IPAM wird auch für den Mittelstand erschwinglich und notwendig Netzwerkmanagement kann durch IPAM sicher und kompliant gemacht werden
Bisher beschränkte sich das IP-Adressen-Management (IPAM) vornehmlich auf sehr große Unternehmen und Carrier. Doch Technologien wie VoiP und Wireless lassen die Adressenzahl explodieren. DataCenter-Insider sprach mit Branko Miskov, Director Product Management, BlueCat Networks, über die Perspektiven von IPAM im Mittelstand.
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DataCenter-Insider:
Obwohl das Konzept von IPAM (IP-Adressen-Management) nicht neu ist, haben viele Administratoren keine genaue Vorstellung, was diese Technik leistet. Woran liegt das?
Miskov:
Dafür gibt es sicherlich verschiedene Ursachen: IP-Adressen-Management an sich ist nichts Neues und es existieren sehr unterschiedliche Lösungen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt hat sich auch die Notwendigkeit bzw. Notwendigkeit von IP-Adressen-Management für ein mittelständisches Unternehmen nicht so klar abgezeichnet.
In vielen Unternehmen sind Spreadsheets üblich. Nicht unbedingt eine besonders anwenderfreundliche Lösung, aber auf den ersten Blick ohne zusätzliche Kosten. Üblicherweise werden diese Listen in der Netzwerkabteilung von verschiedenen Personen gepflegt.
Wir beobachten jetzt aber, dass immer mehr Kunden sich von Spreadsheets verabschieden, allein aufgrund der steigenden Zahlen von IP-Adressen, die sie heute in einem Unternehmen managen müssen. Global ablaufende Geschäftsprozesse und die Struktur des Netzwerks werden immer komplexer, umso mehr als konvergente Netze inzwischen Realität sind.
DataCenter-Insider:
Welche Leistungsmerkmale sollte eine IPAM-Lösung enthalten?
Miskov:
Eine IPAM-Lösung sollte sich vor allem an den Bedürfnissen der Kunden orientieren: eine hochverfügbare Lösung, die sich skalieren lässt und den vielfältigen Regularien Rechnung trägt, Compliance ist hier das Stichwort.
Zusätzlich gibt es bei Unternehmen natürlich viele Fragezeichen hinsichtlich der Zusammenführung und Migration aus bereits bestehenden Lösungen. Auch hier sollte eine IPAM-Lösung die entsprechenden Werkzeuge bereitstellen und durch Schnittstellen auch die Zukunftsfähigkeit im Hinblick auf IPv6 gewährleisten, respektive das Betreiben von gemischten IPv4 und IPv6-Netzwerken erlauben.
Ganz entscheidend ist neben einem zentralisierten Management auch eine Architektur, die den Service-Layer, also DNS und DHCP, vom Management-Layer separiert.
DataCenter-Insider:
Welche technischen Funktionen sollte eine IPAM-Lösung anbieten?
Miskov:
Technologisch sollte eine echte IPAM-Lösung über die folgenden Funktionalitäten verfügen: Das Modellieren von IP-Daten ist ein wichtiges Leistungsmerkmal, damit das Modell des Netzwerks in Hierarchie und Struktur dem realen Netzwerk des Unternehmens auch tatsächlich entspricht.
Eine IPAM-Lösung sollte auch DNS und DHCP verbinden können. Dadurch lassen sich Informationen in Echtzeit dynamisch integrieren, ein Vorgang, der bis zu 75 Prozent aller im Unternehmen befindlicher IT-Daten betreffen kann.
Audit Trails sind wichtig für Compliance-Anforderungen. Sie erlauben das chronologische Nachverfolgen von Änderungen und historischer IP-Daten.
Granulare Zugangskontrollen erlauben es, einzelne Bereiche und Konfigurationen an andere Administratoren zu delegieren, seien es DNS-, DHCP- oder Netzwerk-Administratoren.
Die IPAM-Lösung sollte sich mit bestehenden Content- und Asset-Management-Systemen integrieren lassen.
Und zu Letzt muss eine Lösung sowohl den IPv4- als auch IPv6-Adressenraum steuern können, nur so ist eine problemlose Migration möglich.
DataCenter-Insider:
Sie haben jetzt einen Appliance auf den Markt gebracht, die IPAM für den Mittelstand attraktiv macht. Welchen Vorteil hat ein Mittelständisches Unternehmen davon?
Miskov:
Der Vorteil einer IPAM-Lösung, wie wir sie jetzt auch für mittelständische Unternehmen anbieten, liegt darin, dass sie die statische und dynamische Vergabe von IP-Adressen mit DNS verbindet. IP-Adressen-Management fällt in den Bereich „unternehmenskritisch“ und „auftragsentscheidend“ und Sicherheit ist schlicht für jedes Unternehmen relevant. Die Probleme kleinerer Unternehmen unterscheiden sich hier nicht von denen größerer.
IP-basierte Mobile-Services benötigen wiederum zwingend IPv6, gleichzeitig ist die Forderung nach einem zentralen und relativ einfach zu handhabenden Management in mittelständischen Unternehmen besonders hoch. Hier gibt es weniger IT-Personal und eventuell auch weniger in diesem Bereich erfahrene Mitarbeiter. Netzwerken, die VoIP und Wireless beinhalten, ist mit Spreadsheets nicht mehr beizukommen, und Compliance-Anforderungen richten sich an alle Unternehmen, ebenfalls vollkommen unabhängig von der Größe. Ebenso müssen bestehende Investitionen gesichert werden, um die Kosten auf Dauer kalkulierbar zu halten – was am besten mit dedizierten Appliance-Lösungen funktioniert.
DataCenter-Insider:
Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung von IPAM?
Miskov:
Das IP-Adressen-Management hat zwei Teile, den IP-Adressen-Anteil und dann den Management-Part. Ursprünglich lag das Augenmerk auf dem IP-Adressen-Teil und darauf wie sich IP-Adress-Daten mit einem einzigen System am besten nachvollziehen lassen. Es gibt eine ganze Menge Produkte auf dem Markt, die diesen Part zufrieden stellend erledigen. Wo sich der IPAM-Markt aber ganz klar hinbewegt ist der eigentliche unternehmensweite Management-Part. Je mehr sich die unterschiedlichen Formen von IPAM etablieren, desto mehr werden Unternehmen versuchen, Aufwand und Kosten für das Management dieser Systeme entsprechend zu verringern.
DataCenter-Insider:
Verändert IPAM das Netzwerkmanagement?
Miskov:
IPAM wird zum Auslöser für eine neue Art von Netzwerk und Netzwerkmanagement. Diese Plattformen halten die kompletten IP-Daten im Netzwerk vor und können genutzt werden, um anderen Devices im Netzwerk wertvolle, zusätzliche Informationen zu liefern.
Sie können dazu dienen, Router zu konfigurieren, Switches einzusetzen oder auch Regeln für die Firewall zu definieren – alles Aspekte, die dazu beitragen, drastisch an Zeit zu sparen und Ressourcen zu schonen. Inwieweit sich IPAM mit anderen Netzwerkkomponenten integrieren lässt, wird ganz entscheidend für die Weiterentwicklung und –verbreitung von IPAM als Netzwerkinfrastruktur-Tool der Zukunft sein.
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