemark, auf Platz 2 finden sich die USA, China ist Fünfter und Österreich immerhin auf Rang 18.

Mehr Speed bei allen wirtschaftlichen Vorgängen

Das liege an zu wenig Digitalisierung und diese habe mit der gesamten Herangehensweise hierzulande zu tun. Man hinterfrage lieber als einfach zu machen. Dies sei eine gesellschaftliche Verfasstheit, die sich nicht auf Zuruf ändern lasse, sondern die man in seine Argumentation mit einbeziehen müsse.

"Technologieskepsis in Deutschland ist gesellschaftliche Haltung, mit der man rechnen muss", sagt Louis Garnier, verantwortlich für Fujitsus Plattform-Geschäft im deutschsprachigen Raum, im Gespräch mit Datacenter-Insider.(Bild:  Rüdiger)
"Technologieskepsis in Deutschland ist gesellschaftliche Haltung, mit der man rechnen muss", sagt Louis Garnier, verantwortlich für Fujitsus Plattform-Geschäft im deutschsprachigen Raum, im Gespräch mit Datacenter-Insider.
(Bild: Rüdiger)

Die Geschwindigkeit der Digitalisierung und ihrer Einflüsse auf die Wirtschaft schreite aber unbegrenzt voran. So habe Netflix noch dreieinhalb Jahre gebraucht, um eine Million Kunden zu finden, OpenAI mit „ChatGPT“ gerade fünf Tage. Bei solchen Geschwindigkeiten könne man die Relevanz von Geschäftsmodellen innerhalb von Tagen validieren.

Unbegründet sei die Angst vor der KI. Der heutige Fujitsu Fellow Emeritus und ehemalige Technologiechef Joseph Reger hat am Beispiel der Tiererkennung klargemacht, wie weit es heute mit der KI im Vergleich zur menschlichen Intelligenz stehe: Eine nicht vortrainierte KI brauche mehrere Millionen Bilder Input bis sie beispielsweise eine Katze sicher erkenne – ein Kind verinnerliche das Konzept „Katze“ schon nach wenigen Begegnungen mit diesen Tieren.

Mehr Leistung verspreche die Verbindung zwischen KI und Quantencomputing. Fujitsu setzt hier vorläufig auf den Digital Annealer, der mit digitalen Mechanismen Quantenberechnungen simuliert. Das Gerät kommt beispielsweise zusammen mit KI im Hamburger Hafen zum Einsatz, wo die Logistik optimiert wird. Resultat sind unter anderem 20 Prozent weniger Emissionen.

KI-Transparenz noch mangelhaft

Allerdings, so Garnier, gebe es durchaus Bereiche, wo noch gearbeitet werden müsse. Bedrohlich sei es etwa, dass mit KI unterfütterte Angriffe im Darknet entwickelt und mit industriellen Methoden vertrieben würden. Hier müsse die Sicherheitssoftware aufholen.

Weiter fehle es derzeit noch an Transparenz über den Weg, auf dem eine KI zu ihrer Entscheidung gekommen ist. Deshalb investiere Fujitsu zwei Milliarden Euro in „Trustworthy Explainable AI“, so Markus Seifart, bei Fujitsu Head of Consulting Infrastructure Solutions.

Viele japanische Firmen investieren viel in KI, in Summe überbieten sie die Investitionen von Microsoft und IBM. Siemens findet sich auf Platz 11.(Bild:  Fujitsu/Rüdiger)
Viele japanische Firmen investieren viel in KI, in Summe überbieten sie die Investitionen von Microsoft und IBM. Siemens findet sich auf Platz 11.
(Bild: Fujitsu/Rüdiger)

Entstehen sollen Frameworks und Tools für die Rückverfolgbarkeit von AI-Entscheidungen. Außerdem sollen die Werkzeuge helfen, ethische Verhaltensweisen der AI sicherzustellen. Solche Mechanismen sollen beispielsweise verhindern, dass marginalisierte Gruppen (Frauen, Migranten, Schwarze….) selektiv benachteiligt werden.

Dazu, wie Anwender KI sehen, präsentierte Garnier Zahlen. Größte Falle sei mit 71 Prozent Nennungen die Datenqualität, 59 Prozent benennen Data Science, 44 Prozent Kultur und Organisation und 42 Prozent die zu knappen Budgets.

Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten

Fujitsu nennt auch weitere Beispiele für den KI-Einsatz bei seinen Kunden. Beispielsweise wird damit am Nürburgring die Rennsicherheit erhöht. Mit der österreichischen Asfinag arbeitet Fujitsu an der Optimierung der Standorte von Ladesäulen. Bei der Bank BBVA realisierte Fujitsu eine Predictive-Maintenance-Lösung, die den Ausfall von Bankautomaten zu 98 Prozent richtig prognostiziert und damit vorbeugendes Eingreifen ermöglicht.

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In einem EU-Projekt mit Fujitsu-Beteiligung geht es um AI-Frameworks zur Analyse von Bewegungsmustern auf öffentlichen Plätzen. Sie sollen auffällige Entwicklungen so schnell erkennen, dass es möglich ist, einzugreifen, bevor Gefährdungssituationen bei Open-Air-Konzerten, und Demos beispielsweise eskalieren.

Interessante Storage-Kundenprojekte

Wer sich mit KI beschäftigt, kommt um das Thema Daten nicht herum. Hier hat Fujitsu wenig Neues im Gepäck gehabt, aber immerhin versprochen, dass das gesamte Storage-Portfolio abgesehen von bereits durchgeführten Bereinigungen weiter fortgeführt und verbessert werde. Auch die bisherigen Partnerschaften, etwa mit Netapp oder Qumulo, sollen wohl weiterlaufen.

Außerdem berichteten Stefan Roth, fürs Speichergeschäft in Zentraleuropa verantwortlich, und René Hübel, Head of Technical Competence Center Europe bei Fujitsu, über einige interessante Kundenprojekte: Für einen Polizei-Kunden wurde eine digitale Asservatenkammer mittels „Eternus CS 8000“ plus Tape-Auslagerung errichtet. Im Bezirkskrankenhaus Kufstein gelang es, die bis dahin oft hängenden visuellen Anwendungen zur Zufriedenheit der Ärzte zu beschleunigen.

Inspektion und optimale Platzierung von SAP

Besonders wichtig ist für Fujitsu schon lange das SAP-Geschäft. Hier arbeitet man mit der in diesem Sektor weltweit renommierten Universität Magdeburg zusammen.

Schon etwas länger gibt es den gemeinsam entwickelten „System Inspection Service“. Er vermisst innerhalb von vier Wochen bis mehreren Monaten im Detail eine bestehende Kunden-SAP-Landschaft und gibt am Ende detaillierte, datenbasierte, KI-gestützte Hinweise zu ihrer Verbesserung (siehe auch das aufgezeichnete Webinar: „Mit genetischer Optimierung zur hybriden Cloud für SAP, Wie Charles Darwin Ihre SAP-Betriebskosten minimiert“.

Wohin mit welcher SAP-Instanz? Diese Frage beantwortet der neue, mit der Uni Magdeburg entwickelte Service „Best Place“.(Bild:  Fujitsu/Rüdiger)
Wohin mit welcher SAP-Instanz? Diese Frage beantwortet der neue, mit der Uni Magdeburg entwickelte Service „Best Place“.
(Bild: Fujitsu/Rüdiger)

Recht neu im Portfolio ist seit etwa Jahresende 2022 der Service „Best Place“. Auch hier war die Universität Magdeburg mit von der Partie. Ziel ist, eine SAP-Installation optimal auf On Premises, Hybrid Cloud oder Cloud Only zu verteilen und jeweils optimal zu konfigurieren.

Das bedeutet bei Cloud-Ressourcen, dass sowohl die Vorbestellung als auch On-Demand-Ressourcen als Alternativen einbezogen werden. Auch der Netzverkehr fließt in die Kalkulation ein.

SAP-Evolution im Zeitraffer

Kunden erarbeiten zunächst ihre SAP-bezogenen Ziele und Indikatoren, etwa im Bereich Sicherheit, Skalierbarkeit, Strategie oder TCO. Anschließend durchläuft wird die SAP-IT als DNA-Strang konfiguriert und durchläuft genetische AI-Algorithmen.

Am Ende der algorithmischen Evolution, die Millionen von Alternativen bewertet, benennt das System die drei besten Alternativen bezüglich der Kundenziele. Bei hybriden Vorschlägen beschreibt bei hybriden Lösungen auch gleich, wo welche Komponenten der SAP-Infrastruktur am besten platziert werden und ob dies auf vorbestellten oder On-Demand-Ressourcen geschehen sollte.

Dabei treten oft Kostenunterschiede vom Zwei-bis Dreifachen zwischen einer hybriden und einer reinen Cloud-Installation zu Tage. Bereits erfolgreich eingesetzt hat die Lösung beispielsweise der Kunststoffverarbeiter Rehau.

Fujitsu ist überzeugt, dass schon in einigen Jahren die meisten CIOs der größten Unternehmen weltweit solche datenbasierten Lösungen verwenden werden, wenn sie ihre SAP-Workloads platzieren.

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