Podcast und Artikel: Klartext einer Startups-Beraterin Wundsam: „Die Investorenszene muss weiblicher werden“

Von Ulrike Ostler und M.A. Jürgen Höfling 5 min Lesedauer

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„In Europa fehlen oft dann weitsichtige und risikobereite Investoren, wenn technologische Startups in die Erfolgsspur kommen und größere Beträge benötigen, um das Geschäft zu skalieren“, sagt Hannah Wundsam, Managing Director der Austrian Startups-Plattform. Details gibt es im Podcast #26 der „DataCenter Diaries“.

Die Start-up-Szene in der EU krankt an einigem. Was schief läuft oder auch positiv stimmt, erläutert Hannah Wundsam, Geschäftsführerin von Austrian Startups. (Bild:  Vogel IT-Medien GmbH)
Die Start-up-Szene in der EU krankt an einigem. Was schief läuft oder auch positiv stimmt, erläutert Hannah Wundsam, Geschäftsführerin von Austrian Startups.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)

Technische Innovationen sind gut und wichtig, aber sie erzeugen nur dann volkswirtschaftlichen Mehrwert, wenn sie in marktreife Produkte transformiert werden und gesellschaftliche Bedarfe befriedigen. Viele technikorientierte Neugründungen scheitern deshalb nicht an grundsätzlichen technischen Mängeln ihrer Produktidee - wiewohl das sicher auch vorkommt -, sondern an der Umsetzung in die raue (welt-)wirtschaftliche Realität, an Finanzierungsfehlern oder auch (und ziemlich oft) an der mangelnden eigenen Resilienz.

Über Hannah Wundsam

Hannah Wundsam hatte mit dem Nachhaltigkeits-Startup Rephil selbst ein Unternehmen gegründet. Sie war unter anderem an der Wirtschaftsuniversität Wien für die 'Entrepreneurship Avenue', das 'Student Innovation Center' (SIC) sowie beim 'Impact Hub' tätig. Im Jahr 2019 hat sie das operative Management des Netzwerks Austrian Startups übernommen.

Die Zeitschrift „Forbes“ bezeichnet diese Plattform unter anderem als „Thinktank für Entrepreneurship". Sie vernetze verschiedene Stakeholder miteinander, treibe innovative Lösungen voran und bilde Österreichs Jugend und Young Professionals zu erfolgreichen Unternehmern aus.

Von Wundsam stammt das Zitat: „Als Geschäftsführerin von Austrian Startups [...] arbeite ich an der Vision, dass Unternehmertum in Österreich so normal wird wie Skifahren.“

Die österreichische Non-Profit-Plattform „Austrian Startups“ setzt deshalb mit ihren Beratungsleistungen an den wesentlichen Schwachpunkten an, die oft die ökonomische Realisierung von guten technischen Ideen misslingen lassen.

Hannah Wundsam, Managing Director der Plattform, die in der Folge #26 der DataCenter Diaries zu Gast ist, sagt: „Wir sind zum einen eine Denkfabrik, die Daten erhebt und auswertet, zum zweiten eine Community, die potenzielle und tatsächliche Gründer:innen zusammenbringt und zum dritten eine Bildungseinrichtung, die nicht zuletzt mit Schülern und vor allem Schülerinnen regelmäßig und in großer Zahl Projektwochen zum Thema Ideenfindung und unternehmerische Umsetzung durchführt, und das seit mittlerweile zehn Jahren.“

Hannah Wundsam vom Netwek Austrian Startups und Ulrike Ostler, DataCenter-Insider, trafen sich online. (Bild:  Vogel IT-Medien GmbH)
Hannah Wundsam vom Netwek Austrian Startups und Ulrike Ostler, DataCenter-Insider, trafen sich online.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)

In der Podcast-Folge #26 der „DataCenter Diaries“ hat sich erörtern Hannah Wundsam, Managing Director der österreichischen Non-Profit-Plattform Austrian Startups, und DataCenter-Insider-Chefredakteurin Ulrike Ostler, woran die Start-up-Szene in Österreich und der EU krankt, warum es wenige erfolgreiche Frauen, insbesondere im High-Tech-Bereich, gibt, welche Programme Erfolg versprechen und welche Überraschungen warten, wenn sich Schüler:innen mit Unternehmensgründungen befassen.

Die Podcast-Folge #26 von DataCenter Diaries findet sich auf Spotify, Apple Podcasts, Deezer, Amazon Musik und Google Podcasts.

Europa hat Probleme bei der Skalierung

Der eben geschilderte breite Fokus der Startup-Berater-Plattform gibt Hannah Wundsam eine ganz spezielle Sicht auf die technologische Gründerszene in Österreich und Europa. „Wir haben in erster Linie bei der Skalierung von technischen Startups ein großes Problem in Europa“, sagt die 28-jährige Managerin und geht dann ins Detail, wenn sie sagt: „Die Anschubfinanzierung funktioniert mittlerweile recht gut, aber wenn das Ding zu fliegen beginnt, indes in einem deutlich größeren Rahmen weitere finanzielle Mittel benötigt, fehlen in Europa oft die Investoren“.

Sobald es um dreistellige Millionensummen geht, die investiert werden müssten, um das Ding endgültig zum Fliegen zu bringen, müssen sich die meisten Gründer dann an Risiko-affine Geldgeber in den USA und mittlerweile auch China wenden. Dass das für Europa gleich doppelt ein schlechtes Geschäft sei, liege auf der Hand.

Erst päpple man die technologische Innovation auf, dann lasse man sie quasi verhungern. Mit Nachhaltigkeit bei der Ressourcennutzung habe ein solches Szenario wenig zu tun.

Divers zusammengesetzte Führungsteams performen besser

Aber Wundsam sieh noch einen ganz anderen großen Schwachpunkt bei High-Tech-Startups und das ist die große männliche Dominanz bei solchen Gründungen. Das sei nicht nur soziologisch problematisch, sondern vor allem auch ökonomisch ausgesprochen dumm. Schließlich zeigten das Monitoring der hauseigenen Plattform und auch andere Untersuchungen, dass „divers zusammengesetzte Führungsteams finanziell besser performen“.

Bezeichnend findet Wundsam auch, dass weiblichen Gründerinnen bei Investorengesprächen nach den Recherchen ihrer Plattform oft anders geartete Fragen gestellt würden als ihren männlichen Pendants. Während Investoren männlichen Gründungswilligen eher Fragen wie „Welche Potenziale sehen Sie bei Ihrer Idee“ oder „Wo sehen Sie Ihre Gründung in drei Jahren“, stellten, sähen sich weibliche eher mit Fragen wie „Welche Risiken sehen Sie bei ihrer Idee“ oder „Woran könnte Ihre Idee bei der Umsetzung scheitern?“ konfrontiert.

Der Austrian Startup Monitor

Das Netzwerk Austrian Startup gibt jährlich einen Bericht zur Entwicklung und Dynamik des österreichischen Startup-Sektors heraus. Online ist derzeit der fünfte, aus dem Jahr 2022; der vom vergangenen Jahr fehlt noch zum Zeitpunkt der Artikel- und Podcast-Veröffentlichung.

Im „Austrian Startup Monitor“ werden Merkmale zur Demographie von Gründer:Innen analysiert und beispielsweise das Geschlecht und die Zusammensetzung der Teams beleuchtet. So ist der „Monitor“ eine Fundgrube an Informationen zur Szene.

Im Jahr 2022 etwa waren Startups wie alle Unternehmen mit den Auswirkungen von Covid-19 und den tiefgreifenden Folgen des Kriegs in der Ukraine konfrontiert. Wie sie mit den Herausforderungen umgegangen sind, nimmt in dem Bericht aus diesem Jahr deshalb einen großen Platz ein. Außerdem wurde 2022 erstmalig die Frage der Diversität um den Aspekt des Migrationshintergrunds von Gründer:Innen dargestellt. Damit sollten Befunde geliefert werden, um mögliche spezifische Barrieren zu reduzieren, zumal die Rekrutierung qualifizierter Mitarbeiter:Innen und Talente ein wesentlicher Motor für die Entwicklung und das Wachstum von jungen Unternehmen ist.

Der Monitor wird von von zahlreichen Institutionen finanziell unterstützt. Für den Bericht aus dem Jahr 2022 Konnte das Netzwerk etwa das Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft, die Wirtschaftskammer Österreich sowie den Rat für Forschung und Technologie-Entwicklung als Finanzierungspartner gewinnen. Ferner haben die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH und die Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH zum Vorhaben beigetragen.

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Die Austrian Startups-Chefin sieht hier ganz pragmatisch eher den volkswirtschaftlichen Schaden solcher geschlechtsspezifischen Nuancen als die persönliche Diskriminierung und hat auch eine ganz pragmatische und – wie sie meint – sehr effiziente Lösung für diese Herausforderung: „Die Investorenszene muss schlicht sehr viel weiblicher werden“, sagt sie.

Und damit das so wird, ist die Bildungsarbeit von „Austrian Startups“ auf Schüler und ganz besonders auf Schülerinnen ausgerichtet. „Wir führen jedes Jahr an mehr als 100 Schulen in Österreich Projektwochen zur Unternehmensgründung durch, bei der nicht zuletzt Mädchen lernen, wie man eine Idee technologisch und ökonomisch erfolgreich umsetzt“, sagt sie. Dabei seien im Übrigen sogenannte schlechte Schüler nicht selten die „erfolgreicheren“ Gründer:innen.

Anmerkung zum Schluss: Auch Rechenzentren sind bekanntlich immer noch weitgehend Männer-dominiert. Gleichzeitig sind die technischen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen in diesem Bereich immens. Es ist Zeit, dass hierfür Frauen und Männer gemeinsam anpacken.

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