Wie reagiert die Datacenter-Branche auf die sich gegenwärtig andeutende mögliche Energieknappheit im Winter? Und was kommt preislich auf die Rechenzentrumskunden zu? DataCenter-Insider befragte eine Reihe von Verbänden und Datacenter-Betreibern dazu. Hier die Ergebnisse.
Was tun, wenn die Elektrizität knapp wird? Einige Antworten auf diese Frage von RZ-Betreibern und Verbandsvertretern.
Wenn Energie knapp wird, steht die stromhungrige Datacenter-Branche im Feuer. Allerdings, so ein Ergebnis einer Umfrage, die DataCenter-Insider bei einigen einschlägigen Verbänden und großen Rechenzentrumsbetreibern durchführte: Rechenzentren sehen sich im Allgemeinen bereits heute als Elektrizitäts-Sparweltmeister und insofern recht gut vorbereitet.
Das meint etwa die Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen in Deutschland. In ihr haben sich Rechenzentrumsbetreiber, Co-Location- und Cloud-Anbieter, Internet Service Provider, Carrier, Softwarehersteller und Vertreter aus der Anwendungsindustrie unter dem Dach vom Eco, dem Verband der Internetwirtschaft, zusammengefunden „In den letzten zehn Jahren ist der Energieverbrauch im Rechenzentrum pro Workload um das 12fache gesunken“, heißt es im Statement des Verbandes.
Ähnliches konstatiert Frank Leibiger für die Telekom: Man habe im zweiten Quartal des laufenden Jahres den Stromverbrauch gegenüber dem Vorjahresquartal um 14 Prozent verringert.
Rechenzentren als kritische Infrastruktur
Rechenzentren sind unverzichtbar für den Betrieb vieler Strukturen etwa in Verkehr oder Medizin. Deshalb, so Sophie Konrad, Referentin für digitale nachhaltige Infrastrukturen beim Branchenverband Bitkom, müssten sie dringend von der Politik als systemrelevante Infrastrukturen bei eventuellen Stromzuteilungen berücksichtigt werden. Auch dann, wenn sie unter 3,5 Megawatt (MW) verbrauchen und deshalb nicht unter die KRITIS-Verordnung fielen.
"Auch RZ unter 3,5 MW können kritisch sein und brauchen dann bevorzugte Strombelieferung", Sophie Konrad, Referentin für digitale nachhaltige Infrastrukturen beim Branchenverband BITKOM.
(Bild: BITKOM)
Ansonsten, so Konrad, könnten Rechenzentren als Vorbereitung auf eventuelle Mangellagen nur „die Notstromversorgung aufstocken“ – was sie auch täten: Die Dieseltanks seien voll bis zum Anschlag.
Bei den Notfallplanungen werden inzwischen bei Betreibern wie Telekom oder Leibniz-Rechenzentrum auch diverse Energie-Ausfall-Szenarien einbezogen. Details möchte man aber nicht nennen. APCO Worldwide/Equinix berichtet von zusätzlichen Maßnahmen für einen guten Dieselvorrat und „redundante Vorkehrungen in der Lieferkette.“
Gesamtenergienachfrage der Rechenzentren steigt weiter
Der gesamte Energieverbrauch der Branche steigt trotz weniger Strom pro Recheneinheit und damit auch ihre Verwundbarkeit. Der Gasmangel allerdings, so die Befragten allesamt, betrifft die Branche nur indirekt; denn auch für den Notstrom wird ganz überwiegend Diesel verwendet. Trotzdem muss gegebenenfalls Strom gespart werden, um den Gesamtmarkt zu entlasten.
Hinsichtlich der elektrischen Energie sieht Klaus-Wilhelm Hüsgen, Vorstand des Verbands Innovativer Rechenzentren e.V (VIRZ) durchaus noch Sparmöglichkeiten bei den Rechenzentren, beispielsweise durch neue Kälte- und Klimatechnik, effizientere Hardware und, vor allem in Hinblick auf bessere Kohlendioxid-Bilanzen, Abwärmenutzung. Im Übrigen sei Effizienz ein Dauerthema.
Sparmöglichkeiten schon beim Datacenter-Bau bedenken
Viele der befragten Datacenter-Betreiber melden bereits solche Maßnahmen. Strato beispielsweise ist kürzlich in ein neues, besonders Energie-effizientes Rechenzentrumsgebäude gezogen. Alexander Thieme, Senior Manager Global Public Relations beim Internet-Knoten-Betreiber DE-CIX, berichtet, sein Unternehmen setze zudem auf effizientere Hardware, auch wenn dann noch lauffähige Geräte ausgetauscht werden müssen: „Das bedeutet Stromeinsparungen bis zu 70 oder 80 Prozent.“
Dem DE-CIX komme innerhalb der Datacenter Szene eine besondere Rolle zu, da „DE-CIX als Mieter innerhalb der Rechenzentren auch von der Versorgung der Partner abhängig sei. „Selbstverständlich ist DE-CIX bezüglich der generellen Energieversorgungslage im stetigen und engen Austausch mit unseren Rechenzentrumspartnern – in Deutschland und weltweit“, so Thieme abschließend.
"Unsere RZs haben eine PUE von nur 1,3", Frank Leibinger, Telekom
(Bild: Telekom)
Dieter Kranzlmüller ist Vorsitzender des Direktoriums des Leibniz-Rechenzentrums in Garching bei München. Er verweist unter anderem auf die Warmwasserkühlung und die Abwärmenutzung durch Adsorptionskältemaschinen, die das Rechenzentrum bereits einsetzt.
Stand: 08.12.2025
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Frank Leibinger, Telekom, ist stolz auf eine PUE (Power Usage Effectiveness) von 1,3 und besser in den Telekom-Rechenzentren. Die Telekom nutzt Hardware eher etwas länger und arbeitet mit innovativer Lastverteilungssoftware, um zu wenig ausgelastete CPUs gezielt entlasten und dann abschalten zu können.
Im Zweifel: abschalten
VIRZ-Vorstand Hüsgen ist sich bezüglich einer größeren Strommangellage, in der verbindliche, kurzfristige Einsparziele von Politik und Regulierung auch an Datacenter-Betreiber herangetragen werden, sicher: „Dann bleibt nur Abschalten.“
Jeder Anbieter von Cloud-Services werde bei Stromrationierungen Leistung zurücknehmen. Gerade bei weniger lebenswichtigen Anwendungen wie Social Media sei zu erwarten, dass man die unsichere Versorgungslage zu spüren bekomme, weil Datacenter-Leistung konsolidiert werden werde, um zu sparen. Tatsächlich würden vereinzelt bereits heute ganze Rechenzentren heruntergefahren und die Leistungen von andern Ressourcen erbracht.
Unternehmen könnten auch die Datenübertragungsleistung herunterfahren, wenn wirklich zu wenig Strom in den Netzen oder dieser zu teuer sei. In dieser Situation funktioniere der schnelle Remote-Zugriff auf zentrale Ressourcen nicht mehr so reibungslos wie bisher, was Anpassungen in den Arbeitsprozessen bedeute.
An den Kragen könnte es bei einer Notbewirtschaftung des Strommarktes diversen Hochleistungs-Rechenressourcen gehen. Das war von Vertretern zweier bayerischer Universitäten zu hören, die lieber anonym bleiben möchten.
Stromschluckende HPC-Ressourcen bedienten schließlich Forschungsprojekte. Solche Berechnungen könnten etwas warten müssten, bis sich die Versorgungslage wieder stabilisiert hat.
Höhere Betriebstemperatur hilft nur in Grenzen
Ein weiteres an einer Universität befindliches Hochleistungsrechenzentrum plant, bei konkreten Strom-Einsparforderungen zunächst die Temperatur im Serverraum auf bis zu 25 Grad Celsius hochfahren, um Strom zu sparen.
Das sei allerdings diffizil, denn schneller drehende Lüfter könnten bei höheren Raumtemperaturen den eingesparten Strom bei der Kühlung wieder wettmachen. Im Zweifel werde man aber auch hier den HPC-Cluster abschalten, falls Strom gespart werden muss. Schlechte Karten also für die Forschung, sollte der Fall der Fälle eintreten.
Kosten: Weitergabe bleibt nicht aus
Doch wie sieht es mit den wachsenden Kosten durch steigende Strompreise aus? Hier ist die Situation je nach Betreiber unterschiedlich.
Kranzlmüller (LRZ) kann in den kommenden zwei Jahren auf bereits fixierte Lieferverträge mit Fixpreis zurückgreifen. Danach werde man versuchen, anhaltend hohe Kosten an die Fördergeber weiterzureichen. Auch die Telekom verfügt über langfristige Lieferverträge.
Strato dagegen plant Preisanpassungen bei neu bestellten Produktpaketen und bei der Verlängerung der Laufzeit bestehender Buchungen. Der Branchenverband Bitkom berichtet, dass Co-Location-Anbieter die Preise „direkt und meist auch vollständig“ an ihre Kunden weiterreichen, was für diese „erhebliche Mehrbelastungen“ bedeute. Bei Cloud-Services müsse man mittelfristig mit höheren Preisen rechnen.
"Langfristige Lieferverträge schützen nächste zwei Jahre vor Energiepreissteigerungen", Dieter Kranzlmüller, Vorsitzender des Direktoriums des Leibniz-Rechenzentrums (LRZ).
(Bild: LRZ)
Die Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen in Deutschland fordert ganz generell, dass ihre Zielgruppe „besonders geschützt und bedacht“ werden müsse. Ob das auch die Übernahme von Stromkosten betrifft, um Kunden aus der Wirtschaft vor solchen steigenden Kosten zu bewahren, wird in dem Statement des Verbandes nicht formuliert.
Neubauten und Neuprojekte laufen vorerst weiter
Davon, dass Neubauten oder Erweiterungen von Rechenzentren wegen der aktuellen Situation abgesagt worden wären, ist bislang keinem der Befragten etwas bekannt. Es scheint, dass die Branche von relativ schnell verfügbaren Auswegen ausgeht und nicht von einer dauerhaften Energieknappheit, die dazu zwingt, Expansionspläne in Deutschland zu überdenken.