Terrahes Rechenzentrumsblog Grundlagen für den Neubau eines Rechenzentrums (Teil 1)

Redakteur: Ulrich Roderer

Ein Rechenzentrum kann sehr teuer, ja sogar unbezahlbar werden, wenn mit ungenauen oder übersteigerten Werten geplant wird.

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Parallel sind zwar Planungshilfen von übergeordneten Instituten wie Uptime (Verfügbarkeitsstufen Tier I bis Tier IV), Bitkom (Leitfaden für betriebssichere Rechenzentren) oder von diversen Herstellern im Umlauf, aber die entscheidenden Hilfen, wie groß und mit welcher Leistung ein Rechenzentrum gebaut werden sollte und mit welchem Budget welche Qualität erreicht werden kann, werden damit auch nicht gegeben.

Ein Rechenzentrum heute bedarfsgerecht zu planen, heißt das Optimum zwischen passgenauer Leistung, Verfügbarkeit und Kosten zu finden. Deshalb empfiehlt es sich, die Kosten als drittes und in der Regel wichtigstes Entscheidungskriterium von Anfang an in den Planungsprozess aufzunehmen.

Im Rechenzentrumsbau gibt es zwei beziehungsweise drei wesentliche Kostentreiber, die ein Rechenzentrum teuer werden lassen.

Individuelle Anforderungen

Der erste Kostentreiber ist die individuelle Anforderung des Kunden an das Rechenzentrum. Eine gewisse Extravaganz kostet halt. Es kann viel Geld in Architektur und Design fließen, die nicht unbedingt die Qualität eines Rechenzentrums erhöht. Auf diese Kosten werde ich nicht weiter eingehen, da sie nicht greifbar sind.

Der zweite Kostentreiber ist die Verfügbarkeitsanforderung.

Zwischen einer Tier 1 Anforderung und einer Tier 4 Anforderung stecken die 3 fachen Kosten. Wenn einem diese Preisspannen bewusst sind, lassen sich häufig langwierige Auseinandersetzungen mit Verfügbarkeitsanforderung der Klasse Tier 3+ oder höher vermeiden, da die finanziellen Mittel gar nicht zu Verfügung stehen.

Der dritte Kostentreiber ist die Leistungs- bzw. Lastanforderung.

Sehr häufig komme ich heute zu Kunden, die sehr leichtfertig, im Namen der Zukunftssicherheit, eine Lastanforderung von 2000 W/qm und mehr angeben. Das aber zwischen 1000 W/qm und 2000 W/qm ca. 75 Prozent Mehrkosten entstehen können, ist noch nicht in den Köpfen verankert.

Ein Praxisbeispiel geben.

Ein Rechenzentrumsbetreiber plante den Neubau eines Rechenzentrums. Er setzte 2000 qm als neue Rechenzentrumsfläche an, was in etwa dem der alten Fläche entsprach. Ferner war seine Planungsgröße für den Leistungsbedarf 1.500 W/qm (RZ Fläche). Aus diesen Anforderungen summierte sich die Lastanforderung auf 3 MW für die IT – Last, plus ca. 3 MW für die Infrastruktur (es wird hierbei der ungünstigste Energiebedarf – Sommer > 35 Grad angesetzt). Mit der weiterhin geforderten Verfügbarkeitsanforderung Tier 3+ summierten sich die Kosten im ersten Überschlag auf 25 Mio. Investitionskosten, was ihn förmlich „aus den Socken haute“.

Unter dem Damoklesschwert der Kosten wurden jetzt

  • a) sein aktueller Leistungsbedarf,
  • b) das mit der IT abgesprochenen Wachstumsszenario und
  • c) die Möglichkeiten der Einbeziehung einer Virtualisierung exakt unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis: ein erstaunliches. Man errechnete, dass man den kompletten IT–Betrieb auf einer Fläche von 500 qm inklusive Wachstum darstellen könnte. Die Leistungsanforderung sank dabei auf etwa 1250 W/qm. Bei gleichbleibender Verfügbarkeit sanken gleichsam die gesamten Leistungsanforderungen auf 1,5 MW und die überschlägigen Kosten auf etwa 8 Mio. Wären von Anfang an die Kosten als Überschlag mit in die Konzeption eingeflossen, hätte man sich den ersten Umweg erspart.

Was in diesem, sicherlich dramatischen Beispiel erkennbar wird, ist die Tatsache, dass ungenaue Angaben zu einer extremen Kostensteigerung führen kann. Wie Sie dem sinnvoll vorbeugen, dann in meinem nächsten Blog.

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