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Umweltzeichen aus den USA Welche Bedeutung hat der Energy Star für Datacenter?

Von Andreas Th. Fischer 3 min Lesedauer

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„Energy Star“ ist ein von den USA entwickeltes Umweltzeichen, das auch komplette Rechenzentren und das in ihnen verwendete Equipment bewerten kann. In der EU hat das Label aber viel seiner früheren Bedeutung verloren.

„Energy Star“ ist eim Umweltzeichen, das in den USA unter anderem für Rechner und Datacenter vergeben wird, dass aber auch hierzulande hinlänglich bekannt ist. (Bild:  © djarma/ Fotolia.com)
„Energy Star“ ist eim Umweltzeichen, das in den USA unter anderem für Rechner und Datacenter vergeben wird, dass aber auch hierzulande hinlänglich bekannt ist.
(Bild: © djarma/ Fotolia.com)

Das Umweltzeichen Energy Star wurde 1992 von der amerikanischen Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) sowie dem U.S. Department of Energy (DOE) ursprünglich für elektronische Gerätschaften entwickelt. Die Spezifikationen informieren über den Energieverbrauch der Hardware. Die dafür verwendeten Daten werden mit mehreren standardisierten Testverfahren ermittelt.

Das Energy-Star-Label wird in rund 75 unterschiedlichen Kategorien vergeben. Sie reichen von Heim-Elektronik, über Drucker, Beleuchtungen, Wärme- und Kühlanlagen, Waschmaschinen und Geschirrspülern bis zu in Rechenzentren verwendeten Computern und Servern. In einer Aufzählung nennen die Energy-Star-Anbieter beispielsweise über 260 Datacenter, die in den vergangen Jahren zum Teil mehrfach das Umweltsiegel erhalten haben. In den USA wird das Umweltzeichen auch für neue Häuser und Wohnungen vergeben, die einen besonders niedrigen Energieverbrauch haben.

Energy-Star-Label im Datacenter

Es gibt nach Aussage der Anbieter mehrere Gründe, um ein Datacenter nach Energy-Star-Kriterien zertifizieren zu lassen:

  • Finanzielle Einsparungen durch erhöhte Effizienz, verbesserte Performance und einen insgesamt geringeren Energieverbrauch.
  • Durch die Verbesserung der Energie-Effizienz in Rechenzentren wird die Energieverschwendung verringert, so dass ein Teil der Energie eingespart oder für andere Gebäudefunktionen genutzt werden kann.
  • Modernes, energiesparendes Equipment im Datacenter reduziert die Gefahr durch Cyber-Angriffe oder Datenverlusten aufgrund von technischen Fehlern.
  • Effiziente Hardware und Systeme sind zudem weniger anfällig für Probleme durch Überhitzung und Ausfälle, was den gesamten Wartungsbedarf senkt.

Ein Energy-Star-zertifizierter Server benötigt nach Angaben der Anbieter beispielsweise 30 Prozent weniger Energie im Vergleich zu einem handelsüblichen Server. Das entspreche einer durchschnittlichen Einsparung von rund 650 Kilowattstunden (kWh) Energie pro Jahr und Maschine.

Das Logo des Umweltzeichens „Energy Star“(Bild:  United States Environmental Protection Agency/Wikipedia)
Das Logo des Umweltzeichens „Energy Star“
(Bild: United States Environmental Protection Agency/Wikipedia)

In den USA bieten EPA und DOE Hilfe beim Finden zertifizierter Rechenzentrumshardware. So betreiben sie mehrere durchsuchbare Listen für zum Beispiel Enterprise-Server, Unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USVs), Datacenter-Storage sowie Netzwerk-Equipment.

In den USA ist es zudem möglich, den so genannten Energy Star Score zu nutzen. Dieser auf Basis des Energieverbrauchs und der -effizienz errechnete Wert zwischen 1 und 100 kann zum Beispiel dabei helfen, unterschiedliche Datacenter miteinander zu vergleichen. Je höher der Score ist, desto besser.

Mit dem Energy Star zertifizierte Geräte müssen sich bei längerer Inaktivität selbsttätig ausschalten, außerdem dürfen sie einen bestimmten vorgegebenen maximalen Energieverbrauch nicht überschreiten und sie müssen einen stromsparenden Standby-Modus unterstützen.

Kritik in der EU

Das Siegel wurde unter anderem in der EU kritisiert, weil die Hersteller selbst prüfen konnten, ob ihre Produkte die Vorgaben erfüllten. Tests durch unabhängige Instituten wurden nur in seltenen Fällen durchgeführt. In den USA hat das dazu geführt, das dort nun mittlerweile Prüfungen durch unabhängige Dritte vorgeschrieben sind.

Kritisiert wurde darüber hinaus, dass ein einmal erteiltes Energy-Star-Label auf Dauer vergeben wird. Nachprüfungen sind nicht vorgesehen. Bis 2007 haben etwa 80 Prozent aller Elektrogeräte das Energy-Star-Label erhalten. Seitdem damals die Kriterien verschärft wurden, erhalten nur noch 25 Prozent der geprüften Geräte das Umweltzeichen.

Zwischen 2000 und 2018 wurde das Energy-Star-Siegel aufgrund einer Kooperation zwischen den US-Behörden und der Europäischen Union (EU) auch hierzulande vergeben. Dann ist die EU wieder aus dem Programm ausgestiegen. Neue Siegel werden hierzulande seitdem nicht mehr vergeben, bestehende dürfen aber weiter genutzt werden.

Trotz der kritischen Stimmen wurden nach Angaben der Anbieter seit Einführung des Labels mehr als fünf Billionen kWh Energie eingespart. Dadurch seien Kosteneinsparungen von mehr als fünf Milliarden Dollar möglich gewesen und vier Milliarden Tonnen Treibhausgase weniger verbraucht worden.

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