Es sind aufregende Zeiten in der Rechenzentrumsindustrie. Wachstum aufgrund von Mediendiensten, 5G, IoT in der Industrie... Es ist ein ständiges Aufeinanderprallen von Edge- und zentralisierten Cloud-Technologien, Luft- und Flüssigkeitskühlung, KI-Nutzung und Nachhaltigkeit. Die Branche befindet sich in einem Zustand der Innovation. Der Wettbewerb ist heftig, so Tor Björn Minde.
Professor Tor Björn Minde, Direktor des RISE ICE Datacenter, gehört zu den Sprechern auf dem virtuellen DataCenter Day 2020. Das Themenspektrum, das er abdeckt, stellt er selbst vor.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)
Wenn die kleineren Edge-Knoten 10 bis 50 Kilowatt bis 2030 in großem Maßstab eingesetzt werden, wird ein neues ganzheitliches Zero-Touch-Wartungs- und Betriebsparadigma für IT-Infrastrukturen entstehen. Das nimmt auch die megagroßen Rechenzentren nicht aus – Selbst sie haben noch viele Knöpfe, an denen man drehen kann, damit sie so effizient wie möglich arbeiten.
Eine Selbstoptimierung würde den Rechenzentren viel bringen. Rechenzentren sind komplexe Maschinen, die nicht kompliziert sind. Machine Learning ist ein geschicktes Tool, wenn es um den Umgang mit Komplexität geht. Der Mensch ist gut darin, Dinge kompliziert zu machen.
Selbstoptimierende Rechenzentren müssen wie Funkbasisstationen werden. Es geht um digitale Zwillinge als Simulation, als Trainingszentrum für die Ertüchtigung von Algorithmen. Es geht um das Erkennen von Anomalien und zugleich um die Modellierung für eine optimierte, ganzheitliche Steuerung. Das aber erfordert, dass alle Teile des RechenzentrumsSoftware-definiert und Software-gesteuert sind. Die Energie muss zum Beispiel zugleich ein fester Zustand als auch programmierbar sein.
Das Forschungsinstitut, für das Professor Tor Björn Minde arbeitet, das RISE SICS North AB, befindet sich im schwedischen Luleå , Norrbotten.
(Bild: Google Maps)
Unsere Projekte im RISE SICS North
Wenn in zehn Jahren Edge mit 6G funktioniert, bedeutet das einerseits, dass Computing überall stattfinden kann, und zugleich, dass alle Rechner für Lasten, die latenzunabhängig sind, Rechner an unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten sinnvolle Standorte verlagert werden können. Das schließt Standorte für industrielle Symbiosen außerhalb von Städten ein. Insbesondere können die latenzunabhängigen Cloud-Arbeitslasten an Standorte mit fossilfreier Energie verlagert werden.
Auf dem Weg zu dieser Vision hat sich unser Research Institute Sweden (RISE) darauf konzentriert, mit einer Reihe von verschiedenen Projekten voranzugehen. Das erste Projekt war die Bewältigung der Herausforderungen, die die Silos in einem Rechenzentrum der IT auferlegen. Solche Silos sind einerseits der Betrieb, die Orchestrierung und die Bilanzierung von Anwendungen; die Optimierung von Serverkühlung und des -betriebs, die Raumkühlung, die Optimierung der Energieverteilung sind weitere.
Die Datacenter Virtual Conference
Aus der Not wird eine Tugend: Der DataCenter Day findet erstmalig auch virtuell statt.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)
Die Datacenter Virtual Conference der Vogel IT-Akademie findet am 8. Oktober 2020 ab 9:00 Uhr statt. Wie auch in den Jahren zuvor begleitet DataCenter-Insider den DataCenter Day als Medienpartner.
So hat der Erstkontakt zu Professor Tor Björn Minde vom RISE ICE Datacenter über die Chefredakteurin Ulrike Ostler stattgefunden, die die Test- und Demo-Rechenzentrumseinrichtungen des RISE SICS North AB in Luleå einmal besuchen durfte. Seither hat sich der Veranstalter bemüht, den Experten für den DataCenter Day zu gewinnen.... und ausgerechnet jetzt ist die Zahl der COVID-19-Erkrankten in Europa wieder gestiegen.
Die gute Nachricht
Die Teilnehmer der virtuellen Veranstaltung haben in diesem Jahr die Chance, Minde kennenzulernen und Kontakt mit ihm aufzunehmen. Für Letzteres steht den Konferenzbesuchern das Matchmaking-Tool „Meet Me“ zur Verfügung, mit dessen Hilfe sich unkompliziert Video-Meetings mit Sprechern und Teilnehmern einfädeln lässt.
Da der DataCenter Day im Vogel Convention Center (VCC) Würzburg als Präsenzveranstaltung zwei Tage zuvor, am 6. Oktober 2020, stattfindet, haben Interessenten die zusätzliche Gelegenheit, sich auch hierfür anzumelden:
Die Silos funktionieren scheinbar unabhängig und die Belange treffen sich nie. Ein Schritt in die Zukunft besteht darin, ein solches Zusammentreffen zu ermöglichen, indem die Daten aus allen Teilen in einer Datenbank gesammelt werden, um dann für alle separaten Optimierungen zur Verfügung zu stehen.
Demo- und Test-Datacenter
RISE hat aber auch ein Edge-Micro-Grid-Testbed aufgebaut, das erste seiner Art. Außerdem wurden eine Reihe von Projekten mit vielen Unternehmen in ganz Europa und anderen akademischen Partnern aufgesetzt, die sich mit der Erforschung und Erweiterung des Wissens über den Aufbau von Edge-Rechenzentren, Netzwerken und Strom-Micro-Grids befassen. Unter anderem bekam das Institut dafür den „Datacloud Global Award 2019“ in der Kategorie „Rechenzentrum für eine intelligente Stadt“.
Zusammen mit den europäischen Partnern Kühlungsanbieter Ecocooling, H1Systems, ein Rechenzentrums-Engineering-Spezialist, der Infrastrukturentwickler Boden Business Agency (BBA) und dem Forschungsinstitut Fraunhofer IOSB konnte das EU-Projekt „H2020“, das sich auf „das Energie-effizienteste Rechenzentrum Europas“ konzentriert, fast abgeschlossen werden. Mit Hilfe von Servermodellierung, Windkanälen, Modellen für Maschinelles Lernen und einem experimentellen Pilot-Rechenzentrum ließ sich tatsächlich ein PUE-Wert von unter 1,01 erreichen.
Gegenwärtig läuft ein Projekt über autonome Edge-Rechenzentren, an dem ebenfalls das Institut mit verschiedenen Partnern beteiligt ist. Es sollen Technologien für Zero-Touch entwickelt werden. Wir arbeiten zudem an brennstoffzellenbetriebenen Edge-Rechenzentren, um eine effiziente Verwendung der Wärme-Energie aus Rechenzentren und einen stromsparenden Betrieb in den ohnehin energiehungrigen und zunehmend unterversorgten Städten zu ermöglichen.
Stand: 08.12.2025
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Tor Björn Minde ist derzeit Direktor von RISE ICE Datacenter, einem neu gegründeten Industrieforschungsinstitut in Luleå Schweden, das sich auf Rechenzentren konzentriert.
(Bild: Copyright:All Rights Atelje Grodan Per Nilsson)
Dann gibt es noch die Arbeit an einem Entwurf von Edge-Knotenpunkten, um 5G-Edge-Anwendungsentwicklern eine Zielumgebung zu ermöglichen. Wir haben auch noch ein Projekt über die KI-gesteuerte Integration von PV-Zellen mit Edge-Modulen, um Tarife und den Betrieb zu optimieren, und ein weiteres Projekt zur Automatisierung in Edge-Netzwerken. Darüber hinaus befassen sich Doktoranden am RISE RISC North mit kombinierter KI- und CFD-Modellierung, neuen Steuerungsmethoden und ML in Edge-Micro-Grids befassen.
Über Tor Björn Minde
Tor Björn Minde ist der Laborleiter des RISE ICE-Rechenzentrums am RISE Research Institutes of Sweden AB. Er war lange Zeit bei Ericsson Research der Zuständige des Bereichs Forschungsstrategien. Er hat das Team hinter den Ericsson Labs insbesondere mit dem Ziel geleitet, die Fähigkeiten des Konzerns im Bereich der offenen Innovation zu verbessern, und zwar durch das Angebot experimenteller APIs für mobile Anwendungen. Insgesamt kommt Minde auf 35 Jahre Erfahrung bei Ericsson in den Bereichen mobile Kommunikation, Cloud, Maschine Learning, Multimedia und Anwendungen.
Er hat zudem eine außerordentliche Professur an der Technischen Universität Luleå im Bereich Signalverarbeitung. Seine Hauptforschungsinteressen sind kontextsensitive Rechenzentrums- und ML-Technologien. Zuletzt lag sein Hauptaugenmerk auf groß angelegte Cloud- und Dateninfrastrukturen für Energie-effiziente, autonome und Smart-Grid-integrierte Operationen.