Regeln wirken einschränkend. Doch sie haben auch eine positive Seite; denn sie setzen einen Rahmen. Dieser Rahmen aber kann für den Einsatz von KI essentiell sein.
Demographischer Wandel, Fachkräftemangel, fehlende Budgets: KI-Agenten sollen Abhilfe schaffen. Aber können sie die menschliche Arbeit wirklich ersetzen?
Versicherungsnehmer können sich hierzulande darauf verlassen, dass ihre Versicherung Ernstfall zahlen kann. Der Hintergrund: Zahlreiche Vorschriften schreiben vor, dass eine eine ausreichende Risikovorsorge und abgesicherte Geldanlage bestehen. Hier sorgt Regulierung für Verlässlichkeit, auch im Fall unvorhersehbarer Katastrophen, wie einer Naturkatastrophe, die für großflächige Schäden sorgt.
Im Business-Kontext trifft das auch auf Regulierungen wie den EU AI Act, die FIDA-Verordnung (Financial Data Access) und Bafin-Vorgaben zu. Sie sorgen für mehr Transparenz und Kontrolle für Kunden und sorgen für eine höhere Datenqualität, mit der Künstliche Intelligenz (KI) deutlich bessere Ergebnisse erzielen kann.
Was passiert, wenn solche Leitplanken fehlen, hat die Finanzkrise 2008 gezeigt: Sie hat nicht nur Banken, sondern auch Versicherer wie AIG in Not gebracht; denn die Ausfallrisiken waren nur unzureichend mit Kapitalrückstellungen abgesichert. Dies war eine direkte Folge einer zu schwachen Regulierung.
Werden KI-Agenten fehlende Fachkräfte ersetzen?
Verantwortlichen im Finanzwesen sollte klar sein, dass aufgrund der demographischen Entwicklung und des weiter wachsenden Fachkräftemangels KI notwendig ist, um Prozesse und Workflows stärker als bisher zu automatisieren. KI-Agenten spielen hierbei eine zentrale Rolle. Sie können auch komplexere Aufgaben selbstständig durchführen und nicht nur Auskunft geben oder Anträge prüfen können. Dadurch können KI-Agenten dem Fachkräftemangel entgegenwirken.
Doch bei jeder Risikobewertung, Schadensregulierung oder Finanztransaktion können große Summen umgeschichtet werden. Gerade hier wird von menschlichen Mitarbeitern verlangt, dass sie regelkonforme, dokumentierte Entscheidungen treffen. Das muss auch für eine KI gelten. Daher dürfen den KI-Agenten keine Halluzinationen und nicht nachvollziehbare Entscheidungen unterlaufen.
Der Kunde geht davon aus, dass sein Institut und seine Versicherungen umsichtig und verantwortlich handeln, unabhängig davon, ob Entscheidungen von Menschen oder einer KI gefällt werden. Die KI muss genauso den Datenschutz-Grundverordnung-Vorgaben (DSGVO) folgen und sich an Datensicherheits- und Datenschutzregeln halten, wie es ein Mitarbeiter tun muss. Nur auf Basis dieser Grundlage, kann KI produktiv eingesetzt werden.
So beeinflusst FIDA, wie die KI entscheidet
Auf Finanzinstitute kommen mit FIDA noch strengere regulatorische Anforderungen zu. Die FIDA-Anforderungen bedeuten auch zusätzliche Last und Kosten.
Doch Finanzinstitute benötigen auch bessere, datengetriebene Entscheidungen. Der Schlüssel hierfür liegt in einer höheren Datentransparenz. Regulatorische Compliance bedeutet neben weiteren Regeln Entscheidungen nachvollziehbar und überprüfbar zu machen.
Datentransparenz ist quasi die Versicherung gegen schlechte Entscheidungen. Nur wenn Finanzinstitute wissen, dass die eingesetzte KI nicht verzerrt oder halluziniert und robust gegen Edge-Cases (Grenzfälle, in denen KI außerhalb der trainierten Parameter handelt) ist, kann sie schneller und risikoärmer skalieren werden.
Kunden interessieren sich dafür, mehr Kontrolle und Transparenz zu haben und genau das adressiert FIDA. Für Organisationen bedeutet das: Daten weiter aggregieren und die Datenqualität zu sichern. Im Umkehrschluss erhöht das die Datenmenge und -qualität, was für KI besonders wichtig ist. Dank einheitlicher und standardisierter Schnittstellen und Datenformaten sinkt intern der Aufwand, die Daten zu erheben und kontinuierlich zu verarbeiten.
Vom Datenpotenzial zu belastbaren KI-Entscheidungen
Dieser Datenschatz kann genutzt werden, um KI-Agenten verlässlicher zu machen. Die Kunst besteht in einer datengetriebenen Orchestrierung der Agenten. Dabei werden aus den Daten analytische Leitplanken abgeleitet, welche die Agenten steuern.
So gelangt man zu KI-Entscheidungen, die gemäß BaFin, EU-AI-Act und FIDA prüfbar, datenbasiert und verlässlich sind. Statt eines universell genutzten Large-Language-Models (LLM) wird eine Kombination verschiedener Modelle, Small-Language-Models und klassischerer Machine-Learning-Modelle eingesetzt, um große Datenbestände nach Mustern und Auffälligkeiten zu durchsuchen und Filter bereitzustellen. Auf dieser Basis kann die generative KI auch offenlegen, welche Entscheidungen getroffen werden und entsprechende Aktionen anstoßen.
Stand: 08.12.2025
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Die Regulierungen zeigen auf, welche KI-Modelle konform und verlässlich sind und bietet somit einen Leitfaden. Hierdurch wird sich der breite Einsatz von KI rasant entwickeln.
KI wird auch in vielen Geschäftsfeldern und komplexen Umgebungen zum Einsatz kommen, bei denen Unternehmen bisher zurückhaltend agiert haben. Damit schaffen einheitliche Regeln und Standards die Voraussetzung dafür, dass sich erfolgreiche KI-Lösungen nicht nur lokal erproben, sondern schnell auf weitere Prozesse, Abteilungen und Standorte übertragen lassen. Regulierung wird so zum entscheidenden Hebel für Skalierung.
Fazit des Autors:
Professor Heiko Beier ist Gründer und Geschäftsführer von Moresophy
(Bildquelle: Moresophy)
Professor Heiko Beier zieht das Fazit: „Regulierung wird zum entscheidenden Hebel für Skalierung:Auch wenn 'Daten-Owner' aufgrund von FIDA ihre Daten offenlegen müssen, birgt das eine große Chance! Denn aus Datenperspektive wirkt die Regulierung wie ein Katalysator. Unternehmen, die jetzt auf den regelkonformen Einsatz von KI setzen, haben einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. Dieser Vorteil wird sich sehr bald als lohnende Investition in die Zukunft entpuppen.“