Das Projekt „Clover“ und die Souveränitätsfrage Tiktok baut zweites Milliarden-Rechenzentrum in Finnland

Von Paula Breukel 2 min Lesedauer

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Nach der 530-Millionen-Euro-Strafe der irischen Datenschutzbehörde und anhaltender politischer Kritik investiert Tiktok weitere eine Milliarde Euro in ein zweites Rechenzentrum in Finnland, diesmal in Lahti.

Tiktok ist besonders bei der jüngeren Generation beliebt: Auf der Plattform können sich Nutzer Kurzvideos anschauen. , doch die Datenschutzkommsion (DPC) kritisiert den chinesischen Anbieter heftig für serinen Umgang mit Nutzderdaten. (Bild:   / CC0)
Tiktok ist besonders bei der jüngeren Generation beliebt: Auf der Plattform können sich Nutzer Kurzvideos anschauen. , doch die Datenschutzkommsion (DPC) kritisiert den chinesischen Anbieter heftig für serinen Umgang mit Nutzderdaten.
(Bild: / CC0)

Der Kurzvideodienst Tiktok plant den Bau eines zweiten Rechenzentrums in Finnland. Standort ist Lahti im Süden des Landes, die Investitionssumme beläuft sich auf eine Milliarde Euro.

Das neue Rechenzentrum startet mit einer Anschlussleistung von 50 Megawatt und kann auf bis zu 128 Megawatt erweitert werden. Der Betrieb soll 2027 aufgenommen werden.

Day One, der Rechenzentrumsbetreiber hinter dem Projekt

Bereits im August 2025 berichtete DataCenter-Insider über das Rechenzentrumsvorhaben in Lathi: Damals hieß es, bei dem Investor/Betreiber handele es sich um den asiatischen Rechenzentrumsbetreiber Day One.

Day One investiert auch in ein Projekt des Betreibers Hyperco in Kouvola, Finnland. Auch die Anlage in Kouvola soll den Tiktok-Eigentümer Byte Dance versorgen soll. Hyperco gehört mehrheitlich zum Immobilien- und Rechenzentrumsentwickler Damac.

Day One ist ein junges Unternehmen. Es geht aus der der internationalen Einheit des chinesischen Betreibers GDS Anfang 2025 hervor und agiert als eigenständiges Unternehmen.

Was steckt hinter dem Projekt?

Tiktok, Tochtergesellschaft des chinesischen Konzerns Bytedance, ordnet das Vorhaben als Teil von „Project Clover" ein. Hinter dem Projekt steckt ein 12 Milliarden Euro schweren Datensouveränitätsprogramm, das die Speicherung europäischer Nutzerdaten auf europäischen Boden verlagern soll. Bisher liegen die Rechenzentren des Programms in Norwegen, Irland und den USA, ein erstes finnisches Zentrum in Kouvola soll noch in diesem Jahr in Betrieb gehen.

Diese Vorwürfe stehen gegen Tiktok im Raum

Das zweite Rechenzentrum kommt nicht von ungefähr. Im Mai 2025 verhängt die irische Datenschutzkommission (DPC) eine Strafe von 530 Millionen Euro gegen Tiktok. Grund hierfür: unzureichender Garantien beim Datentransfer in die Volksrepublik China und fehlender Nutzertransparenz. Tiktok ist dazu verpflichtet, seine Datenverarbeitung innerhalb von sechs Monaten DSGVO-konform zu gestalten.

Im Kern des Verfahrens: Tiktok hatte der DPC mitgeteilt, keine Daten europäischer Nutzer auf Servern in China zu speichern. Im April 2025 räumte das Unternehmen dann ein, dass es im Februar 2025 festgestellt hatte, dass doch europäische Nutzerdaten auf chinesischen Servern gelandet seien. Tiktok zufolge wurden die Daten inzwischen gelöscht. Die DPC prüft weitere Maßnahmen.

Die chinesische Social-Media- und Verkaufsplattform fechtet die DPC-Entscheidung an und verweist auf Standardvertragsklauseln sowie unabhängige Audits als Schutzmaßnahmen.

Parallel dazu ermittelt die EU-Kommission seit Februar 2026 wegen möglicher Verstöße gegen den Digital Services Act (DSA), konkret wegen suchtfördernder Algorithmen. Auch hier bestreitet Tiktok die Vorwürfe.

Warum Tiktok in Finnland baut

Die nordischen Länder sind als Standorte für Großrechenzentren gefragt, weil das kühle Klima den Energiebedarf für Kühlung senkt und große Mengen CO2-armer Strom verfügbar sind. Neben Tiktok haben Microsoft und Google in Finnland bereits Kapazitäten aufgebaut. Lahti-Bürgermeister Niko Kyynäräinen erklärt, die Investition sei für die Stadt substanziell und der Mietvertrag bereits unterzeichnet.

Doch beim ersten finnischen Rechenzentrum in Kouvola hat es Widerspruch aus der Politik gegeben. Finnlands damaliger Wirtschaftsminister Wille Rydman rät öffentlich das Projekt zu überprüfen und äußert Sicherheitsbedenken. Doch 2024 genehmigt das Verteidigungsministerium die Investition.

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