Datacenter-Abwärme für ein Frankfurter Wohnviertel Frankfurt-Griesheim bekommt 10 MW Wärme aus Equinix-Rechenzentren

Von Ulrike Ostler 5 min Lesedauer

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Die Rückgewinnung von Wärme aus Rechenzentren bietet das Potenzial, umliegende Gemeinden in puncto Wäremeversorgung zu unterstützen. Der Co-Location-Betreiber Equinix stellt nun überschüssige Wärme zur Beheizung eines Wohnviertels in Frankfurt am Main bereit.

Eine der Serverhallen vom Equinix-Rechenzentrum „Fra8“ in Frankfurt am Main. (Bild:  Equinix)
Eine der Serverhallen vom Equinix-Rechenzentrum „Fra8“ in Frankfurt am Main.
(Bild: Equinix)

In Zeiten steigender Energiepreise und anhaltender globaler Konflikte kann wiederverwendbare Wärme eine kostengünstigere und nachhaltigere Brennstoffquelle darstellen und somit den Druck auf lokale Behörden, Organisationen sowie Anwohner verringern. Um sein Engagement in diesem Bereich zu unterstreichen, hat Equinix gestern die Zusammenarbeit mit dem Wohnungsunternehmen Vonovia, dem Ingenieurbüro AS Enterprise Engineering und dem Anlageberater und Asset-Verwalter EB-SIM bekannt gegeben.

Dabei geht es um ein Wärmenetz für die Bizonale Siedlung im Norden von Frankfurt Griesheim. Equinix wird mit der überschüssigen Wärme, die beim IT-Betrieb in drei Rechenzentren entsteht, ab 2025 etwa 1.000 Haushalte kostenneutral versorgen. Dieses Abwärme-Projekt ist in seiner Gestaltung neuartig und im Umfang für Frankfurt einmalig.

Insgesamt werden drei Standorte - „FR4“, „FR6“ und „FR8 - mit 10 Megawatt Abwärme an Wärmetauscher angeschlossen. Die in der Griesheimer Nachbarschaft gelegenen Standorte werden voraussichtlich rund 55 Megawatt (MW) Abwärme produzieren, sobald sie ihre volle Kapazität erreichen. Diese Kreislaufwirtschaftsinitiative vermeidet die Verbrennung fossiler Brennstoffe vor Ort und trägt zu geringeren CO2-Emissionen bei. Der Beginn der Bauarbeiten ist in 2024 geplant; der Anschluss des Wärmenetzes ausgangs des ersten Quartals 2025.

Die Verteillung der Equinix-Rechenzentren in Frankfurt am Main und die Verbindung zu weiteren Standorten. (Bild:  Equinix)
Die Verteillung der Equinix-Rechenzentren in Frankfurt am Main und die Verbindung zu weiteren Standorten.
(Bild: Equinix)

Der Stadtteil Griesheim hat einen Bedarf von 35 bis 45 MW Wärme. In der ersten Projektierungsphase soll Griesheim Nord mit bis zu 12 MW Wärmebedarf versorgt werden. Danach folgen Griesheim Mitte und Süd.

Für die Umsetzung des Nahwärmenetzes wird die Mainzer Landstraße mit einer Wärmeleitung von Equinix-Rechenzentren in die Bizonale Siedlung unterquert. Eine Pumpstation mit Wärmetauscher dient der Übergabe an das Wärmenetz in den einzelnen Gebäuden. Dort sorgen dezentrale Wärmepumpen dafür, dass die Temperatur auf die Gegebenheiten jedes Gebäudes und seiner Bewohnerinnen und Bewohner angepasst wird.

Wie der Vermieter Vonovia mitteilt, vermindere die Nachnutzung ür die Mieterinnen und Mieter die Abhängigkeit von den Preisschwankungen am Energiemarkt, da Equinix die Abwärme kostenlos zur Verfügung stelle. Nach den derzeitigen Plänen wird eine Projektgesellschaft sowohl die Errichtung des Nahwärmenetzes, als auch die komplette Umrüstung der Wohnanlagen der Vonovia übernehmen.

Jens Peter Feidner, Managing Director Equinix Deutschland: „In Anbetracht der geplanten Gesetzgebung, die strenge Vorschriften dafür vorsieht, wie viel überschüssige Wärme von Rechenzentren wiederverwendet werden muss, müssen die politischen Entscheidungsträger einen ganzheitlichen Ansatz erwägen, der alle Akteure einbezieht – nur so können solche Projekte realisiert werden. Andernfalls würde nur eine Branche geschwächt, die für die Digitalisierung entscheidend ist.“(Bild:  Equinix GmbH)
Jens Peter Feidner, Managing Director Equinix Deutschland: „In Anbetracht der geplanten Gesetzgebung, die strenge Vorschriften dafür vorsieht, wie viel überschüssige Wärme von Rechenzentren wiederverwendet werden muss, müssen die politischen Entscheidungsträger einen ganzheitlichen Ansatz erwägen, der alle Akteure einbezieht – nur so können solche Projekte realisiert werden. Andernfalls würde nur eine Branche geschwächt, die für die Digitalisierung entscheidend ist.“
(Bild: Equinix GmbH)

Unbekannt bleibt, wie viel der Abwärme Equinix im Winter, im Sommer und Jahressschnitt liefern könnte und zu welchen Temperaturen; doch ist klar, dass das Unternehmen zur konstruktiven Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft bereit sist und seine Nachhaltigkeitsbemühungen in Deutschland verstärkt. Jens-Peter Feidner, Managing Director für Deutschland bei Equinix, äußert: „Dieses Projekt zeigt, wie Rechenzentren ihrer lokalen Gemeinschaft etwas zurückgeben können, und ist ein perfektes Beispiel für die Vorteile, die durch die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Investoren, Stadtplanern, Wohnungsbaugesellschaften, Wärmenetz- und Rechenzentrumsbetreibern entstehen. Er verleiht darüber hinaus der Hoffnung ausdruck, „dass dieses Projekt das Interesse anderer potenzieller Partner wecken wird.“

Und im Hinblick auf die Gesetzesvorlage zur Energie-Effizienzgesetzt (EnEfG), dass die Rechenzentrumsbetreiber bezüglich Abwärmenutzung in die Pflicht nehmen will, setzt er hinzu: „In Anbetracht der geplanten Gesetzgebung, die strenge Vorschriften dafür vorsieht, wie viel überschüssige Wärme von Rechenzentren wiederverwendet werden muss, müssen die politischen Entscheidungsträger einen ganzheitlichen Ansatz erwägen, der alle Akteure einbezieht – nur so können solche Projekte realisiert werden. Andernfalls würde nur eine Branche geschwächt, die für die Digitalisierung entscheidend ist.“

Hessens Digitalministerin Professor Kristina Sinemus setzt hinzu: „Effizienz, Nachhaltigkeit und Kosten für Energie sind zentrale Standortfaktoren und Energie-Einsparung liegt schon heute im eigenen Interesse der Rechenzentrumsbetreiber, denn der Verbrauch muss reduziert und Abwärme effektiv genutzt werden. Gemeinsam wollen wir mit unserem Rechenzentrumsbüro dazu beitragen, Hessen als Standort für innovative und nachhaltige Rechenzentren zu stärken, zukunftsfähig zu erhalten und damit einen Beitrag zur Erreichung von Nachhaltigkeits- und Klimazielen leisten. Wir setzen in Hessen erfolgreich auf Dialog und Anreize statt auf Zwang und Überregulierung.“

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(v.l.:) Arno Schlicksupp, Geschäftsführer der AS Enterprise Engineering GmbH, Olaf Fei, Vonovia SE, Thomas Zimmerling, Henning Schulze, Berhard Graeber, Geschäftsführer von EB-SIM, und Jen-Peter Feidner, Geschäftsführer Equinix GmbH. (Bild:  Equinix GmbH)
(v.l.:) Arno Schlicksupp, Geschäftsführer der AS Enterprise Engineering GmbH, Olaf Fei, Vonovia SE, Thomas Zimmerling, Henning Schulze, Berhard Graeber, Geschäftsführer von EB-SIM, und Jen-Peter Feidner, Geschäftsführer Equinix GmbH.
(Bild: Equinix GmbH)

Dr. Bernhard Graeber, Geschäftsführer von EB-SIM, stellt indes heraus: „Ein großer Bestandteil der Energiewende ist die Wärmewende. Wir freuen uns, hier mit dem Energiewende Fonds ein zukunftsweisendes Wärmekonzept in Frankfurt Griesheim aufbauen und umsetzen zu können, was richtungsweisend sein wird auf dem Weg zur einer klimaneutralen Wärmeversorgung. Durch die in diesem Projekt gewonnenen Erfahrungen sind wir in der Lage, vergleichbare Investitionen umzusetzen und die notwendigen Finanzmittel zur Verfügung zu stellen.“

Fernwärme-Projekte mit Equinix in Europa

Feidner betont, dass das Frankfurter Projekt Teil der globalen Strategie des gesamten Rechenzentrumskonzern ist, die auf weltweiten basiert. Das Ziel sei die Klimaneutralität des gesamten Rechenzentrumsbetriebs bis 2030.

Erst kürzlich hat der Rechenzentrumsbetreiber seinen Nachhaltigkeitsbericht 2022 veröffentlicht, in dem die Fortschritte bei der Umsetzung der wichtigsten Umwelt-, Sozial- und Governance-Ziele (ESG) des Unternehmens dargelegt werden, darunter:

  • 96 Prozent Deckungsgrad mit erneuerbaren Energien für das Jahr und damit das fünfte Jahr in Folge mit einem Deckungsgrad von über 90 Prozent bei den erneuerbaren Energien weltweit.
  • Ein Anstieg des Verbrauchs an Erneuerbaren Energien von 5.240 Gigawattstunden (GWh) im Jahr 2019 auf 7.430 GWh im Jahr 2022.
  • Beschaffung von Erneuerbarer Energie in allen Regionen, in denen das Unternehmen tätig ist.

Nun gibt es nicht überall gleich viel grünen Strom. Umso wichtiger ist die Nutzung der überschüssigen Wärme. In Europa betreibt das Unternehmen mehrere Abwärme-Initiativen in ganz Europa. Darunter ist ein kürzlich erweitertes Fernwärmeprojekt in Finnland, das Equinix mit seinem langjährigen Projektpartner, dem Energieunternehmen Helen, umsetzt. Die beiden Unternehmen riefen das weltweit erste Wärmeprojekt für Rechenzentren ins Leben, bei dem überschüssige Wärme über das Fernwärmenetz von Helen in Kanavaranta aufgefangen und wiederverwendet wird; dadurch werden seit 2010 Wohnungen in Helsinki beheizt.

Darüber hinaus verfügt das neueste Rechenzentrum von Equinix in Paris, „PA10“, über ein innovatives System zur Rückgewinnung der erzeugten Wärme durch Geräte von Equinix-Kunden. Diese wird an das Stadtentwicklungsgebiet „Plaine Saulnier“ und das Olympische Wasserzentrum weitergeleitet, in dem während der Olympischen Spiele 2024 in Paris mehrere Veranstaltungen stattfinden werden. Equinix hat sich bereit erklärt, diese Wärme für einen Zeitraum von 15 Jahren kostenlos zur Verfügung zu stellen.

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