Da die Erwartungen an Rechenzentren aufgrund der pandemiegetriebenen digitalen Transformation steigen, ist die Zusammenführung der zahlreichen Teilsysteme der richtige Weg, um sie zukunftsfähig zu machen.
Die Komplexität der Rechenzentrumsadministration ist beliebig nach oben skalierbar. Mit geeigneten Management-Tools lässt sich dagegensteuern.
(Bild: Aveva)
Während bekannt ist, dass der Energiebedarf für das Rechenzentrum von morgen wahrscheinlich dem einer mittelgroßen Stadt entspricht, gibt es noch weitere Herausforderungen, die den Technikverantwortlichen schlaflose Nächte bereiten. Mit dem wachsenden Datenverkehr im Internet und der fortschreitenden Digitalisierung von Unternehmen muss auch die Infrastruktur mitwachsen.
Die Pandemie führte zu der globalen Erkenntnis, dass die Online-Welt real, praktikabel und der Weg in die Zukunft ist. Es gilt also, den Übergang von offline zu online und von on-premises zur Cloud zu unterstützen. Mit der Verlagerung des Schwerpunkts auf die virtuelle Welt, von Online-Zusammenarbeit, -Handel und -Geschäften bis hin zu Online-Lieferketten, werden die Erwartungen der Kund:innen von Rechenzentren immer anspruchsvoller. Sie wollen 100 Prozent Verfügbarkeit und keine Ausfallzeiten. Und sie erwarten, dass sie Leistungen nach Bedarf erhalten und nach Aufwand bezahlen können.
Die Steigerung von Leistung und Effizienz bei gleichzeitiger Kostensenkung sind deshalb die wichtigsten Anforderungen an Rechenzentren. In der Theorie können moderne Rechenzentren mit digitalen Technologien diese auch erfüllen. Aber während Recheninfrastrukturen und Cloud-Plattformen sich weiterentwickelt haben und heute elastisch sind, sind Rechenzentren noch nicht so weit.
Die Bremse
Ein Rechenzentrum besteht aus vielen verschiedenen Systemen. Die Tatsache, dass Strom- und Wasserverteilung, Notfall-, Kommunikations-, Sicherheits- und Überwachungssysteme sowie zahlreiche andere Support-Systeme gleichzeitig zum Einsatz kommen, sorgt für die Komplexität im Betrieb. Für ein effektives Leistungs- und Kosten-Management müssten all diese Systeme miteinander vernetzt sein und zusammenarbeiten. Durch ein einheitliches, integriertes Management-System, das die operative und digitale Seite des Betriebs effektiv miteinander verbindet, können mindestens drei wesentliche Herausforderungen für Rechenzentren behoben werden.
1. Ausfallzeiten und Störungen
Für Kund:innen können sich Ausfallzeiten eines Rechenzentrums oder von Teilen davon als sehr kostspielig erweisen. Eine weltweite Umfrage unter mehr als 1.500 Rechenzentrumskund*innen ergab, dass 34 Prozent der Befragten Ausfallzeiten mit durchschnittlichen Kosten von 1 Mio. Dollar hatten. Einer der Hauptgründe dafür ist das Fehlen von Asset-Management-Tools, die einen Einsatz von vorausschauenden Wartungsmodellen ermöglichen würden.
Ohne Echtzeit-Überwachung über den laufenden Betrieb sind Manager von Rechenzentren nicht in der Lage, Ressourcen zuzuweisen oder eine präventive Wartung durchzuführen. 60 Prozent der Befragten in derselben Umfrage gaben zu, dass ihre jüngsten Ausfälle mit besseren Maßnahmen zur Anlagenverwaltung hätten verhindert werden können.
2. Steigende Energiekosten
Mehr als 50 Prozent der Betriebskosten eines modernen Rechenzentrums entfallen auf den Energieverbrauch. Die Kontrolle des Energieverbrauchs durch Anlagenüberwachung kann also unmittelbar dazu beitragen, die Gesamtbetriebskosten zu senken.
Energieversorger verwenden in der Regel eine Preisstaffelung, bei der jede nachfolgende Stufe einen höheren Tarif hat. Energiekosten können also reduziert werden, wenn ein niedriger Tarif – dank stetiger Kontrolle des Energieverbrauchs – eingehalten werden kann. Die Manager*innen von Rechenzentren können durch Analysen und Echtzeit-Betriebsmodelle für alle Teilsysteme und Anlagen ihren Energieverbrauch besser kontrollieren.
3. Die Komplexität der Teilsysteme
Rechen-, Virtualisierungs- und Netzwerkinfrastrukturen haben ihre eigene Komplexität und erfordern ihre eigenen Management-Systeme. Auch die übrigen Support-Systeme innerhalb eines Rechenzentrums stellen eine weitere Herausforderung dar.
Laut Aveva lassen sich mit dem „Unified Oparation Center“ alle Schlüsselindikatoren im Blick behalten.
(Bild: Aveva)
Es gibt viele spezialisierte interne Systeme, die nebeneinander existieren und dennoch isoliert sind. Dazu gehören zum Beispiel Applikationen für das Management der Rechenzentrumsinfrastruktur, Gebäude-Management-Systeme, Gebäude-Automationssysteme, Energie-Management-Systeme und andere. 77 Prozent der Befragten aus der genannten Umfrage wünschen sich eine bessere Integration dieser Systeme.
Da jedes separat läuft, ist es sehr schwierig, eine einzige Ansicht zu erstellen, um den End-to-End-Betrieb zu visualisieren und ganzheitliche Entscheidungen zur Verbesserung der Leistung zu treffen. Da ein einziges Dashboard für Management-Entscheidungen fehlt, sind die Administrator*innen des Rechenzentrums außerdem mit einer Flut von Daten aus den einzelnen Teilsystemen überfordert. Die Notwendigkeit zu integrieren, Dashboards zu erstellen, aussagekräftige Erkenntnisse zu gewinnen und proaktive Abläufe aufzubauen, wird auch durch die wachsende Leistungsfähigkeit der Industrial Internet of Things-(IIOT)-Sensoren und der daraus resultierende Berg an unstrukturierten Daten erhöht.
Stand: 08.12.2025
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Screenshot des „Unified Operation-Center“ für Rechenzentren von Aveva
(Bild: Avava)
Die Einrichtung eines einheitlichen Betriebssystems ist eine Möglichkeit, die Geräte und Anwendungen von Teilsystemen in einer einzigen zusammenhängenden Verwaltungsumgebung zu konsolidieren. Das erleichtert auch die Verwaltung mehrerer verteilter Rechenzentren und deren Fernverwaltung. Ein einheitliches Betriebssystem hat aber noch weitere Vorteile:
IT, OT, IIoT über eine einzige Schnittstelle integrieren
Eine standortübergreifende Leistungstransparenz erhalten
Schwachstellen und aufkommende Störungen erkennen
Maßnahmen zur Fehlerbehebung und Leistungsoptimierung auslösen
Geschäfts- und Kunden-SLAs integrieren
Eine ganzheitliche Übersicht aller Abläufe
Mehrere Rechenzentren von einem Standort aus verwalten
Da die Auslastung globaler und regionaler Rechenzentren nicht sinkt, müssen Rechenzentrumsadministrator*innen der Vereinheitlichung Priorität einräumen, um weiterhin profitabel zu bleiben und gleichzeitig die Erwartungen der Kund:innen zu erfüllen.
* Sayaji Shinde ist Global Business Director- Smart Cities and Infrastructure bei Aveva.