Weltweit sind militärische Organisationen involviert, wenn es um Quantanecomputing geht. Kein Wunder, setzt die kommende Rechenleistung zum einen bisherige Sicherheitsstandards außer Kraft, so dass etwa die Verschlüsselung neu erfunden werden muss, das Stichwort lautet: Post Quantum Cryptography. Zugleich ergeben sich in alllen Belangen, von neuen Materialien bis zur Logistik, neue Chancen und Herausforderungen.
Auf dem Quanten-Summit des Bitkom haben sich Militärexperten um die Frage gekümmert, warum Quantencomputing auch eine Aufgabe nationaler Verteidigung sein muss.
Welche Auswirkungen hat die Quantentechnologie als (vermutliche) Sprung-Innovation auf die sicherheitspolitischen Aktivitäten weltweit: Das war auch das Thema einer Expertenrunde auf dem Quantensummit des IT-Verbands Bitkom e.V. Die Diskussion war anregend und die Diskutanten fachlich ausgewiesene Physiker und Informatiker. Aber: Wie diskutiert man die Auswirkungen einer Technologie, die sich in ihrer konkreten Gestalt selbst erst noch konstituiert?
Klar scheint Stand heute, dass die Quantentechnologie in den nächsten Jahrzehnten Messtechnik, Kommunikationstechnik, Kryptografie und nicht zuletzt die Rechentechnik „disruptiv“ prägen wird. Doch keine seriöse Wissenschaftlerin und kein seriöser Wissenschaftler kann im Moment halbwegs verlässlich prognostizieren, welche Technologie(n) sich beispielsweise bei den Quantenrechnern durchsetzen werden:
Die Vielfalt der quantenphysikalischen Zustände, mit denen derzeit experimentiert wird und auf deren Basis in den nächsten Jahren praxistaugliche Rechner entwickelt werden sollen, ist groß.Trotzdem kann es durchaus sein, dass schlussendlich keiner der heutigen Ansätze sich über ein gewisses Demo-Stadium hinaus als praktikabel und finanzierbar erweist.
Quantentechnologie und die „Schlacht um Daten“
Angesichts dieser Sachlage mussten Thierry Botter, stellvertretender F&E-Chef bei Airbus, Professor Gabi Dreo Rodasek, Professorin an der Bundeswehr-Uni und in leitender Funktion bei dem EU-Projekt Concordia für Cyber-Sicherheit engagiert, sowie Mark Mattingley-Scott, „Quantum Ambassador“ bei IBM als Teilnehmer der Expertenrunde einigen prognostischen Mut zeigen.
Diesen Mut, gepaart mit ethischem Verantwortungsbewusstsein, zeigte ganz besonders der Letztgenannte: Er beschrieb sehr plastisch die potenzielle disruptive Kraft der Quantentechnologie beim künftigen weltweiten Kampf um Ressourcen, etwa Wasser, Nahrung und Rohstoffe.
Die Quantentechnologie bringe mit ziemlicher Sicherheit eine neue Qualität in die Auswertung diesbezüglicher Daten und in die Nutzung entsprechender Informationen. Und letztlich gehe es bei bewaffneten Konflikten ja immer um Aneignung oder Verteidigung von solchen Ressourcen. Er plädierte dafür, die Quantentechnologie im sicherheitspolitischen Umfeld als Stabilitätsanker zu definieren und entsprechend zu handhaben und nicht als Mittel der Aggression.
Professor Gabi Dreo Rodasek betonte in ihren Beiträgen die gegenwärtige Asymmetrie von Angreifer und Verteidiger und formulierte die Erwartung, dass durch Techniken wie Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen, deren Wirkung durch die Quantentechnologie noch einmal deutlich verstärkt werde, diese Asymmetrie deutlich verringert oder gar egalisiert werden könne. IBM-Mann Mattingley-Scott (siehe sein Beitrag:„Das Rechnen mit Qubits übertrifft alle Erwartungen Bitkom: Quantencomputing ist Zukunft und die beginnt jetzt“) sah das im Prinzip genauso, plädierte aber in diesem Zusammenhang für die Begriffe „Destabilisierendes Element“ und „Stabilisierendes Element“ statt „Angreifer“ und „Verteidiger“, eine im sozio-technischen Kontext sicher nicht unwichtige Differenzierung.
Dr. Thierry Botter vom Luftfahrt- und Raumfahrtkonzern Airbus wies besonders auf schon praxiserprobte quantentechnologische Sensorik hin, die die Freiheitsgrade von autonomen Waffensystemen erweiterten und dadurch neue strategische Konstellationen erzeugten. Solche neuen strategischen Konstellationen ergäben sich vor allem auch im Weltraum, ergänzte Dr. Mattingley-Scott. Hier könne sich künftig ein Riesen-Unterschied ergeben gegenüber dem, was mit „Nicht-Quanten-Computing“ möglich sei. Wobei das englische Wort „Space“, das er benutzte, insofern treffender als das deutsche Wort „Weltraum“ ist, weil es ganz von selbst auch den „Cyberspace“ impliziert, der im Grunde von allen drei Diskutanten als ein wesentliches „neues Schlachtfeld“ ausgemacht wurde.
Forschungsleistungen in die Praxis transferieren
Ungeachtet gewisser Nuancen bei der Definition und der Beurteilung sicherheitspolitischer Konstellationen waren sich alle drei Diskutanten darin einig, dass Europa in der Quantentechnologie eine führende Rolle spielen muss und auch kann. Professor Dreo Rodasek stellte fest, dass die derzeit in Europa laufenden nationalen Programme und die gleichzeitig installierten EU-Programme absolut notwendig seien, um die digitale Souveränität Europas zu sichern beziehungsweise wiederzuerlangen. Im Übrigen müssten nationale und EU-weite Initiativen noch besser verzahnt werden.
Airbus-Manager Botter stellte das von ihm vertretene Unternehmen in diesem Zusammenhang als Vorbild für Integration heraus. Man lebe seit Jahrzehnten ganz konkret die europäische technologische Integration.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Mattingley-Scott sah die europäische Forschung in Sachen Quantentechnologie hervorragend aufgestellt, speziell auch in Deutschland, man müsse jetzt nur konsequent diese gute Position in marktfähige Produkte umsetzen. Er könne sich gut vorstellen, dass in einigen Jahren auf den Chips, Platinen und sonstigen Komponenten eines Rechners, Funksenders oder Sensors auf quantentechnologischer Basis kein koreanischer oder chinesischer Firmenname stünde, sondern einer aus Frankreich, Deutschland oder Schweden.
Der Tenor der Diskutanten war klar: Auch wenn wir derzeit noch nicht genau wissen, wo in zehn Jahren der quantentechnologische Mainstream verlaufen wird, so können wir doch sagen, dass sich viele Geschäftsmodelle durch die Quantentechnologie radikal ändern werden, nicht zuletzt auch die „Geschäftsmodelle“ in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik.