Datacenter-Dilemma in Luxemburg Google-Rechenzentrum in Bissen: Neubau noch in der Schwebe

Von Paula Breukel 3 min Lesedauer

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Seit 2017 herrscht Unruhe in Luxemburg; denn das geplante Google-Rechenzentrum stößt auf Ablehnung seitens der Bevölkerung. Bis heute ist unklar,ob das Projekt umgesetzt wird. Das „Tageblatt“ leakte kürzlich vertrauliche Informationen.

In Kalifornia traf der luxemburgische Premierminister Xavier Bettel 2023 Vertreter von Google, die ihm mitteilten, dass das Datacenter in Luxemburg keine Priorität mehr habe.(Bild:  Diarmuid Greene/Web Summit via Sportsfile)
In Kalifornia traf der luxemburgische Premierminister Xavier Bettel 2023 Vertreter von Google, die ihm mitteilten, dass das Datacenter in Luxemburg keine Priorität mehr habe.
(Bild: Diarmuid Greene/Web Summit via Sportsfile)

Das geplante Rechenzentrum des Tech-Giganten Google in der Gemeinde Bissen bleibt umstritten. Trotz jahrelanger Debatten, einiger Genehmigungen und vieler Gespräche ist noch immer keine Entscheidung gefallen. Doch jüngste Signale deuten darauf hin, dass das Projekt weiter vorangetrieben wird.

Bereits 2017 erwarb Google ein 33,7 Hektar großes Areal in der Gewerbezone „Um Roost“ in Bissen. Geplant war ein Rechenzentrum, das eines der modernsten seiner Art in Europa werden sollte.

Doch von Beginn an wurde das Vorhaben von verschiedenen Seiten kritisch betrachtet. Der hohe Wasser- und Stromverbrauch des Datacenters sowie potenzielle Umweltauswirkungen stießen auf Widerstand bei Anwohnern und Umweltverbänden. Zwei Bürgerinitiativen wurden ins Leben gerufen, die gegen das Projekt vorgehen.

Politiker senden widersprüchliche Signale

Trotz der Widerstände genehmigte der Gemeinderat von Bissen im Oktober 2020 den Teilbebauungsplan für das Projekt. Das Innenministerium bestätigte diesen Plan im Februar 2021. Während einige administrative Hürden überwunden wurden, blieben andere ungelöst: So steht eine Umweltverträglichkeitsstudie bis heute aus und die Änderungen am Allgemeinen Bebauungsplan (PAG) sind weiterhin Gegenstand von Gerichtsverfahren.

2023 berichtete das Tageblatt, dass eine Aussage des luxemburgischen Vize-Premierminister Xavier Bettel für Aufsehen sorgte. Er sagte, dass der Bau des Rechenzentrums für Google „keine Priorität“ mehr habe. Diese Anmerkung wurde später relativiert, und im März 2024 erklärte Wirtschaftsminister Lex Delles im RTL-Background, dass die Gespräche mit Google wieder aufgenommen worden seien. „Wir sind zuversichtlich, dass das Projekt realisiert wird“, so Delles.

Google soll eine Entschädigung von 13,5 Millionen Euro zahlen

Laut der kürzlich preisgegebenen vertraulichen Informationen hat die Gemeinde Bissen im Haushaltsplan für 2025 eine Entschädigung von 13,5 Millionen Euro eingeplant, die im Rahmen des Bebauungsplans von Google gezahlt werden soll. Zudem könne der Bau einer Stichstraße, die das Areal an die Nationalstraße 7 anbinden würde, bald beginnen. Diese Signale lassen darauf schließen, dass sich das Projekt in einer finalen Planungsphase befindet, berichtete das Tageblatt am 17. Dezember.

Die größten Herausforderungen bleiben der Ressourcenbedarf und die Auswirkungen auf die lokale Infrastruktur. Der jährliche Stromverbrauch des Rechenzentrums könnte bis zu 2,5 Terawattstunden betragen, etwa das Zweieinhalbfache des gesamten Haushaltsverbrauchs in Luxemburg.

Google plant, erneuerbare Energien zu nutzen, dennoch bleibt die Belastung für das Stromnetz eine offene Frage. Auch der Wasserverbrauch, der zur Kühlung der Server benötigt wird, ist umstritten. Als Lösung wird die Nutzung von Wasser aus einer nahegelegenen Kläranlage diskutiert.

„Das Projekt ist schon begraben“

In der Kommentarspalte der Zeitung „L'Essentiel“ werden aufgebrachte Stimmen laut. So schreibt ein Nutzer: „Ich bin dagegen und wundere mich jedes Mal, wie viele Hohlköpfe da draußen herumlaufen, die dieses Projekt als eine gute wirtschaftliche Chance sehen.“ Ein anderer beschreibt das Projekt als bereits „begraben“.

Eine endgültige Entscheidung über den Bau des Rechenzentrums in Bissen soll laut Bürgermeister David Viaggi bis Mitte 2025 fallen. Für Luxemburg wäre die Ansiedlung des Tech-Giganten eine Chance, sich als Standort für digitale Infrastruktur weiter zu etablieren. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie Google und die Gemeinde die offenen Fragen zu Ressourcenverbrauch und Umweltschutz lösen werden.

Das Projekt bleibt ein Balance-Akt zwischen wirtschaftlicher Attraktivität und der Verantwortung gegenüber Umwelt und Anwohnern – ein typisches Beispiel für die Herausforderungen moderner Infrastrukturprojekte.

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