„Reduce, Reuse, Recycle“ ist das magische Trio für eine erfolgreiche Nachhaltigkeitsstrategie. Doch welche dieser drei Rs lassen sich auf Rechenzentren anwenden?
Ursprung und Hauptstandort von OVHcloud ist Roubaix. Das Foto ist dort in einem der jüngsten Rechenzentrumsausbauten mit wassergekühlten Servern entstanden.
(Bild: OVHcloud)
Nach Angaben der International Energy Agency verbrauchen Rechenzentren derzeit rund ein Prozent der weltweiten Stromerzeugung und sind für ein Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Rechenressourcen durch moderne Anwendungen in Zukunft immer weiter an. Den Stromverbrauch im Betrieb effizienter zu gestalten und zu reduzieren ist eine komplexe Herausforderung, zumal Rechenzentren ein wesentlicher Bestandteil des modernen Lebens sind.
Deswegen ist es notwendig, das Problem in seine Bestandteile zu zerlegen. Einer dieser Bestandteile ist der Bau. Laut Paul Lin von Schneider Electric kann der Bau 6,6 Prozent der Scope-3-Emissionen eines Gebäudes ausmachen – noch bevor der Strom eingeschaltet wird.
Doch die Auswirkungen können noch weitreichender sein: Oft müssen für den Bau von Rechenzentren bestehende Grünflächen weichen, zum Schaden der lokalen Umwelt. In Deutschland kommt es insbesondere in der Rhein-Main-Region um Frankfurt zu einer Verdichtung von Rechenzentren, da es sich um eine strategisch günstige Lage nah an dem größten Internet-Austauschknoten des DE-CIX handelt. Was wäre, wenn Betreiber gar nicht neu bauen, sondern bestehende Gebäude nutzten?
Brownfield-Ansatz versus Greenfield-Ansatz
Der Brownfield-Ansatz ist eine Möglichkeit, um CO2-Emissionen einzudämmen und Grünflächen zu erhalten – so gesehen ein Recycling von Gebäuden. Ein komplett neuer Bau einer neuen Infrastruktur oder eines Systems ohne bestehende historisch-gewachsene Infrastruktur entspricht dem Greenfield-Ansatz. Hier werden Projekte sprichwörtlich „auf der grünen Wiese“ geplant und umgesetzt.
Der Brownfield-Ansatz beschreibt hingegen die Nutzung bereits bestehender Systeme oder im Fall von Rechenzentren von bestehenden Industriegebäuden. Brownfield-Projekte beziehen sich auf die Entwicklung und Nutzung von bereits erschlossenem und bebautem Land. Für Rechenzentren bedeutet das: Bestehende Industriegebäude, die in einer Massivbauweise errichtet wurden, werden modernisiert und weiterverwendet. Diese Weiterverwendung und das „Recycling“ von bereits bestehenden Ressourcen, in diesem Fall von Gebäuden, bringt einige Vorteile für die Umwelt und für Unternehmen.
Vor- und Nachteile des Brownfield-Ansatzes
In Deutschland stehen laut dem Deutschen Brownfield Verband (DEBV) rund 150.000 Hektar ungenutzte Brachfläche in Kommunen zur Verfügung. Dies umfasst Industriegelände und weitere aktuell nicht genutzte Flächen.
Wenn Rechenzentrumsbetreiber ihre Infrastruktur in bereits bestehende Industriegebäude einbauen sollen/wollen, müssen dafür zwar einige Voraussetzungen erfüllt sein. Andererseits liegen viele Vorteile auf der Hand.
Zunächst einmal trägt der Ansatz zur Reduzierung des Flächenverbrauchs durch Rechenzentren bei. Darüber hinaus wird die Flächenversiegelung reduziert, was wiederum positive Auswirkungen auf die Umwelt hat, insbesondere auf den Wasserhaushalt.
In Deutschland fallen jedes Jahr schätzungsweise 20 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid durch die Herstellung von Beton und Neubau an, Tendenz steigend. Die Weiternutzung von bestehenden Gebäuden für Rechenzentren kann dazu beitragen, bestehende Ressourcen besser zu nutzen und dieser Tendenz entgegenzuwirken.
Ein weiterer Vorteil des Brownfield-Ansatzes besteht darin, dass CO2-Emissionen weder bei Abriss der Gebäude entstehen noch für den Neubau anfallen. Dies ist einer der wichtigsten Aspekte, denn die CO2-Emissionen bei einer Brownfield-Nutzung durch ein Rechenzentrum sind durchschnittlich vier Mal* niedriger als bei einem Neubau und einem Greenfield-Ansatz - rund -73 Prozent nach Berechnungen der OVHcloud-Nachhaltigkeitsabteilung.
Ein wesentlicher Effizienz-Vorteil von Brownfield-Projekten besteht darin, dass bereits grundlegende Infrastruktur wie Zufahrtsstraßen, Strom- und Wasserversorgung vorhanden ist. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist der Brownfield-Ansatz somit eine vorteilhafte Strategie für die Erweiterung von Rechenzentren. Abgesehen von den ökologischen Vorteilen ermöglicht der Ansatz zudem einen viel schnelleren Marktzugang für die Cloud-Betreiber als bei Greenfield-Projekten; denn die Dauer bis zur Inbetriebnahme ist erheblich kürzer als bei einem Neubau.
Aus diesem Grund versuchen wir bei dem europäischen Cloud-Anbieter OVHcloud, bestehende Einrichtungen so weit wie möglich wiederzuverwenden: 27 Rechenzentren von OVHcloud befinden sich in „recycelten“ Gebäuden, wodurch unnötige CO2-Emissionen im Zusammenhang mit dem Bau eingespart werden können.
Stand: 08.12.2025
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Kehrseite des Brownfield-Ansatzes
Die Industrie-Anlagen bei einem Brownfield-Ansatz müssen teilweise saniert und auf die neuesten Umwelt-Standards gebracht werden. Nun könnte man meinen, durch den Kauf einer alten Industrieanlage ließen sich auch einige Kosten sparen, weil kein neuer Beton gegossen, keine neuen Wände gezogen und kein Dach verlegt werden muss.
Meistens sind die Kosten für Umbau und Sanierung allerdings ähnlich hoch. Bei einigen Gebäuden entstehen beispielsweise Kosten für die Beseitigung von Altlasten oder Schadstoffen. Zudem sind bei der Wahl des Brownfield-Ansatzes die kreativen Freiheiten bei der Planung der Gebäude sehr eingeschränkt. Dafür werden bestehende Anlagen weitergenutzt und aufbereitet.
Beispiel-Projekt: Rechenzentrum in einer alten Druckerei
In Limburg an der Lahn, unweit von Frankfurt, gab es eine frühere Druckerei, die 2016 als das 21. Rechenzentrum von OVHcloud in Betrieb genommen wurde. Die massive Bauweise der Fabrik, die zur Herstellung schwerer Drucker und Geräte genutzt wurde, wies eine große Traglast auf und war somit optimal für das Hosting von Servern geeignet – so bekam die Halle aus dem analogen Zeitalter in Zeiten der Digitalisierung ein zweites Leben.
Später wurde das Rechenzentrum um eine zweite Anlage in einem bestehenden Nebengebäude erweitert. Viele der weltweiten Rechenzentren von OVHcloud haben oft einen historischen Hintergrund. OVHcloud gibt in diesem Beitrag Einblicke in die Geschichte und das „Vorleben“ der heutigen Rechenzentren.
die Kompatibilität der Hardware mit der Bauweise und die energetische Modernisierung sind nun einmal zwei wesentliche Aspekte, um die sich Betreiber von Rechenzentren im Vorfeld Gedanken machen sollten. Dennoch sind die Vorteile des Umweltschutzes und der reduzierten Flächenversieglung beträchtlich.
Die Flächenversiegelung
Gerade in Regionen wie dem Rhein-Main-Gebiet, wo es zu einer starken Konzentration von Industriegebäuden kommt und der Neubau laut Borderstep Institut in einigen Industriegebieten sogar begrenzt wurde, kann der Brownfield-Ansatz neue Möglichkeiten eröffnen und sollte vor dem Neubau eines Rechenzentrums grundsätzlich geprüft werden. Das richtige Gebäude und eine bedachte Immobilienwahl sind gute Hebel, um CO2-Emissionen einzusparen und die Flächenversieglung in bestimmten Regionen einzudämmen.
Nachhaltigkeit ist seit der Gründung von OVHcloud im Jahr 1999 ein wichtiger Teil der Mission des Unternehmens. Obwohl wassergekühlte Server und die vertikale Integration wahrscheinlich die größten Komponenten dieser Strategie sind, trägt auch alles andere – wie die Wiederverwendung von Einrichtungen – zur Verringerung der CO2-Belastung bei. Zusammengenommen summieren sich diese Reduce- und Recycling-Elemente und stellen sicher, dass die Cloud nicht nur Unternehmen hilft, innovativ und agil zu bleiben, sondern dass dies auch ohne Kompromisse bei der Nachhaltigkeit geschieht.