Fujitsu-CTO über die Industrialisierung der IT, Standards und Zertifizierer

Joseph Reger: Cloud stellt die eigene IT komplett in Frage

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Also geht es bei den Großunternehmen um die so genannte Private Cloud?

Joseph Reger: Eine Private Cloud können sich nur Großunternehmen leisten. Denn bei diesem Modell bleiben die IT-Dienste komplett unter der Kontrolle des Kunden. Es geht dann lediglich um die Frage: Wem gehört die IT und wo steht diese? Oftmals kommt es allerdings vor, dass ein Kunde entscheidet: Unsere IT soll so aussehen wie die im Rechenzentrum von Fujitsu.

Welchen Anteil hat das Cloud-Geschäft bei Fujitsu?

Joseph Reger: Derzeit verdient Fujitsu hierzulande etwa 10 bis 15 Prozent des gesamten Umsatzes mit Cloud-Angeboten. Und rund 70 Prozent davon mit Private-Cloud-Diensten.

Doch befinden wir uns noch in einer ersten Phase. Längerfristig wird sich das Verhältnis von traditionellem IT-Geschäft und Cloud-Modellen umdrehen. Die Cloud-Angebote werden dominieren.

Die Rechenzentren werden somit hybrid?

Joseph Reger: So möchte ich nicht an das Verständnis von Cloud Computing heran gehen. Das klingt nach Wischi-Waschi, nach Kompromissen, halbgaren Konzepten, nach irgendwie dazwischen … Doch das ist Cloud Computing ganz und gar nicht. Wer sich so dem Thema nähert, übersieht das Wesentliche. Fakt ist: Es gibt gravierende Umwälzungen.

Typisch für diese frühe Phase ist jedoch das reflexartige Verteidigen des Bestehenden: „Das geht doch nicht“, heißt es oder „Das ist unsicher“.

Es mag ja sein, dass alle Einwände eine Berechtigung haben. Doch das wird die Revolution nicht stoppen. Besser wäre es zu fragen, auch in den Konzernen, welcher Teil der IT zum Kerngeschäft des Unternehmens gehört und welcher zum Kontext-Computing.

Klar, dass der Kern des Geschäfts sehr stark gesichert werden muss und vielleicht niemals in einer Cloud betrieben wird. Doch es gibt auch genügend IT, die bisher selbst betrieben wird und nicht entscheidend ist, Reisekostenabrechnungen etwa. Bei dieser Art der Überlegung werden in den Unternehmen mittel- und längerfristig kaum Core-Anwendungen übrig bleiben. Die Kontext-Anwendungen überwiegen.

Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Standards und Zertifikate?

Joseph Reger: Für Standards –de jure oder auch de facto – gibt es einen ganz praktischen Bedarf. Allerdings gibt es noch nicht viele. Wir haben eine der insgesamt vier Eingaben an die Distributed Management Task Force (DMTF) gemacht, die Standards entwickelt. Die Grundlage ist ein vollständiges System für Cloud-APIs.

Darüber hinaus sorgen Standards für eine größere Aufmerksamkeit, für mehr Akzeptenz und darum für mehr Geschäft.

Doch das vereinbaren von Standards ist immer nur der erste Schritt. Sie müssen ja auch eigehalten und umgesetzt werden. Dafür gibt es Zertifizierer.

Welche Organisationen sind dafür geeignet?

Joseph Reger: Sie müssen seriös sein und eine staatliche Legitimation besitzen.

Kann der Staat, die EU Clouds regulieren?

Joseph Reger: Ja, ja. Das ist schon paradox: Auf der einen Seite haben alle Angst vor dem großen Bruder, aber auch der anderen Seite gibt es einen unerschütterlichen Glauben daran: Staatliche Stellen werden es schon richten.

Darüber hinaus müssen die Europäer eine einheitliche Grundlage für das Cloud-Computing schaffen. Denn regionales Recht steht dem Gedanken globaler Clouds diametral entgegen. Langsam werden die Fragmentierungstendenzen zu einem Wettbewerbs- beziehungsweise Standortnachteil.

Eigentlich wäre eine neuartiges Gesetzgebung erforderlich, zum Beispiel in Richtung Compliance und Sicherheit: Dürfen wirklich alle Daten die Landesgrenzen nicht verlassen, oder nur die Informationen nicht. Bei verschlüsselten Daten entsprächen etwa die Schlüssel der Information.

Allerdings ließe sich etwa das hiesige Umwelt-, und Sicherheitsbewußtsein auch als Werbebotschaft für Cloud-Angebote nutzen, die hierzulande entstehen.

Joseph Reger: Sicher – wenn es zu wettbewerbs- und sicherheitsverträglichen Regelungen kommt und sich Institutionen etablieren. kann dies weltweit Vorbildcharakter haben.

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