Nicht erfasst oder messbar, ignoriert, Fehlanzeige und vernachlässigt Die wahre Nachhaltigkeit im Rechenzentrum

Ein Gastbeitrag von Ulrich Terrahe* 2 min Lesedauer

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Der PUE-Wert, eine einfache Formel, ein scheinbar klares Ergebnis. Die Kennzahl ist die etablierte Metrik, wenn es um die Energie-Effizienz von Rechenzentren geht. Aber mal ehrlich: Reicht dieser eine Wert wirklich aus, um die Komplexität der Nachhaltigkeit in einem modernen Rechenzentrum abzubilden? Ich sage: PUE allein ist nicht genug!

Wer nicht über den Tellerrand hinausschaut, verpasst manchmal das Wesentliche. Dieses gilt laut Ulrich Terrahe auf jeden Fall für die Kennzahl PUE. (Bild: ©  Khan - stock.adobe.com / KI-generiert)
Wer nicht über den Tellerrand hinausschaut, verpasst manchmal das Wesentliche. Dieses gilt laut Ulrich Terrahe auf jeden Fall für die Kennzahl PUE.
(Bild: © Khan - stock.adobe.com / KI-generiert)

Die Rechenzentrumskennzahl PUE mag die Effizienz der Infrastruktur messen, aber sie sagt uns nichts über die tatsächliche ökologische Bilanz oder die Gesamtleistung eines Rechenzentrums. Hier sind die Punkte, warum wir über den PUE-Tellerrand hinausblicken müssen:

  • Was ist mit dem Wasserverbrauch?Nicht erfasst!. Obwohl Rechenzentren weltweit gigantische Mengen Wasser verbrauchen, indirekt durch die Stromerzeugung und direkt durch Kühlsysteme, bleibt dies in der PUE-Berechnung unsichtbar. Die WUE (Water Usage Effectiveness) ist ein Anfang, aber auch sie ist begrenzt.
  • Die Effizienz der IT selbst:Ignoriert! Ein Rechenzentrum kann einen 'guten' PUE-Wert nachweisen, aber gleichzeitig ineffiziente IT-Geräte betreiben, die viel Energie ohne entsprechende Rechenleistung verschwenden. Der PUE bestraft sogar die Optimierung der IT-Last – ein Paradoxon, das zeigt, wie unvollständig diese Metrik ist.
  • Lebensdauer und Recycling von Hardware:Fehlanzeige! Der PUE-Wert berücksichtigt weder die Nutzungsdauer von Assets noch die Weiterverwertungsrate ausgemusterter Hardware. Ein vorzeitiger Neukauf von vermeintlich Energie-effizienteren IT-Geräten zur Senkung des PUE kann am Ende der Umwelt mehr schaden, da die energie- und ressourcenintensive Herstellung neuer Geräte nicht eingerechnet wird.
  • Standortfaktoren und Kontext:Vernachlässigt! Die geografische Lage und die klimatischen Bedingungen beeinflussen den PUE erheblich. Kältere Regionen haben von Natur aus Vorteile. Aber auch die Verfügbarkeit nachhaltiger Energie- und Wasserquellen sowie Potenziale zur Abwärmenutzung sind entscheidend für die wahre Nachhaltigkeit. All dies bildet der PUE nur unzureichend ab.
  • Produktivität und Wertschöpfung: Nicht messbar! Die PUE-Werte sagen nichts über die tatsächliche Produktivität oder den 'Output' eines Rechenzentrums aus, also wie viel Rechenleistung erbracht, wie viele Daten verarbeitet oder welcher geschäftliche Wert generiert wird.

Das Energie-Effizienzgesetz (EnEfG) geht zwar über die PUE-Kennzahl hinaus und fordert auch Abwärmenutzung und den Einsatz erneuerbarer Energien. Aber es gibt viele Lücken bei der Auslastung und dem Nutzungsgrad der IT-Infrastruktur.

*Der Autor
Ulrich Terrahe ist Geschäftsführer der DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG, Frankfurt. Er fordert: Wir brauchen einheitliche Bewertungsstandards und präzise Indikatoren, die über den PUE hinausgehen und die eigentliche Effizienz des IT-Betriebs und die umfassenden Umweltauswirkungen beschreiben. Nur so können wir Deutschland als Vorreiter im Bereich nachhaltiger digitaler Infrastrukturen positionieren und wirklich einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, statt uns in einem PUE-Flickenteppich der Halbwahrheiten zu verlieren.

Bildquelle: DC-CE RZ-Beratung GmbH & Co. KG

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