„Künstliche Intelligenz statt Kohle“ Schwarz Digits startet Milliardenprojekt für KI-Rechenzentrum in Lübbenau

Von Paula Breukel 2 min Lesedauer

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Auf dem früheren Kraftwerksgelände in Lübbenau entsteht bis Ende 2027 ein Rechenzentrum der 200-Megawatt-Klasse. Schwarz Digits investiert 11 Milliarden Euro in KI-Infrastruktur, Grünstrombetrieb und Fernwärmeversorgung für die Region.

Der feierliche Spatenstich in Lübbenau: Schwarz Digits setzt einen Meilenstein für digitale Souveränität "made in Germany".(Bild:  Schwarz Digits)
Der feierliche Spatenstich in Lübbenau: Schwarz Digits setzt einen Meilenstein für digitale Souveränität "made in Germany".
(Bild: Schwarz Digits)

Schwarz Digits, die IT- und Digitalsparte der Schwarz Gruppe, setzt im brandenburgischen Lübbenau einen neuen Ankerpunkt für die eigene Cloud- und KI-Strategie. Auf 13 Hektar des ehemaligen Kohlekraftwerks entsteht ein Rechenzentrumscampus, den das Unternehmen als eines der modernsten in Europa positioniert. Insgesamt fließen 11 Milliarden Euro in Planung, Bau und Betrieb. Das ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Schwarz Gruppe.

Das Areal wird im Rahmen einer Brownfield-Entwicklung zurückgebaut und in den Campus integriert. Mehrere zehntausend Kubikmeter Beton, Stahl und Holz werden getrennt, recycelt und in den Wertstoffkreislauf der Unternehmensgruppe zurückgeführt. Das Projekt folgt damit der Kreislaufstrategie „REset Resources“, die Ressourcenverbrauch senken und Materialien im Konzern wieder nutzbar machen soll.

200 Megawatt Anschlussleistung und bis zu 100.000 GPUs

Der erste Bauabschnitt des Schwarz Digits Datacenter mit drei Modulen soll bis Ende 2027 stehen. Geplant ist eine Anschlussleistung von zunächst rund 200 Megawatt. Perspektivisch lassen sich auf dem Campus bis zu 100.000 spezialisierte Grafikprozessoren installieren, die für Training und Inferenz großer KI-Modelle ausgelegt sind. Die Dimensionen orientieren sich an dem, was die EU-Kommission unter einer AI Gigafactory versteht.

Stackit, die unternehmenseigene Cloud-Plattform, betreibt in Lübbenau künftig ihr fünftes Rechenzentrum. Zusammen mit Angeboten wie XM Cyber für Cybersicherheit, Partnerschaften mit Aleph Alpha im Bereich Künstliche Intelligenz und Wire für sichere Kommunikation entsteht ein Infrastrukturverbund, der sich explizit an europäische Kunden aus Wirtschaft, Verwaltung und Forschung richtet.

In der Tagesschau wurde die Bedeutung des Projekts für die Schwarz Gruppe zugespitzt. Dort hieß es, Digitalisierung und Daten bildeten inzwischen „die Grundlage jedes Unternehmens“, man rechne in der Gruppe „mittlerweile eine Milliarde KI-Entscheidungen jede Nacht“. Entsprechend hoch stuft das Management die Rolle einer unabhängigen Infrastruktur für das eigene Ökosystem ein.

Abwärme, Fernwärme und Grünstrom

Der Campus ist auf einen Regelbetrieb mit Grünstrom ausgelegt. Auf den Gebäuden entstehen Photovoltaikflächen mit einer geplanten Jahreserzeugung von bis zu 520.000 Kilowattstunden. Die Server erhalten Direct-Liquid-Cooling, also eine direkte Flüssigkühlung mit hoher Vorlauftemperatur. Die dabei entstehende Abwärme von bis zu 50 Grad Celsius fließt ab 2028 in das Fernwärmenetz des regionalen Versorgers Süll.

Nach Angaben der Investoren kann die Abwärme perspektivisch rund 75.000 Haushalte in Lübbenau und Umgebung mit Wärme versorgen. Die Tagesschau fasste die Transformation des Standorts als Wandel von „Künstliche Intelligenz statt Kohle“ zusammen.

Politischer Rückenwind für digitale Souveränität

Beim Spatenstich setzte Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung Karsten Wildberger von der CDU einen klaren politischen Rahmen. Er knüpfte das Projekt direkt an die deutsche KI-Strategie und den Anspruch, eigene Infrastrukturkapazitäten aufzubauen. Wildberger betonte, Deutschland brauche Rechenleistung, um bei Künstlicher Intelligenz in der ersten Liga mitzuspielen, und verwies auf die Rolle leistungsfähiger Rechenzentren für Wettbewerbsfähigkeit und technologische Fähigkeiten.

Er hob den Souveränitätsaspekt hervor: Schwarz Digits schaffe hier Rechenkapazitäten, Speicher und sichere Räume, „die uns unabhängiger machen“ und Kapazitäten, „die Unternehmen, Behörden und Forschung in Europa ermöglichen, ihre digitale Agenda selbstbestimmt zu gestalten, frei von ungewollten Abhängigkeiten“.

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