Terrahes Rechenzentrumsbolg Einhausung „Warum denn das?“ (Teil 2)

Redakteur: Ulrich Roderer

Nach der theoretischen Einführung in die Einhausung behandelt der zweite Teil die praktischen Umsetzung und gibt Tipps, worauf bei der Einhausung zu achten ist.

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Ziel einer Einhausung ist die ziemlich konsequente bauliche Trennung zwischen dem kalten Gang (vor den Servern) und dem warmen Gang (hinter den Servern). Hierbei ist es wichtig, dass sich die Trennung nicht nur auf die Flächen rund um die Racks bezieht, sondern bzw. sogar insbesondere auch auf die Flächen zwischen den Servern.

Ich habe schon aufwendige Einhausungslösungen gesehen, bei denen große Flächen zwischen den Servern offen blieben. Damit kann natürlich die kalte Luft auch ungehindert an den Servern vorbei entweichen- eine optimale Temperaturdifferenz und eine Volumenstromregelung klappt somit nicht.

Durch die Verlagerung der Druckdifferenz aus dem Doppelboden in den Kaltgang kann ein weiterer unangenehmer Effekt entstehen, der unbedingt zu vermeiden ist. Eine zu hohe Druckdifferenz zwischen Kaltgang – und Warmgang würde die Lüfter der EDV-Technik (Server) zusätzlich antreiben. Das kann dazu führen, dass diese überdrehen und störanfälliger werden.

Überdruck ist schädlich für Lüfter

In einem mir zugetragenen Fall hat ein Überdruck in der Einhausung dazu geführt, dass Serverlüfter überhitzten und die Brandfrühsterkennung sowie die Löschtechnik auslösten. Dieser Ketteneffekt wurde verursacht, weil ein ausgefallener Klimaschrank, durch eine Volumenstromanhebung eines anderen Klimaschrankes, welcher sich in der Nähe der Einhausung befand, ausgeglichen wurde. Dadurch stieg der Druck in der Einhausung überproportional und stand nun unmittelbar vor den Servern an.

Um solche Fehlerursachen zu verhindern, muss sichergestellt sein, dass ein solcher Druckaufbau verhindert wird. Es sollte ein Mechanismus gefunden werden, der immer für eine entsprechende Druckentlastung sorgt.

Die einfachste Variante kann dargestellt werden, indem die Einhausung im oberen Bereich nicht vollständig abgedichtet wird. Im kalten Gang oberhalb der Racks bleibt somit ein Spalt offen. Damit ist die optimale Regelung sicherlich nicht zu 100 % sicher gestellt, leider kann ich aber hier auf keine verlässlichen Untersuchungen zurückgreifen, welche darlegen, ob die geringeren Investitionskosten die wohl höheren Energiekosten rechtfertigen.

Vorhänge als Alternative

Eine andere Lösungsvariante ist das Arbeiten mit Vorhängen, die ebenfalls zwangsläufig eine eingebaute Undichtigkeit aufweisen. Es ist eine sehr preisgünstige Lösung, die optisch, zugegebener Maßen, eine Geschmackssache ist, aber den Zweck erfüllt. Hierbei ist natürlich auch darauf zu achten, dass die brandschutztechnischen Prinzipien (wie z.B. nicht brennbares bzw. nur schwer entflammbares Material einzusetzen) eingehalten werden.

Bei den klassischen, von den großen Rackherstellern angebotenen, Einhausungen ist dagegen eine Drucküberwachung integriert, die in verschiedenen Lösungen angeboten wird.

Drucküberwachung

Drucküberwachungssysteme können mit Drucksensoren oder mit Hilfe von einer Temperaturdifferenzüberwachung arbeiten. Die Funktionsweise ist dabei die Folgende: Entsteht ein Überdruck im Raum strömt über ein Röhrchen die kalte Luft in den warmen Raum. Ein Indiz dafür, dass die Ventilatoren zurückgefahren werden müssen. Strömt warme Luft über das Röhrchen in den Raum, ist es genau umgekehrt und die Ventilatoren müssen mehr Leistung bringen.

Eine weitere Möglichkeit der Drucküberwachung wäre der Einsatz von Anemometern, die über die Drehrichtung der Flügelräder erkennen lässt, ob Luft angesaugt oder ausgeblasen wird.

Bei der Planung einer Einhausung ist weiterhin zu berücksichtigen, dass eine Klimatisierung über Doppelboden eine Raumklimatisierung darstellt. Bei mehreren Einhausungen in einem Raum bestehen aber unterschiedliche Leistungsanforderungen.

Dieses Problem bekommt man in den Griff, wenn für eine relativ homogene und statische Lastverteilung gesorgt und mit regelbaren Bodenplatten gearbeitet wird oder die Klimageräte den Einhausungen zugeordnet werden.

Für die letzte Lösung haben sich die sogenannten Side- oder Inrow- Kühler etabliert. Sie stehen in der Rackreihe und blasen direkt in den kalten Gang ein. Hierzu mehr im nächsten Blog.

Falls Sie den ersten Teil verpasst haben, hier können sie ihn nachlesen: Einhausung – „Warum denn das?“ – Teil 1

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