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Wie real diese Vision bereits heute werden kann, verdeutlichte Dr. Markus Flik, Vorstandsvorsitzender der Homag Group, eines Spezialisten für Anlagenlösungen. Beim österreichischen Möbelhersteller und Referenzkunden Hali habe man eben diese Möbelproduktion in Losgröße 1 schon möglich gemacht. Weitere Glanzlichter der Anlage: Aggregate werden in maximal anderthalb Sekunden umgerüstet, bei gleichem Personaleinsatz habe man die Leistung um 30 % steigern können.
Standards für die Kommunikation nicht zu früh setzen
Die aufgeräumte Fertigungsstraße, die die Konferenzteilnehmer in einem Imagevideo vorgesetzt bekamen, bestätigte indes die von Dr. Jochen Köckler, Mitglied des Vorstandes Deutsche Messe AG, wiedergegebenen Erfahrungen. Denen zufolge ähnelten heutige Industriebetriebe eher Apotheken als dem Stereotyp öliger Fabriken.
Auf Nutzen und Herausforderungen von „Cyber Physical Systems“ ging Prof. Dr. Birgit Vogel-Heuser, Ordinaria am Lehrstuhl für Automatisierung und Informationssysteme an der TU München, näher ein; sie skizzierte das Zusammenspiel von Sensoren und Aktoren, digitalen Netzen sowie multimodalen Mensch-Maschine-Schnittstellen. Für die dabei auftretenden interdisziplinären Forschungsfragen, so das Resümee, bedürfe es auch der gebündelten Kompetenz verschiedenster Fachbereiche, wie Psychologie und Soziologie, Informatik sowie Ingenieur- und Naturwissenschaften.
Doch wie schwierig die Kommunikation zwischen diesen Fächern sein kann, verdeutlichte Eckard Eberle auf der Podiumsdiskussion: „Wir müssen uns bereits beim Begriffsgebrauch auf eine gemeinsame Sprache einigen. Techniker definieren schon das Wort Information anders als das Informatiker tun.“
Was für die zwischenmenschliche Kommunikation gilt, trifft freilich auch auf der technischen Seite dienstorientierter Architekturmodelle zu. Hier befindet man sich allerdings noch in einer frühen Phase.
Dr. Peter Terwiesch, Vorstandsvorsitzender der ABB AG, argumentierte dementsprechend abwägend: „Interoperabilität ist ein wichtiges Merkmal von Industrie 4.0 und erfordert Standards, die wir rechtzeitig – aber auch nicht zu früh – setzen müssen. Wir brauchen Lernzyklen, um Dinge auszuprobieren und zu testen. Dabei müssen wir klären, wo wir Rahmen brauchen und wo Bewegungsfreiheit.“ Vogel-Heuser betonte im ähnlichen Kontext die Bedeutung ontologischer Sprachabbilder.
Im Gegensatz zu CIM ist Industrie 4.0 dezentral angelegt
Der Rolle des Menschen innerhalb der Industrie 4.0 widmete sich schließlich ein Dialog zwischen Prof. Dr. Wilhelm Bauer, Institutsleitung beim Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), und Dr. Constanze Kurz, Bereich Betriebs- und Branchenpolitik beim Vorstand der IG Metall. Bemerkenswert war dabei, wie offen die Gewerkschaftsseite das Thema anging. Natürlich ließ es Kurz nicht aus, auf die bestenfalls durchwachsenen Erfahrungen mit CIM hinzuweisen, die noch immer im kollektiven Gedächtnis der Fabriken verankert seien.
Trotz ähnlicher Motivationslage bei Industrie 4.0 stünden die Vorzeichen diesmal aber besser. Das bestätigt auch Kagermann: „Im Gegensatz zu CIM ist Industrie 4.0 dezentral angelegt. Im Mittelpunkt der smarten Produktion steht der Mensch.“
Beim Gespräch über vernetzte Produktionsanlagen kamen die Podiumsteilnehmer fast von selbst auch auf das Thema Sicherheit und den NSA-Skandal zu sprechen. Die ad hoc diskutierten Lösungsansätze reichten von gesicherten Arbeitsumgebungen für Agenten in dienstorientierten Architekturen bis hin zum Vorschlag eines rein deutschen Datennetzwerks.
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