Vom Labor in die PraxisAcht Punkte zum Stand des Quantencomputing 2026
Ein Gastbeitrag von
Mark Mattingley-Scott und Florian Preis*
3 min Lesedauer
Quantencomputing ist 2026 keine Science-Fiction mehr, sondern bewegt sich deutlich in Richtung Produktivität. Die Technologien haben die Phase reiner Machbarkeitsdemonstrationen weitgehend verlassen, der breite industrielle Durchbruch ist nur noch eine Frage der Zeit, der Finanzierung – und der geeigneten Use Cases.
Der Anspruch von Quantum Brlliance ist es, mithilfe von Diamanten-Spin Quantencomputer zu bauen, die bei Raumtemperatur funktionieren. Daniel Schrader, Redakteur bei DataCenter-Insider hat die Chefs,F lorian Preis, Vizepräsident, Quantensysteme und -lösungen und Strategieleiter, sowie ark Mattingly-Scott ist der Geschäftsführer von Quantum Brilliance in Deutschland, im Podcast befragt.
1. Quantencomputer sind effiziente Spezialisten, aber keine Universalbeschleuniger
Quantencomputer zeigen ihre Stärke dort, wo sich Probleme als komplexe Wahrscheinlichkeitsrechnungen darstellen. Vor diesem Hintergrund ermöglichen sie es beispielsweise, mit spezifischen Algorithmen extrem effizient unsortierte Datenräumen zu durchforsten. Viele Optimierungsprobleme, bei denen eine bestmögliche Lösung aus einer Vielzahl von Möglichkeiten gefordert ist, können als solche Suchprobleme formuliert werden und profitieren damit direkt von Quantencomputing.
Klassische Workloads, etwa ERP-Systeme, Datenbanken oder Office-Anwendungen, stellen andere Anforderungen und laufen deshalb auf einem Quantencomputer nicht zwangsläufig effizienter. Quantencomputer sind also Spezialisten für bestimmte mathematische Probleme, dort extrem leistungsfähig und damit als Ergänzung und Entlastung für bestehende Computer prädestiniert.
2. Quantencomputer können viele Optimierungsprobleme hervorragend lösen, aber nicht alle
Ein weitverbreitetes Missverständnis ist, dass Quantencomputer beliebige kombinatorische Probleme effizient lösen könnten. Das stimmt für viele Anwendungen, aber nicht für jede.
NP-vollständige Probleme als komplexeste Herausforderungen, zum Beispiel die bekannte „Travelling-Salesman“-Aufgabe, lassen sich bislang von keinem Quantenalgorithmus generell effizient bearbeiten. Gleichzeitig zeigen heuristische Quantenverfahren in ersten Studien, dass sie bei konkreten Optimierungsproblemen aus der Praxis – etwa in Logistik, Produktionsplanung oder Energienetzen – dennoch helfen können, schneller hochwertige Näherungslösungen zu finden.
Was sind NP-Probleme?
NP-vollständige Probleme, NP steht für Nondeterministic Polynomial (time), sind eine Klasse besonders schwieriger Entscheidungsprobleme aus der Computational Complexity Theory. Sie besitzen zwei zentrale Eigenschaften:
NP-Eigenschaft - Eine vorgeschlagene Lösung lässt sich in polynomieller Zeit überprüfen (Klasse NP).
NP-Härte - Jedes andere Problem aus NP lässt sich in polynomieller Zeit auf dieses Problem reduzieren.
Damit gelten NP-vollständige Probleme als die schwierigsten Probleme innerhalb von NP. Findet man für eines davon einen effizienten (polynomialen) Lösungsalgorithmus, könnte man damit alle NP-Probleme effizient lösen, was direkt mit der offenen Frage „P versus NP problem“ zusammenhängt.
Beisiele für NPProbleme:
Boolean Satisfiability Problem
Traveling Salesman Problem
Clique Problem
In der Praxis sind NP-vollständige Probleme häufig in der Optimierung, der Logistik, im Chipdesign, Scheduling oder in der Netzwerkplanung zu finden. Da exakte Lösungen oft zu aufwendig sind, arbeitet man meist mit Heuristiken, Approximationsalgorithmen oder eben Spezialhardware.
Bald umsetzbar sind Verbesserungen in Teilaspekten: Verschlüsselungsverfahren, Modellierung von Materialien oder medizinischen Wirkstoffen, effizientere Stichprobenverfahren und bessere heuristische Näherungen machen Navigation oder Produktionsplanung wirksamer. Das ist bereits heute als signifikante Effizienzsteigerung für viele Industrie-Anwendungen relevant.
3. Die Qubit-Zahl alleine sagt nicht alles über die Leistung eines Quantencomputers
Mit jedem Qubit verdoppelt sich die Zahl der Zustände, die ein Computer abbilden kann. Bereits wenige ideal verschaltete Qubits ergeben somit eine riesige Zahl von Kombinationen und damit von potenziell in einem Schritt verarbeitbaren Informationen.
DataCenter-Insider bietet eine Podcast-Folge zum Thema
Redakteur Daniel Schrader hat im virtuellen Studio mit Mark Mattingley-Scott, Europachef und Chief Revenue Officer, und Dr. Florian Preis, Vice President Quantum Systems and Solutions bei Quantum Brilliance gesprochen. Die Aufnahme stellt DataCenter-Insider zur Verfügung.
(Bildquelle: Vogel IT-Medien GmbH)
In der Folge #63 der DataCenter Diaries will Daniel Schrader mit Mark Mattingley-Scott und Florian Preis, bei den Quantum Brlliane, klären, was genau Quantencomputer gut können und was nicht? Mattingly-Scott sagt: „Es wäre absolut sinnlos, Office-Anwendungen auf Quantenchips zu betreiben.“ Außerdem geht es geht es um die spannende Technologie des Herstellers: Quantencomputer bei Raumtemperatur statt mit kryogener Kühlung und im Taschenformat als Einsteckkarte.Die Podcast-Folge #63 der DataCenter Diaries findet sich auf Spotify, Apple Podcasts, Deezer und Amazon Music.
In der Praxis zählt jedoch nicht allein die Anzahl physikalischer Qubits, sondern deren Qualität. Entscheidend wird zunehmend die Zahl so genannter logischer Qubits, also durch Fehlerkorrektur stabilisierter Recheneinheiten. Industrielle Anwender interessiert vor allem architektonische Robustheit und Skalierbarkeit.
4. Der Quantenvorteil ist relativ, nicht absolut
Der Begriff „Quantum Advantage“ wird unterschiedlich interpretiert. In der Praxis bedeutet er, dass ein Quantencomputer eine klar definierte Aufgabe messbar schneller oder ressourcenschonender löst als ein klassisches System.
Für IT-Strategen ist entscheidend, ob dieser Vorteil unter realen Betriebsbedingungen Bestand hat, inklusive Datenübertragung, Fehlerkorrektur-Overhead, Energieverbrauch und Integration in bestehende IT-Landschaften. Ein isolierter Geschwindigkeitsvorteil im Labor ist noch kein tragfähiger Business Case.
5. Cybersecurity ist zugleich Risiko- und Innovationsfeld
Das voraussichtlich erste unternehmenskritische Anwendungsgebiet von Quantencomputing liegt im Bereich Kryptografie und zwar passiv und aktiv. Verfahren, die darauf bauen, dass eine Faktorisierung zur Entschlüsselung zu schwierig oder aufwendig ist, könnten durch leistungsfähige Quantencomputer angreifbar werden.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Gleichzeitig eröffnet die Technologie neue Sicherheitsmechanismen: zertifizierbare Quanten-Zufallszahlen, quantenbasierte „Physical Uncloneable Functions“ oder einmalig nutzbare Signaturen. Quantencomputing ist somit nicht nur Bedrohung bestehender Sicherheitsarchitekturen, sondern auch Quelle neuer Schutzkonzepte. Hier müssen Hardware-Anbieter, Security-Spezialisten und Anwenderunternehmen zusammenarbeiten, um robuste, praxisgerechte Lösungen zu entwickeln.
6. Kein Entweder-oder: Hybride Systeme rücken in den Vordergrund
So faszinierend Quanten-Großcomputer mit ihrer Rechenpower sind, für viele Anwendungen in der Unternehmenspraxis sind sie nicht das passende Werkzeug. Der wahre Innovationshebel liegt oft in der Kombination klassischer Hochleistungsrechner mit spezialisierten Quantenbeschleunigern.
Unternehmen analysieren gezielt, welche Workloads prinzipiell quantenaffin sind und wie hybride Architekturen aussehen könnten. Hier sind kleinere, dezentral zu betreibende Quantencomputer im Vorteil, die Energie-effizient arbeiten und keine aufwendige Peripherie benötigen.
Für die wirtschaftliche Nutzung von Quantencomputing rückt daher weniger die maximale Leistungsfähigkeit eines einzelnen Systems in den Fokus, sondern der Rechendurchsatz über viele parallele Einheiten. In realen Unternehmensanwendungen entstehen quantenrelevante Aufgaben meist nicht als einzelnes großes Problem, sondern als Vielzahl ähnlicher Berechnungen, etwa bei Optimierungs-, Simulations- oder Samplingverfahren. Werden diese auf mehrere Quantenbeschleuniger verteilt, lässt sich die verfügbare Rechenleistung effizient vervielfachen.
Entscheidend ist daher eine Architektur, die horizontale Skalierbarkeit und elastische Nutzung ermöglicht, ähnlich wie in modernen Cloud- und HPC-Infrastrukturen. Quantenprozessoren werden dabei als spezialisierte Beschleuniger in bestehende Rechenzentren integriert und je nach Bedarf zugeschaltet. Diese Kombination aus Parallelisierung, skalierbarem Durchsatz und flexibler Ressourcenbereitstellung gilt als zentraler Baustein, um Quantencomputing aus experimentellen Demonstrationen in wirtschaftlich tragfähige Anwendungen zu überführen.
7. Hardware-Ökosysteme entwickeln sich parallel
Neben supraleitenden Qubits und Ionenfallen rücken alternative Ansätze zunehmend in den Vordergrund. Besonders interessant sind diamantbasierte Architekturen, die bei Raumtemperatur betrieben werden können. Der Wegfall komplexer Kühltechnik erleichtert die Miniaturisierung bis hin zum mobilen Einsatz und damit die industrielle Integration.
8. Deutschlands Chance liegt in Integration und Skalierung
Der Standort Deutschland verfügt über exzellente Forschung, Fachkräfte, industrielle Kernbranchen und hat Europas regulatorische Durchsetzungsfähigkeit an der Seite. Nicht ohne Grund findet hier ein wichtiger Teil des weltweiten Quantenfortschritts statt.
Wenn es gelingt, die vorhandenen Standortvorteile zu nutzen, namentlich technologische Integration und industrielle Skalierung, dann kann das Quantencomputing zu einer Disziplin werden, die von Europa zumindest mitbestimmt wird. Der entscheidende Aufholbedarf liegt in einer verlässlichen Finanzierung, um Potenziale in kommerzielle Erfolge umzuwandeln.
Das Autorenduo*
Bildquelle: Quantum Brilliance
Mark Mattingly-Scott ist der Geschäftsführer von Quantum Brilliance in Deutschland sowie verantwortlich für die Präsenz von Quantum Brilliance in Europa. Vor seiner Tätigkeit bei Quantum Brilliance leitete Mark das Quantum Ambassador-Programm von IBM und führte ein internationales Team von mehr als 250 Experten, das für die Geschäftsentwicklung, den Vorverkauf und den technischen Vertrieb für das kommerzielle Quantum Network von IBM zuständig war. Bis 2022 war er deutscher Delegierter in der Expertengruppe für neue und disruptive Technologien der NATO und war direkt an der Konzeption des Innovationsfonds der NATO und der NATO DIANA beteiligt.
Bildquelle: Quantum Brlliance
Dr. Florian Preis ist Vizepräsident, Quantensysteme und -lösungen bei Quantum Brilliance und Strategieleiter. Unter seiner Führung hat das Unternehmen das Open-Source-SDK „Qristal“ und Emulationsfunktionen entwickelt, die die Programmierung, Simulation und Systemintegration von Diamant-Quantenbeschleunigern bei Raumtemperatur ermöglichen.
Die beiden sagen: Deutschland steht bei den entsprechenden internationalen Patentfamilien weltweit an fünfter Stelle und stellt 5,8 Prozent der Quanten-Kernunternehmen weltweit. Gleichzeitig fließen jedoch lediglich 2,9 Prozent der globalen Finanzmittel in den Standort, während alleine in den USA 60 Prozent investiert werden. Wenn sich das ändert, hat die Technologie in Deutschland das Zeug, die Bedeutung einzunehmen, die wir von der Automobilindustrie kennen.