Neubau eines Datacenters: Strom, Klima und Energie Wo ist der ideale Standort für ein neues Rechenzentrum?
Die Standortwahl eines Rechenzentrums geschieht zunehmend in Hinblick auf wirtschaftliche Rahmenbedingungen und verfügbare Ressourcen.
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Noch vor zehn Jahren spielten die Betriebskosten für Server kaum eine Rolle. Doch in der Zwischenzeit werden nicht nur die Betriebskosten der Server, sondern auch die Kosten für Kühlung, USV und redundante Komponenten in Rechnung gezogen. Gehälter, Grundstückskosten und Steuern fließen ebenfalls in die komplexer werdenden TCO-Berechnungen ein.
Zwei Faktoren sind bei der Standortwahl für ein neues Rechenzentrum entscheidend: die Stromversorgung und die IP-Anbindung. Rechenzentren benötigen sehr viel Strom rund um die Uhr. Normalerweise sind die erforderlichen bis zu 2.000 Kilo-Volt-Ampere (KVA) für ein mittelgroßes Rechenzentrum in Gewerbegebieten über den normalen Verteilerring verfügbar, aber es kommt auch vor, dass ein Unternehmen die Aufrüstung des Stromnetzes selbst teuer bezahlen muss. Da die Netze in den Händen der großen Energieversorger liegen, ist deren Preispolitik maßgeblich. Bei fehlenden Kapazitäten auf dem vorhandenen Netz muss man mit mindestens 400 Euro je Meter Kabellänge bis zum nächsten Umspannwerk rechnen – zuzüglich einer Bauverzögerung von mindestens zwölf bis 18 Monaten. Selbst wenn genug Stromkapazität vorhanden ist, bedeutet dies nicht, dass die Energie ohne Zusatzkosten zur Verfügung gestellt wird. Die Aufrüstung der Hauseinspeisung schlägt in der Regel mit 50 bis 75 Euro für ein zusätzlich benötigtes KVA zu Buche.
Neben der Energieversorgung ist für ein Rechenzentrum eine erstklassige IP-Außenanbindung der zweite wichtige Faktor bei der Standortwahl – und diese muss auch noch redundant verfügbar sein. Hierbei gilt es zu beachten, dass es dafür in den Städten meist mehr als einen Anbieter, aber auch Wegerechte auf den Straßen gibt. Ist die gewählte Straßenseite bereits durch einen Carrier belegt, so kann es zu Komplikationen beim Genehmigungsverfahren kommen. Am besten sollte ein Standort gewählt werden, der entlang der großen „IP-Rennstrecken“ in Europa liegt, damit für die IP-Anbindung auch auf Dauer vertretbare Konditionen zu erzielen sind. Nicht vergessen sollte man bei der Planung, alle Leitungskosten doppelt zu kalkulieren, da ansonsten die Redundanz fehlt. Wenn die notwendigen Kabel nicht selbst verlegt werden können, sollte frühzeitig mit dem lokalen Carrier über einen Hausanschluss verhandelt werden, da es sonst zu kostspieligen Überraschungen und Verzögerungen kommen kann.
Notwendige Grundfläche
Bei der Planung der Grundfläche gilt bei Rechenzentrum die Faustregel: Für je 100 Quadratmeter Stellfläche müssen weitere 50 Quadratmeter Versorgungsräume für USV, Batterie, Notstromdieselaggregat und dergleichen einkalkuliert werden. In dieser Rechnung sind die Außenflächen für die Rückkühler noch nicht enthalten. Dieses Verhältnis von Nutz- und Versorgungsfläche gilt auch für größere Rechenzentren. Nur unterhalb von 400 Quadratmetern Nutzfläche ändert sich die Relation und wird deutlich schlechter.
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