Rechenzentren beschwören im Rhein-Main-Gebiet Konflikte herauf. Stadt und Umland suchen den richtigen Weg zwischen wirtschaftlichem Wachstum der Region und anderen Interessen.
Frankfurts Gewerbeflächenentwicklung in Bezug auf Rechenzentren ist umstritten.
Die Veranstaltung auf dem Kongress „Bits und Bäume“ Anfang Oktober war denkwürdig (siehe auch:„Bits & Bäume; Widersprüche, neue Ziele und der Energieschock: Neuorientierung nötig!“) . Vor dem vollen Saal referierte ein Vertreter der Lokalen Agenda 21 von Offenbach die Vorbehalte von Nachhaltigkeitsaktivisten und Umweltschützern gegen Rechenzentrumsansiedlungen.
Kongruenzen zwischen Datacenter-Branche und Umweltschützern
Zudem beklagte der Vertreter der Umweltbewegung, dass die Planungsprozesse in Frankfurt nicht partizipativ angelegt seien. Hier bewegen sich die Nachhaltigkeits- und Umweltaktivisten durchaus im Einklang mit der Datacenter-Branche, etwa bei fehlender Planungspartizipation und fehlende Regulierung und Planung für eine sinnvolle Abwärmenutzung.
Immerhin schaffte die Berliner Konferenz neue Kommunikationskanäle: Im Auditorium der zitierten Veranstaltung wandte sich ein Vertreter der Co-Location-Branche im Publikum an den Referenten: „Ich bin sehr froh, hier zu sein und Sie endlich kennenzulernen!“ Ob dies inzwischen zu vertieften Gesprächen geführt hat, ist nicht bekannt – Adressen wurden jedenfalls ausgetauscht.
Nicht zuständig? Der Regionalverband
Rund 70 größere Rechenzentren gibt es im Einzugsbereich des Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main, weitere sind geplant. Verbandsdirektor Thomas Horn spricht Klartext: „Hinsichtlich der Rechenzentren gibt es im Regionalverband nichts zu planen.“
Die Rechenzentren unterlägen, so Horn, voll dem Baurecht der Kommunen, sie allein könnten also darüber entscheiden, wo welche gebaut werden. Ein Eingriff auf Ebene des Regionalverbandes sei rechtlich schlicht nicht vorgesehen.
„So manche Gewerbebrache und so mancher toxische Boden wird von Datacenter-Betreibern saniert“, lobt Horn. Schließlich hätten manche der Betreiber das nötige Geld für solche Vorhaben.
Und so mischte der Regionalverband auch nur bei zwei der 70 Rechenzentrumsbauten planerisch mit. Einmal handelte es sich um die Umwidmung einer Tierkörperbeseitigungsanstalt, einmal um das ehemalige Staudinger-Kraftwerk, eine Konversionsfläche.
Rechenzentrumsbauten seien ansonsten aus heutiger Sicht grundsätzlich in jedem Gewerbe- oder Mischgebiet möglich. Horn: „Sie sind kein Sonderbau. So lange sich also ein zwei- bis dreistöckiges Rechenzentrum in die Umgebung einfügt, gibt es dagegen keine rechtlichen Einwände.“
Frankfurt als Drehscheibe und Dienstleister
Im Übrigen sei es nicht nur aus Sicht der Rechenzentrumsbetreiber, sondern auch aus übergeordneten Gesichtspunkten sinnvoll, die Rolle Frankfurts und seines Umlandes als Datacenter-Drehscheibe beizubehalten. „Aus Verzögerungsgründen wollen sich die meisten Rechenzentren maximal 25 bis 30 Kilometer entfernt von Frankfurt ansiedeln“, erklärt Horn. Die Ansiedlung sei überdies durch die Verteilung von Stromzuleitungen und Digitalkabeln begrenzt.
"Das Umland will sich gastfreundlich für RZ zeigen, und wir fördern das": Thomas Horn, Direktor des Regionalverbandes FrankfurtRheinMail.
(Bild: Rüdiger)
Er verstehe die restriktive Frankfurter Politik (Details siehe unten), obwohl Rechenzentren glänzend zu Frankfurt als Bankenmetropole passten. „Das Umland will sich aber gastfreundlich zeigen, und wir fördern das“, sagt er. Schließlich erbringe der Frankfurter Raum mit seiner Drehkreuzfunktion eine Dienstleistung für ganz Deutschland, ja ganz Europa.
Horn: „Durchschnittlich 10 Terabit pro Sekunde (TBit/s) fließen aktuell durch den Inernet-Knoten DE-CIX. Das entspricht der Übertragung von 2,2 Millionen Videos in HD-Qualität zur gleichen Zeit.“ Die Digitalisierung sei nicht nur der Wachstumsmotor für Frankfurt, sondern letztlich für die gesamte deutsche Wirtschaft.
Was das Umweltthema angeht, lohne sich durch die Preisanstiege manche Datacenter-Nachhaltigkeitstechnologie, an die noch vor kurzem keiner ernsthaft gedacht habe, etwa Wasserkühlung oder Abwärmenutzung.
Stand: 08.12.2025
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Wunschvorstellung: Größer denken in der Region
In dieser Beziehung ist er sich mit Michael Krtsch von der Wirtschaftsförderung in Dietzenbach durchaus einig. Am Rand der 35.000-Einwohner-Gemeinde werden zwei größere Rechenzentren angesiedelt. Dabei würden Betreiber, Stadt und Stromnetzbetreiber ganz konkret kooperieren: Sie versuchten zu definieren, was für die Abwärmenutzung gebraucht wird und wer die Leistungen zahlt.
"RZ-Thema in Bezug auf die Region größer denken": Michael Krtsch, Wirtschaftsförderung Dietzenbach.
(Bild: Wirtschaftförderung Dietzenbach/Krtsch)
Krtsch würde sich allerdings wünschen, dass man „das Thema in Bezug auf die Region größer denkt.“ Dazu gehöre etwa eine strategische Flächenplanung für Wärme und Strom. „Das Stückwerk von heute hat nichts mit Modernität zu tun“, meint er.
Überregionale Koordination und Regulierung fehlen
Donald Badoux, Geschäftsführer Marketing, Vertrieb und Consulting des Datacenter-Entwicklungs- und Bauunternehmens Data Center Group kann ebenfalls verstehen, was Frankfurt macht. „Frankfurt ist ein Hot Spot, da muss man steuernd eingreifen“, meint er. Den fehlenden Dialog mit der Branche bedauert er aber. Außerdem, so Badoux, fehle es an überregionaler Koordination.
Im Übrigen brauche die Branche eine „Regulierung, die Sinn macht“ (Badoux). Beispielsweise würden die Rechenzentren durchaus Abnehmer für ihre Wärme suchen. Doch dafür wären Fördergelder der entsprechende Maßnahmen der Kommunen nötig.
Eine große Herausforderung seien Dieselaggregate für die Notstromversorgung. Allerdings gelte das nur, bis genügend Wasserstoff verfügbar sei. Dann werde schnellstmöglich darauf umgestellt.
Ansonsten habe man außerhalb Frankfurts erheblich weniger Restriktionen, könne also dort bauen. Das tut die Data Center Group bereits mit Erfolg: In Bad Vilbel errichtet sie beispielsweise ein Rechenzentrum zusammen mit den dortigen Stadtwerken (siehe: „Der Bauantrag ist gestellt; Die Data Center Group plant in Bad Vilbel ein Rechenzentrum“). Auch an der Universität Mainz ist ein größeres Rechenzentrumsvorhaben in Planung, weitere in Hofheim/Taunus und Schwalbach.
Zankapfel Gewerbeflächen-Entwicklungsplan in Frankfurt
Der oben angesprochene Zankapfel ist das Gewerbeflächen-Entwicklungsprogramm der Stadt Frankfurt am Main, das in diesem Jahr um die Thematik unternehmensunabhängiger Rechenzentren erweitert wurde. Es schafft oder ändert als so genannte informelle Planung selbst keine Bau- und Nutzungsrechte, sondern klärt und beschreibt die Zielvorstellungen der Stadt.
Diese werden dann sukzessive durch die Aufstellung oder Änderung von Bebauungsplänen umgesetzt. Dabei erfolge, so Peter Kreisl vom Stadtplanungsamt Frankfurt, stets eine Beteiligung der Betroffenen und der Öffentlichkeit.
Gewerbliche Bauflächen im Stadtgebiet dienten vielfältigen gewerblichen und industriellen Nutzungen. Im Interesse einer diversifizierten Wirtschaftsstruktur sei es seit vielen Jahren das Ziel der Stadt, diese Vielfalt zu erhalten, so Kreisl.
Rechenzentren als Bodenpreistreiber
Warum Recehnezntren auf Eignungsflächen konzentriert werden, weiß Kreisl: „Wir betrachten das durch die städtebauliche Brille und haben alle Funktionen in der Stadt im Blick. Es kann daher nicht auf jeder Fläche ein Rechenzentrum möglich sein."
Er setzt hinzu: „Die Datacenter-Branche ist sehr finanzkräftig. In Stadtvierteln, wo sich Rechenzentren ansiedeln, schießen die Bodenpreise in die Höhe. Die Dynamik erzeugt bodenrechtliche Spannungen: Ein mittelständischer Handwerksbetrieb wie eine Autowerkstatt kann sich das nicht mehr leisten.“ Ziel sei es daher, Datacenter auf Eignungsgebiete zu konzentrieren, um nicht für die Bürger ebenso wichtige Betriebe wie etwa Handwerker zu verdrängen.
Dialog wird fortgesetzt
Immerhin spricht man miteinander: Schon im Jahr 2021 fand im Oktober ein Impulsforum Rechenzentren des Regionalverbandes Frankfurt/Rhein-Main statt, zu dem jeder Interessierte Zugang hatte. Auch der Planungsdezernent der Stadt Frankfurt war dort. Eine Broschüre, die die Beiträge der Veranstaltung zusammenfasst, lässt sich kostenlos herunterladen.
Im Sommer diesen Jahres gab es eine gemeinsame Veranstaltung mit IHK Frankfurt und der German Datacenter Association (GDA) zum Thema, um den Dialog mit Betreibern fortzusetzen. Und in diesem Monat findet in Frankfurt wieder ein Fachgespräch mit Branchenvertretern statt - um den Dialog zu vertiefen.