Datacenter und ihre Nachhaltigkeit sind in den letzten Jahren mehr und mehr in den Fokus von Öffentlichkeit und Politik gerückt. Das ist nicht zuletzt durch den hohen Energiebedarf von neuen großen Rechenzentren mit Leistungsaufnahmen bis in den dreistelligen Megawatt-Bereich begründet. Setzt sich dieser Trend fort?
Bis 2030 könnte sich der weltweite Energiebedarf der Rechenzentren verdoppeln. Und in Deutschland?
Kommt jetzt der Edge-Boom? Und wie wird sich der Energiebedarf von Rechenzentren in Zukunft entwickeln?
Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Der Markt entwickelt sich dynamisch und die Prognosen von Marktexperten, Analysten und Wissenschaftlern kommen oft zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. So wird seit Jahren ein enormer Boom im Edge-Markt vorhergesagt. 2017 stellte Gartner die Prognose auf, dass der Anteil der Unternehmensdaten, die außerhalb von zentralen Rechenzentren generiert und verarbeitet werden, von 10 Prozent auf 50 Prozent bis zum Jahr 2022 ansteigen wird.
Dass diese Prognose eingetreten ist, kann zumindest angezweifelt werden. Der Markt für Edge Rechenzentren wächst zwar deutlich, ist aber bislang im Verhältnis zum Marktvolumen der großen Hyperscale-Rechenzentren noch sehr klein. Auch zur Frage, wie viele Unternehmen aktuell bezahlte Cloud-Dienste nutzen, kommen die Untersuchungen von Analysten und statistischen Ämtern zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.
Analysten sind sich einig: Kapazitäten der Rechenzentren werden weiter wachsen
In einem Punkt sind sich aber die meisten Studien und Prognosen einig: Die weltweiten Kapazitäten von Rechenzentren wachsen seit Jahren sehr deutlich und werden auch in Zukunft wachsen.
Die Digitalisierung erfordert mehr und mehr Rechenleistung, sei es nun zentral oder dezentral. So wird ein deutliches Wachstum im Servermarkt vorhergesagt, auch die Leistung der Server wird durch den technischen Fortschritt weiter deutlich ansteigen.
Aber was bedeutet das für den künftigen Energiebedarf der Rechenzentren? Hier gehen die Meinungen sehr deutlich auseinander. Einige Experten - nennen wir sie „Öko-Pessimisten“ - gehen von enormen Steigerungen des Energiebedarfs aus. Für das Jahr 2030 findet man Prognosen, die einen Anstieg um den Faktor fünf bis zehn im Vergleich zu 2010 prognostizieren.
Andere Experten erwarten, dass sich durch Effizienzsteigerungen und Verlagerungen in die Cloud der Anstieg des Energiebedarfs der Rechenzentren in Grenzen halten wird – im besten Fall wird sogar ein Rückgang des Energiebedarfs angenommen. Diese Experten können durchaus als „Effizienz-Optimisten“ bezeichnet werden.
Verdopplung des weltweiten Energiebedarfs der Rechenzentren bis 2030 möglich
Ein „Markt-Realist“ würde die tatsächliche Entwicklung irgendwo zwischen den Extremprognosen sehen. Bis 2030 könnte sich der Energiebedarf der weltweiten Rechenzentren gegenüber dem aktuellen Stand noch einmal verdoppeln. Denn die steigende Effizienz der Systeme ist mit einer deutlichen Zunahme ihrer Leistungsfähigkeit verbunden. Das führt zu immer mehr möglichen Anwendungen, die wiederum den Bedarf an Rechenleistung erhöhen und Investitionen in Rechenzentren lohnend machen.
Es spricht daher einiges dafür, dass auch in Zukunft Rechenzentren immer mehr Strom brauchen werden. Ein kurzfristiger extremer Anstieg ihres Strombedarfs ist allerdings voraussichtlich allein aus praktischen Gründen nicht wahrscheinlich. Schließlich müssten die zusätzlichen IT-Geräte und Rechenzentrumsgebäude auch erst gebaut werden.
Da braucht Zeit und Geld. Und den zusätzlich benötigten Strom wird es auch nicht zum Null-Tarif geben.
Wohin geht die Entwicklung in Deutschland?
In Deutschland ist der Energiebedarf von Rechenzentren in der Vergangenheit kontinuierlich angestiegen. Allein im Stadtgebiet Frankfurt ist der von den Energieversorgern gemessene Stromverbrauch der großen Rechenzentren zwischen 2017 und 2022 um fast 130 Prozent auf knapp 2,4 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr angestiegen.
Auch der Immobiliendienstleister CBRE bestätigt mit seinen Analysen, dass sich die Kapazitäten der Rechenzentren in den europäischen Top-Standorten Frankfurt, London, Amsterdam, Paris und Dublin im genannten Zeitraum mehr als verdoppelt haben. Für Deutschland errechnet das Borderstep-Institut ein Wachstum des Energiebedarfs der Rechenzentren um 35 Prozent auf fast 18 Milliarden Kilowattstunden zwischen 2017 und 2022.
Aber wie wird es in Zukunft weitergehen? Die Frage ist insbesondere, wie sich das weltweite Wachstum der Kapazitäten künftig verteilen wird? Werden, wie in der Vergangenheit, vor allem in den USA und China die meisten neuen Rechenzentren gebaut? Wir stark wachsen Märkte wie Südamerika und Afrika? Und welche Rollen spielt Deutschland künftig im Rechenzentrumsmarkt?
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Wächst der Markt noch stärker als in den letzten Jahren, so könnte sich der Energiebedarf sogar auf über 33 Milliarden Kilowattstunden erhöhen. Nur im Fall einer Abwanderung von Rechenzentren ins Ausland wäre es denkbar, dass sich der Energiebedarf der Rechenzentren in Deutschland gegenüber heute nicht mehr merklich erhöht.
Unrealistisch ist keines der Szenarien.
Welche dieser Entwicklungen wird nun eintreten? Unrealistisch ist keines der Szenarien. Wenn wir in Deutschland eine wirkliche Zukunftsvision zum Thema Digitalisierung und Rechenzentren hätten, wäre es einfacher, hier eine Prognose zu treffen. Aber diese Vision fehlt leider noch, wie bereits im Rahmen dieses Blogs diskutiert. Wir sollten schnellstens damit beginnen, eine zu entwickeln!
*Der Autor Dr. rer. pol. Ralph Hintemann ist Gesellschafter und Senior Researcher am Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit. Sein wissenschaftliches Interesse gilt insbesondere den Nachhaltigkeitspotenzialen der Digitalisierung. Im Mittelpunkt seiner Forschungstätigkeit stehen Innovationsstrategien, neue Geschäftsmodelle für Nachhaltigkeitsinnovationen und die Erfolgsfaktoren für die Diffusion neuer Produkte und Technologien. Sein Fazit lautet: „So oder so: Es bleibt spannend, für die Branche, für die Investoren, für die Politik und auch für Analysten und Wissenschaftler. “