Auf dem Nullpunkt: Neue Regeln für Quantencomputer Korrektur der Basisgleichung für supraleitende Qubits notwendig

Quelle: Pressemitteilung Jülich Supercomputing Centre 3 min Lesedauer

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„Die einfache Grundschwingung wird von Obertönen überlagert.“ Nein, die Rede ist nicht von Musikinstrumenten, sondern von Quantenrechnern. Diese Oberschwingungen sind neu entdeckt und lassen sich nun genauer beschreiben, was letztlich dazu führen kann, dass entsprechende Korrekturen um den Faktor 2 bis 7 stabilere Quantenbits ermöglichen.

Kryogener Mikrowellenaufbau, der für Messungen an Quantenanordnungen verwendet wird.(Bild:  Qinu GmbH, qinu.de)
Kryogener Mikrowellenaufbau, der für Messungen an Quantenanordnungen verwendet wird.
(Bild: Qinu GmbH, qinu.de)

Physikerinnen und Physiker des Forschungszentrums Jülich und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben herausgefunden, dass sich Josephson-Kontakte – die grundlegenden Bausteine supraleitender Quantencomputer – komplexer verhalten als angenommen. Das Wesentliche: Die einfache Grundschwingung wird, eben wie bei einem Musikinstrument, von Obertönen überlagert.

Um ihre Erkenntnisse zu untermauern, haben die Forschenden experimentelle Nachweise aus mehreren Labors weltweit zusammengetragen, darunter die Universität zu Köln, die Ecole Normale Supérieure in Paris und IBM Quantum in New York. Und ein 30-köpfiges Forscherteam zeigt erstmalig in „Nature Physics“, wie sich Quantenbits mithilfe der neu entdeckten Oberschwingungen genauer beschreiben lassen.

Der Beginn

Alles begann im Jahr 2019. Die beiden Erstautoren Dennis Willsch und Dennis Rieger, damals noch Doktoranden in Jülich und Karlsruhe, hatten Schwierigkeiten, ihre Experimente mit dem Standardmodell für Josephson-Kontakte in Übereinstimmung zu bringen. Dieses Modell hatte Brian Josephson 1973 den Nobelpreis für Physik eingebracht.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, untersuchte das Team um Ioan Pop am KIT weitere Daten der Ecole Normale Supérieure in Paris sowie eines 27-Qubit-Geräts bei IBM Quantum in New York, zusätzlich zu Daten aus bereits veröffentlichten Experimenten. Unabhängig davon beobachteten Forschende der Universität zu Köln ähnliche Abweichungen vom Standardmodell.

Dennis Willsch vom Forschungszentrum Jülich erinnert: „Gianluigi Catelani, der an beiden Projekten beteiligt war, erkannte die Überschneidungen und brachte die beiden Forschungsteams glücklicherweise zusammen.“ Und Chris Dickel von der Universität Köln fügt hinzu. „Das Timing war perfekt. Wir haben damals ganz unterschiedliche Konsequenzen des gleichen Grundproblems erforscht.“

Unten: Durch Anregung supraleitender Schaltungen (gelb/blau) mit Microwellensignalen (roter Wendepfeil) können Forscher die Grundgleichung analysieren, die den Josephson-Übergang der Schaltung beschreibt.  Rechts: Die Forscher haben erhebliche Abweichungen (rote Kurve) vom sinusförmigen Standardmodell (grüne Kurve) festgestellt.  Links. Schematische Vergrößerung eine Tunnelübergangs, der aus zwei Supraleitern (gelb/blau) mit einer dünnen isolierenden Barriere dazwischen besteht. (Bild:  Dennis Rieger, Patrick Winkel)
Unten: Durch Anregung supraleitender Schaltungen (gelb/blau) mit Microwellensignalen (roter Wendepfeil) können Forscher die Grundgleichung analysieren, die den Josephson-Übergang der Schaltung beschreibt. Rechts: Die Forscher haben erhebliche Abweichungen (rote Kurve) vom sinusförmigen Standardmodell (grüne Kurve) festgestellt. Links. Schematische Vergrößerung eine Tunnelübergangs, der aus zwei Supraleitern (gelb/blau) mit einer dünnen isolierenden Barriere dazwischen besteht.
(Bild: Dennis Rieger, Patrick Winkel)

Josephson-Kontakte bestehen aus zwei Supraleitern, die durch eine dünne isolierende Schicht voneinander getrennt sind (siehe: Abbildung). Seit Jahrzehnten werden diese Schaltungselemente mit einem einfachen Modell beschrieben, das auf eine simple Sinuskurve hinausläuft.

Dieses 'Standardmodell' beschreibt die Josephson-Kontakte, die zum Bau von Quantenbits verwendet werden, allerdings nicht vollständig, wie die Forschenden nun gezeigt haben. Stattdessen ist ein erweitertes Modell mit höheren Harmonischen erforderlich, um den Tunnelstrom zwischen den beiden Supraleitern korrekt abzubilden.

<blockquote class="inf-blockquote">Das Prinzip ist auch aus der Musik bekannt: Wenn man die Saite eines Instruments anschlägt, entsteht eine Grundschwingung, die von mehreren solchen Obertönen überlagert wird..</blockquote>

Dennis Rieger erläutert: „Es ist schon faszinierend, dass in unserem Forschungsfeld mittlerweile so präzise Messungen möglich sind, dass sich damit diese kleinen Korrekturen auflösen lassen. Das vereinfachte, bisherige Modell wurde mehr als 15 Jahre lang als ausreichend angesehen.“

Die Forschergruppe

Als die vier koordinierenden Professoren – Ioan Pop vom KIT und Gianluigi Catelani, Kristel Michielsen und David DiVincenzo vom Forschungszentrum Jülich – die Bedeutung der Ergebnisse erkannten, brachten sie eine große Gruppe von Experimentalphysikern, Theoretikern und Materialwissenschaftlern zusammen, um gemeinsam überzeugende Argumente für das erweiterte Modell zu sammeln. In der Veröffentlichung in 'Nature Physics' beschreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Ursprung und Auswirkungen der Josephson-Oberschwingungen.

Originalpublikation: Dennis Willsch, Dennis Rieger, Patrick Winkel, Madita Willsch, Christian Dickel, Jonas Krause, Yoichi Ando, Raphaël Lescanne, Zaki Leghtas, Nicholas T. Bronn, Pratiti Deb, Olivia Lanes, Zlatko K. Minev, Benedikt Dennig, Simon Geisert, Simon Günzler, Sören Ihssen, Patrick Paluch, Thomas Reisinger, Roudy Hanna, Jin Hee Bae, Peter Schüffelgen, Detlev Grützmacher, Luiza Buimaga-Iarinca, Cristian Morari, Wolfgang Wernsdorfer, David P. DiVincenzo, Kristel Michielsen, Gianluigi Catelani, Ioan M. Pop: „Observation of Josephson Harmonics in Tunnel Junctions“Nat. Phys. (2024), DOI: 10.1038/s41567-024-02400-8

(ID:49914212)

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