Nicole Wittenbrink, VDI/VDE Innovation + Technik GmbH Geldwäsche – es braucht ein Netzwerk, um ein Netzwerk zu schlagen

Ein Gastkommentar von Dr. Nicole Wittenbrink 3 min Lesedauer

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Banken generieren jeden Tag eine große Menge an Finanzdaten. Diese Daten sind vertraulich und bedürfen besonderen Schutzes. Gleichzeitig enthalten einige von ihnen wichtige Informationen zur Aufdeckung krimineller Aktivitäten. Aufgrund von Datenschutzbedenken und mangelnder Infrastruktur können diese Informationen derzeit jedoch nicht länderübergreifend genutzt werden.

Das BMWK verantwortet einen KI-Innovationswettbewerb, der Tools und Techniken für eine gemeinschaftliche Bekämpfung der Geldwäsche zum Ziel hat. (Bild:  frei lizenziert: Steve Buissinne  /  Pixabay)
Das BMWK verantwortet einen KI-Innovationswettbewerb, der Tools und Techniken für eine gemeinschaftliche Bekämpfung der Geldwäsche zum Ziel hat.
(Bild: frei lizenziert: Steve Buissinne / Pixabay)

Zeigt jemand bei einer Bank auffälliges kriminelles Verhalten, bleiben andere Finanzinstitute in der Regel unwissend. Kriminelle können den mangelnden Austausch und die sich daraus ergebende isolierte Betrachtung von Geldströmen ausnutzen und so ihre illegalen Absichten verschleiern.

Die Lösung: Safefbdc – Zeit für Innovation

Um diese Situation zu ändern, wurde Safefbdc (steht für „sicheres Financial Big Data Cluster“) im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) verantworteten KI-Innovationswettbewerb ins Leben gerufen. Ziel des Projekts ist es, eine gemeinsame heterogene Datenplattform für europäische Finanzdaten zu schaffen, auf der KI-Anwendungen trainiert und weiterentwickelt werden können – im Einklang mit den Datenschutzbestimmungen der DSGVO. Unter Einhaltung der Datensouveränität können Finanzinstitute über die Plattform Daten austauschen und KI-gestützte Analysen großer Finanzdatenmengen ausführen.

Das Projekt adressiert fünf verschiedene Bereiche: Die Analyse von Klimarisiken im Risikomanagement von Finanzinstitutionen, die Bekämpfung der Geldwäsche, das Erkennen und Verhindern von Marktmanipulationen, die datengestützten Einschätzung der Folgen geldpolitischer Entscheidungen sowie der Gestaltung neuer Risikomanagement- und Finanzierungsinstrumente entlang komplexer physischer Lieferketten.

Eine Plattform – mehrere Möglichkeiten der Zusammenarbeit

Für die Zusammenarbeit zwischen Finanzinstituten wird die Safefbdc-Plattformarchitektur unterschiedliche Möglichkeiten bereitstellen. So sollen etwa Daten und Machine-Learning-(ML)-Modelle in einem privaten Datenraum aufbereitet werden, so dass die Datenhoheit jederzeit gewahrt bleibt.

Die Plattform soll zudem auch die Möglichkeit bieten, Metadaten über einen Marktplatz einschließlich Nutzungsrichtlinien zu teilen. Nutzer der Plattform erhalten so in einem Metadatenkatalog einen Überblick, welche Daten von Organisationen, ML-Modelle, Apps, APIs etc. vorhanden sind.

Als Technologieanbieter spielt Hawk:AI im Projekt eine führende Rolle bei der Erforschung einer sicheren Infrastruktur zur Bekämpfung von Geldwäsche. Dabei fließen Kenntnisse über bekannte Geldwäschemodelle, KI-Erklärbarkeit und Datenverschlüsselung in das Projekt ein. So werden etwa mithilfe von KI-Anwendungen Transaktionen überwacht, um Geldwäsche besser und schneller aufzudecken, als das bislang mit konventionellen Methoden möglich ist.

Über den KI-Innovationswettbewerb:


Mit dem Innovationswettbewerb „Künstliche Intelligenz als Treiber für volkswirtschaftlich relevante Ökosysteme“ (KI-Innovationswettbewerb) leistet das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) einen zentralen Beitrag zur schnellen Umsetzung der KI-Strategie der Bundesregierung. Ziel ist es, die Anwendung Künstlicher Intelligenz in allen volkswirtschaftlich relevanten Wirtschafsbereichen voranzutreiben und sich dabei besonders an den Erfordernissen und Möglichkeiten der zahlreichen mittelständischen Unternehmen in Deutschland zu orientieren.

http://ki-innovationen.de

Das Unternehmen testet im Rahmen von Safebdc auch die Bereitstellung einer zentralen, KI-basierten Sammlung krimineller Verhaltensmuster und prüft die Anwendung synthetischer, also künstlich anonymisierter Daten. Mithilfe künstlich erzeugter Daten können auch kleinere Datensätze für Big-Data-Analysen genutzt werden. Neben herkömmlichen Ansätzen zum Datenaustausch arbeitet Hawk AI zudem an Infrastrukturkonzepten, die vollständig ohne Datenbündelung an einem Ort auskommen.

Gemeinsame Geldwäschebekämpfung ist erforderlich

Gemeinsam mit den anderen Partnern des Safefbdc-Projekts arbeitet das Münchener Unternehmen an den Grundlagen für eine kollaborative und datenschutzkonforme Zukunft der Geldwäschebekämpfung. Dem Thema Zusammenarbeit widmet sich auch der aktuelle Bericht der Fatf (Financial Action Task Force) „Partnering in the Fight Against Financial Crime“. Der Plattform-Ansatz von Safefbdc wird im Bericht der internationalen Organisation zur Bekämpfung und Verhinderung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Proliferationsfinanzierung als Fallbeispiel vorgestellt.

Dass das Projekt unterschiedliche Akteure des Finanzwesens wie Banken, Börse, Unternehmen, Start-ups und Wissenschaft zusammenbringt, ist sowohl eine Botschaft an Aufsichtsbehörden als auch den Markt: Die Bekämpfung von Geldwäsche muss länderübergreifend erfolgen, da Kriminelle den Banken sonst immer einen Schritt voraus sind. Safefbdc entwickelt mit der Datenplattform ein wirksames Instrument zur Netzwerkbildung, so dass bisherige Informationslücken im Finanzwesen datenschutzkonform und datensouverän geschlossen werden können.

*Die Autorin
Dr. Nicole Wittenbrink ist seit 2020 Beraterin im Bereich Gesellschaft und Innovation der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH und ist dort unter anderem im Rahmen der Begleitforschung zum Innovationswettbewerb „Künstliche Intelligenz als Treiber für volkswirtschaftlich relevante Ökosysteme“ in den Bereichen Projektbegleitung und Kurzstudien aktiv.

Bildquelle: Annette Koroll FOTOS

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