Algorithmen sind in aller Munde, doch in der Tiermedizin finden sie bisher kaum Anwendung. Dabei bieten sie enormes Potenzial, die Gesundheitsvorsorge individuell auf jedes Tier abzustimmen. Die Funktion „Rex-Care Plans“der Plattform „Rex-App“ setzt genau hier an.
Der Neuköllner Satrup Rex statet seine digitale Plattform für Haustierbesitzer mit KI-Algorithmen aus.
(Bild: Rex)
Die App dient bereits als elektronische Patientenakte und bietet Tierbesitzern Einblicke in die Gesundheitsgeschichte ihrer Haustiere. Mit den Care Plans wird der Funktionsumfang erweitert: Algorithmen analysieren Gesundheitsdaten, wie Tierarztberichte oder Patientenhistorien, und erstellen präzise Empfehlungen für Vorsorgeuntersuchungen. So wird die Digitalisierung genutzt, um personalisierte Prognosen zu ermöglichen und Krankheiten frühzeitig zu erkennen.
Mit der wachsenden Anzahl an Haustieren weltweit schreiten auch technologische Fortschritte in der Tiermedizin zügig voran. Un es ist ein riesiger Markt. Ein aktueller Bericht prognostiziert, dass dieser bis 2032 auf 59,83 Milliarden Dollar wachsen wird – mit einer jährlichen Wachstumsrate von fünf Prozent.
Insbesondere personalisierte Leistungen sind im Trend. In Deutschland sieht die Realität jedoch oft noch anders aus. Viele Tierarztpraxen arbeiten überwiegend analog und versenden höchstens einmal im Jahr eine Postkarte zur Impferinnerung.
Nachhinken in Deutschland
Das entspricht nicht mehr den Erwartungen moderner Tierbesitzer, die zunehmend aus den Generationen Millennials und Gen Z kommen. Diese Gruppen wünschen sich digitale Lösungen und automatisierte Angebote.
Diesen Trend haben wir früh erkannt und von Anfang an digitale Technologien integriert. Unser Ziel war es, Tierbesitzern ein Tool zur Verfügung zu stellen, das ihnen jederzeit Zugang zu den medizinischen Daten ihrer Haustiere ermöglicht. Mit den Rex Care Plans haben wir die App um eine Funktion erweitert, die die Gesundheitsvorsorge auf das nächste Level hebt: Algorithmen analysieren Gesundheitsdaten und erstellen individuelle Empfehlungen für den nächsten Vorsorgetermin.
Diese basieren auf Informationen wie Tierarztberichten, dem Alter und Geschlecht des Tieres sowie weiteren Daten wie Apotheken- und Abrechnungsinformationen. Die Empfehlungen werden den Tierbesitzern direkt über die App zugeschickt.
Gesündere Haustiere dank Algorithmen
In der Tiermedizin gibt es bereits Leitlinien für Prävention und für den Umgang mit chronischen Krankheiten. Diese kennen allerdings meist nur die TierärztInnen. Haustierbesitzer sind im Alltag oft auf sich allein gestellt. Genau hier sehen wir großes Potenzial: Die vielen Patientendaten, die wir sammeln, können genutzt werden, um Vorsorgeempfehlungen individuell auf jedes Tier abzustimmen.
Über die Rex-App, die jederzeit und überall zugänglich ist, können diese Empfehlungen direkt an die Tierbesitzer weitergegeben werden. Dabei wird auch der optimale Zeitpunkt für die nächste Untersuchung automatisch angegeben.
Die Software des Berliner Startup Rex nutzt Algorithmen für die in den Patientendaten Muster erkennt und Risiken frühzeitig identifiziert.
(Bild: Rex)
Bei der Entwicklung dieser Anwendung haben wir eng mit Tierärzten zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass das System sowohl technisch als auch fachlich fundiert ist. Es werden personalisierte Empfehlungen für über 60 Gesundheitsindikationen erstellt, basierend auf verschiedenen Datenquellen wie Alter, Geschlecht und der medizinischen Vorgeschichte des Tieres.
Ein Beispiel: Wenn ein Hund älter als sieben Jahre ist und bereits einen Herzultraschall hatte, wird nach zwölf Monaten automatisch an einen weiteren Ultraschall erinnert. Dies ist wichtig, weil regelmäßige Untersuchungen in solchen Fällen helfen, das Risiko für Herzprobleme rechtzeitig zu erkennen. Dieser Ansatz sorgt dafür, dass jedes Tier eine optimale medizinische Versorgung erhält.
Datenschutz und Privatsphäre als Erfolgsmerkmal für digitale Innovation
Datenschutz und Privatsphäre spielen eine zentrale Rolle bei der Digitalisierung in der Tiermedizin und gelten als wesentliche Erfolgsfaktoren. Aus diesem Grund werden die Daten bei Rex auf sicheren Servern gespeichert, synchronisiert und von allen Standorten aus zugänglich gemacht, ganz nach dem Vorbild führender Tech-Unternehmen. Dies ermöglicht es Tierbesitzern, in jeder Praxis ohne vorherige Anmeldung die notwendige Versorgung für ihre Haustiere zu erhalten.
Ermöglicht wird dies durch unser zentrales Verwaltungssystem „RexOS“, das speziell für uns entwickelt wurde. In dieser Datenbank werden alle kundenspezifischen Daten standortübergreifend gespeichert. Unsere neu entwickelten Algorithmen übersetzen medizinische Leitlinien in Regeln, die automatisch Empfehlungen erstellen und über die App bereitgestellt werden.
Stand: 08.12.2025
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Mithilfe von Künstlicher Intelligenz und frühzeitiger Erkennung von Krankheiten lassen sich unter Umständen teure Behandlungen sparen.
(Bild: Rex)
Anders als in der Humanmedizin gibt es in der Tiermedizin mehr Spielraum für die Analyse wertvoller medizinischer Daten. Doch auch bei uns wird der Schutz dieser Daten großgeschrieben. Alle Informationen werden in unserer Inhouse-Software RexOS auf europäischen Servern gespeichert und ausschließlich zur Optimierung der Gesundheit des jeweiligen Tieres verwendet.
Eine Weitergabe an andere Patientenakten oder Dritte erfolgt nicht. Unternehmen wie Apple oder Fielmann nutzen bereits Datenbündelung, um ein einheitliches Leistungsversprechen zu bieten. Es wird Zeit, dass auch die Digitalisierung in der Tiermedizin endlich ankommt.
KI erlaubt, Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen
Für die Zukunft sehen wir großes Potenzial in der Veterinärbranche. Künstliche Intelligenz wird eine Schlüsselrolle spielen.
Unsere Vision ist es, KI zu nutzen, um ein Frühwarnsystem zu entwickeln, das in den Patientendaten Muster erkennt und Risiken frühzeitig identifiziert. Auf diese Weise können negative gesundheitliche Entwicklungen verhindert werden, bevor sie entstehen – eine echte Innovation und ein neuer Standard in der medizinischen Versorgung.
Das hybride Modell, das wir in unseren Praxen zur Digitalisierung verfolgen, stößt bereits auf großen Anklang bei den Tierbesitzern. Langfristig möchten wir Tierbesitzern in ganz Deutschland die bestmögliche Versorgung bieten und die digitale Revolution in der Tiermedizin weiter vorantreiben.
*Der Autor Jonathan Loesing ist Gründer und CEO von Rex, einem Berliner Startup, das moderne, technologiegestützte Tierarztpraxen betreibt und eine digitale Plattform für Haustierbesitzer anbietet. Zuvor war er als Management Consultant bei McKinsey & Company tätig, wo er sich auf M&A und digitale Geschäftsmodelle im Gesundheitssektor konzentrierte. Darüber hinaus hat Loesing das FinTech-Startup Forexfix mitgegründet, bevor er 2021 Rex ins Leben rief. Rex zeichnet sich durch seine digitale Plattform aus, die Haustierbesitzern nicht nur die Buchung von Tierarztterminen und den Zugang zu Telemedizin ermöglicht, sondern auch eine elektronische Patientenakte bereitstellt. Der Fokus liegt auf einer benutzerfreundlichen Kundenerfahrung, digitalisierten Prozessen und erstklassiger tierärztlicher Versorgung. Das Unternehmen hat bereits über fünf Millionen Euro von Investoren eingesammelt und verfolgt das Ziel, den Markt für tierärztliche Versorgung durch digitale Innovationen effizienter zu gestalten.